Reisetipps Frankfurt

Stichworte Frankfurt

Apfelwein

Um Legenden über die Entstehung ihres Nationalgetränks sind die Frankfurter nie verlegen. Die einen behaupten, Kaiser Karl sei der „Erfinder“: Sein monarchisches Gewicht habe aus einem auf einem Stuhl liegenden Apfel alle Flüssigkeit gepresst. Andere erzählen die Geschichte der beiden diebischen Soldaten, die ihre Apfelbeute ausgerechnet im Kanonenrohr versteckten, vom Hauptmann ertappt wurden und zusehen mussten, wie der Kanonenputzer so lange im Rohr herumstocherte, bis „daraus quoll ein Strom hervor“. Wie dem auch sei, gewerblich ausgeschenkt wird das gekelterte „Stöffche“ seit dem 17. Jh.; immer schon in einem Steingutkrug (Bembel) und in geschliffenen Gläsern (Gerippte). Anfangs waren am Straßenrand wachsende Äpfel die Basis für den erfrischenden Trunk, inzwischen kommen sie von weither. Der Herstellungsdreiklang Süßer (frisch gepresst nach der Ernte), Rauscher (nach einigen Wochen Gärung, trüb, leicht moussierend), Neuer (nach Abschluss des Gärprozesses, klar) ist indes bis heute gültig - ebenso wie die vier Schreibweisen Äppelwoi, Äppelwei, Ebbelwei, Ebbelwoi. Und jeder echte Frankfurter weiß natürlich, welcher Wirt noch nicht auf Industrieware umgestellt hat.

Frankfurter Latern

Zugegeben: Frankfurts berühmtester Dichter heißt Johann Wolfgang von Goethe. Auch wenn Goethe lange in Weimar lebte und nicht immer nur gut über seine Heimatstadt sprach. Aber immerhin flossen ihm am Main einige seiner bedeutendsten Werke aus der Feder: „Götz von Berlichingen“ etwa oder „Die Leiden des jungen Werther“. Friedrich Stoltze (1816-1891) hingegen schaute nicht den Damen in die Augen, sondern allen Bürgern aufs Maul, hielt ihnen mit seinen Gedichten in Frankfurter Mundart spöttisch den Spiegel vor. Und leuchtete nicht nur den Politikern jahrzehntelang ordentlich heim mit seiner „Frankfurter Latern“, einer satirischen Zeitschrift, die in ganz Deutschland mit bis zu 20000 Exemplaren erschien. Das Stoltze-Museum im Treppenturm des Schönborner Hofes (16. Jh.) erinnert mit Bilddokumenten und Texten an den engagierten Literaten. Mo, Di, Do 9.30-17, Mi 9.30-20 Uhr | Töngesgasse 34-36 | Eintritt frei | U-/S-Bahnen Konstablerwache

Grün

Frankfurt ist grüner als sein Ruf. So besitzt die Mainmetropole den größten stadteigenen Wald der Bundesrepublik. Gesprenkelt von Weihern, erstreckt er sich auf der südlichen Flussseite von Ober- bis Niederrad. Auf der nördlichen Mainseite umspannt ein fast 5 km langer, auf Befehl von Napoleon Anfang des 19. Jhs. an Stelle des ehemaligen Befestigungsrings geschaffener Grüngürtel die Stadt. Außerdem liegen auf dem Stadtgebiet ein Dutzend öffentlicher Parks; ursprünglich meist angelegt um den Besitz wohlhabender Familien, etwa der Solms und Bretanos. Zwei Ausnahmen bilden der Ostpark und der Lohrpark. Ersterer wurde um 1900 als Freizeitstätte für die Bevölkerung konzipiert, mit Spielwiesen, Badeteich und Schulgarten. Wenige Jahre später entstand auf der Kuppe des Lohrbergs ebenfalls ein Bürgerpark: mit Obsthainen, Versuchsgarten, Schreberparzellen und einer Ausflugsschänke.

Main

Es hat ein wenig gedauert, aber inzwischen entdeckt Frankfurt seinen Fluss und dessen Ufer wieder. Die Jahrhundertwendepracht mit ihren schwimmenden Badeanstalten ist zwar dahin, aber es gibt Pläne für ein neues Badeschiff, einige Gastwirte stellen schon seit ein paar Sommern Tische und Bänke vor die Kulisse von Museumsufer und Hochhausskyline. In Brückenköpfen und -gewölben entstanden und entstehen hippe Bars und Kneipen; am Ufer dehnen sich im Sommer nun weite Strandlandschaften mit Palmen, Sand und Beachvolleyballfeldern aus. Das ehemalige Schlachthofgelände am Sachsenhäuser Ufer und die beiden Hafenareale entwickelten sich zu luxuriösen Wohngebieten - im Westen sogar mit Anlegesteg für die schnittige Yacht. Auf dem Gelände der historischen Großmarkthalle hinter der Weseler Werft geht die Rückbesinnung auf die Reize des Mains weiter: Die Europäische Zentralbank, bislang im Eurotower in der City zu Hause, wird hier ihr neues Quartier beziehen.

Messe

Schon früh kreuzten sich in Frankfurt die Handelswege, und bereits 1160 wurde die Siedlung am Main als Messeplatz erwähnt. Knapp achtzig Jahre später erhielt sie als erste Stadt im damaligen Europa das offizielle kaiserliche Privileg, jährlich Handelsmessen abzuhalten. Tuche und Gespinste aus den hessischen Dörfern kamen ebenso zum Verkauf wie Wein von der Mosel und Waren aus fernen Gefilden.

Inzwischen ist Frankfurt mit annähernd 40000 Ausstellern und mehr als 2 Mio. jährlichen Besuchern der größte Messeplatz in Europa. Rund fünfzig Messen stehen im Jahreskalender, fast ein Drittel davon gelten als weltgrößte ihrer Branche, darunter die Internationale Automobilausstellung (IAA), die Buchmesse und das Konsumgütermessenpaar Ambiente/Tendence.

Wolkenkratzer

Wer das Glück hat, mit dem Flugzeug einzuschweben, und das möglichst noch kurz vor der Dämmerung, erlebt die wohl beeindruckendste Stadtansicht Deutschlands von ihrer bezauberndsten Seite. Filigran hebt sich das Ballett der Hochhaustürme vor den Kuppen des Taunus ab: schlanke, von Kronen und Spitzen gezierte Wolkenkratzer aus Stahl und Glas, die modernen Insignien von (Versicherungs-)Macht und (Banken-) Kapital. Ein Hauch von New York weht dem Betrachter entgegen; „Mainhattan“ nennen daher nicht nur die Einheimischen die Mainmetropole mit wachsendem Stolz.