Reisetipps Frankfurt

Stadtspaziergänge Frankfurt

City und Sachsenhausen: Wo Goethe sich verliebte

Die Nostalgietour folgt den Schritten des Dichterfürsten. Zwei bis drei Stunden sollten Sie für den Spaziergang einplanen.

„Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlag 12, kam ich in Frankfurt am Main zur Welt“, schreibt Goethe in seinem autobiografischen Werk „Dichtung und Wahrheit“. Der Spaziergang auf den Spuren des Dichters beginnt in seinem Elternhaus am Großen Hirschgraben (Goethehaus). Johann Wolfgang wuchs hier mit seiner 15 Monate jüngeren Schwester Cornelia auf, bis ihn sein Vater im Oktober 1765 an die Universität nach Leipzig schickte.

Der Herr Papa selbst widmete sein ganzes Leben wissenschaftlicher Arbeit und einer Reihe von Sammlungen. Als Sohn eines Schneidermeisters und „erfolgreichen Gasthalters“ hatte er in der Nähe des Großen Hirschgrabens das Licht der Welt erblickt; im Gasthaus zum Weidenhof. Ein Versicherungsbau steht nun an der Stelle des Lokals in der Weißadlergasse, eine Plakette erinnert aber an die historische Stätte. Bestattet wurde Johann Caspar Goethe in der Gruft seiner mütterlichen Vorfahren, der Familie Walther, auf dem seit 1454 belegten Peterskirchhof, ebenso wie Goethes Mutter Catarina Elisabeth Textor, genannt Frau Aja.

Doch zurück zum Sohn, dem Ludwig Schwanthaler 1844 in der Gallusanlage auf dem - inzwischen neu gestalteten - Goetheplatz ein Denkmal schuf. Goethe liebte die verwinkelte Frankfurter Altstadt. Manchmal wurde dem Herrn Dichter jedoch das Treiben in der engen Altstadt zu viel. Dann ließ er sich mit dem Kahn auf die andere Seite des Mains übersetzen, ins grüne Sachsenhausen. Heute braucht man dazu kein Boot, sondern schlendert über den Eisernen Steg in den einst bei der Frankfurter Bourgeoisie als Ausflugsziel und Sommerfrische beliebten Stadtteil. Durch die Färber- und Dreikönigsstraße, vorbei am Gassengewirr des Vergnügungsviertels, geht es hinauf zum Mühlberg. Unweit der Herz-Marien-Kirche soll Goethe hier nach einer durchzechten Nacht auf einer (nicht mehr existierenden) Treppe eingeschlafen sein.

Weiter bergan, am Hühnerweg 74, steht inmitten eines gepflegten Rokokogärtchens das rekonstruierte Willemer Häuschen. (Mitte April-Mitte Okt. So 11-16 Uhr | Eintritt frei). Der schindelgedeckte Türmchenbau stand einst inmitten von Weinbergen und gehörte dem Frankfurter Bankier Johann Jakob Willemer, dessen junge Gattin Marianne, eine Schauspielerin, es auch Goethe angetan hatte. Am 18. Oktober 1814 sahen der Dichterfürst und das Ehepaar Willemer von hier die aus Anlass des Jahrestages der Leipziger Völkerschlacht entzündeten Freudenfeuer auf den Taunushöhen. Danach verewigte sich Goethe angeblich mit Namen und Datum am Fensterpfosten. Wie dem auch sei - der Pfosten wurde bereits um 1830 übertüncht. Als Goethe im August des nächsten Jahres nach Frankfurt zurückkehrte, nahm er sein Quartier direkt bei den Willemers, hauptsächlich in deren Sommersitz an der Gerbermühle, heute Gaststätte und Hotel. Hier feierte er am 28. August 1815 im Kreise der Freunde seinen 66. Geburtstag und verbrachte die „allerschönste Zeit“. Derweil arbeitete er an dem „West-östlichen Diwan“, schlüpfte selbst in die Rolle des Hatem, und Marianne wurde seine Suleika. Die Gerbermühle ist über einen Schlenker zur Offenbacher Landstraße zu erreichen, durch die Schrebergärten (Strahlenberger Weg) und die großen Gemüsebeete Oberrads. (Den Speckweg nach links, durch die Unterführung, an der Ampel das Deutschherrnufer queren bis hinab zum Mainwasenweg mit der Riege der Rudergaststätten.) Seit einiger Zeit führt auch ein ausgeschilderter Rundwanderweg „Auf Goethes Spuren“. Das Signet entwarf der Frankfurter Karikaturist Hans Traxler frei nach Tischbeins „Campagna“-Porträt des Dichterfürsten.

Marktgeschichten aus dem Alten Frankfurt

Dieser Spaziergang, der zwischen Römerberg und Zeil entlangführt, dauert rund zwei Stunden.

Vor der Ostzeile des Römerbergs markiert ein kleiner, rekonstruierter Sandsteinbrunnen den Startpunkt dieser Tour. Ursprünglich wuschen an ihm die Frankfurter Hockinnen ihre Hände und Ware. Die Marktweiber, die mit ihren derben Röcken auf niederen Schemeln hockten, betrieben ihr Geschäft aber nicht nur direkt auf dem Rathausplatz. Das ganze Areal östlich von ihm diente bis ins späte 19. Jh. der Versorgung der Frankfurter. Vor dem Steinernen Haus etwa wurden Kräuter gehandelt, im Rapunzelgässchen Salat. Nördlich des heutigen archäologischen Gartens waren der Kraut- und der Hühnermarkt angesiedelt, wo neben Federvieh auch Eier, Milch, Butter und Käse angeboten wurden. Wenige Schritte südlich an der Stelle der heutigen Kunsthalle Schirn lag das Areal der Metzger. Ihre Verkaufsstände im Erdgeschoss der nur 2,5 m breiten Häuser entstanden, indem sie die Holzläden vor den Fenstern aufklappten und daraus Tisch und Dach machten. Diese Konstruktion nannte man Schirn. Geschlachtet wurde wenige Meter weiter, auf einem Areal parallel zum Main (heute Wohnanlage). Die Därme wurden im Fluss gewaschen, das Blut der Tiere zog dort oft eine rote Spur. Westlich des Schlachthofs hatte die Fischerzunft ihr Domizil (Große Fischergasse). Hier öffnet sich heute die Terrasse des Café Metropol. Am Weckmarkt boten die Kucheweiber Brot und Gebäck an.

Im Kannengießergässchen löschten die Lohnkutscher ihren Durst, die von den großen Gasthäusern in der Fahrgasse bis nach Frankreich und Italien aufbrachen. Im April 1873 eskalierte in dieser Gasse der Zorn einiger Bürger über die Brauereien, die seit Monatsbeginn den Schoppen Gerstensaft um 5 Kreuzer teurer verkauften, zum „Großen Batzenbierkrawall“.

Fünf Jahre nach dem Krawall verfügten die Ratsherren die Verlegung des Markttreibens an die Stelle der ehemaligen Kasernen der Stadtmiliz (Reineckestr.). Eine Halle hatten sie dafür erbauen lassen, mehr als 100 m lang, mit 900 Ständen. Trotzdem fanden nicht alle Hockinnen dort Platz. Viele mussten weiter im Freien verkaufen, wie zuvor um Römer, Dom und auf dem Liebfrauenplatz. Dorthin (und in die Töngesgasse) wurde nämlich vor dem Bau der Markthalle der Wochenmarkt verlegt, wenn sich auf dem Samstagsberg die Messehändler breitmachten. Unter dem Titel „Mit gutem Herz und bösem Maul“ bietet die Kulturothek eine Kostümführung zu den Marktstätten an (Infos unter Tel. 281010).

Jüdische Spurensuche

Vom Osten der City bis ins Westend folgen Sie den Spuren eines Bevölkerungsteils, der Frankfurt lange Zeit prägte. Zwei bis drei Stunden mindestens sollten Sie sich dafür Zeit nehmen.

Ludwig Börne, Max Beckmann, die Rothschilds, die Oppenheimers, Paul Ehrlich, Martin Buber - alles Namen, die eng verknüpft sind mit Frankfurt. Ob Dichter, Banker, Philosophen oder Wissenschaftler - sie kamen in der Stadt am Main zur Welt, sie lebten und wirkten hier. 30000 jüdische Bürger zählte Frankfurt einst, das waren mehr als fünf Prozent der Bevölkerung. Noch Anfang des 20. Jhs. prägten sie den Alltag der Stadt. Jüdische Privatbanken wickelten um 1930 fast zwei Drittel des örtlichen Finanzgeschäftes ab; 1939 förderten mehr als sechzig jüdische Stiftungen Kunst und Wissenschaft in der Stadt, unterstützten Kranke und Waisen. Nach der Deportation (von der Großmarkthalle aus) brachen ganze Wirtschaftszweige zusammen.

Die Spurensuche beginnt am Alten Jüdischen Friedhof an der Battonnstraße. Von seiner Geschlossenheit und historischen Kontinuität her (ab dem 13. Jh.) ist er einmalig auf der Welt. Seine Gräber liegen versteckt hinter einer Mauer, in die zahlreiche Gedenktafeln eingelassen ist, nur wenige Schritte entfernt vom Börneplatz. An seiner Ostseite, gegenüber dem Dominikanerkloster, steht der Neubau der Stadtwerke. Unerwartet hatte man hier Ende der 1980er-Jahre bei Ausschachtungsarbeiten für den riesigen Verwaltungskomplex gut erhaltene Reste des bis ins 19. Jh. existierenden Judenghettos entdeckt. Nach kämpferischen Protesten wurden die Ruinen als Mahnmal bewahrt und sind nun als Dependance des Jüdischen Museums der Öffentlichkeit zugänglich (Di, Do-So 10-17, Mi 10 bis 20 Uhr | Untermainkai 14-15 | Eintritt 4 Euro | www.juedischesmuseum.de | U 1-5, Straßenbahn 11/12 Willy-Brandt-Platz).

Teile des Judenviertels wurden bereits 1460 angelegt; ausgehend von der mittelalterlichen Staufenmauer, von der (parallel zur Fahrgasse) noch Teile erhalten sind. Nahe dem Dom errichtete die jüdische Gemeinde schon im 11. Jh. die erste Synagoge Frankfurts; heute existieren insgesamt sechs jüdische Gotteshäuser.

Durch die Bethmannstraße gelangen Sie an den Untermainkai. Im ehemaligen Palais der Bankiersfamilie Rothschild ist das Jüdische Museum untergebracht. Fotos, Videos, Modelle und religiöse Kultgegenstände zeichnen das Leben der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt zwischen dem 12. und dem 20. Jh. nach (Di, Do-So 10-17, Mi 10-20 Uhr | Kurt-Schumacher-Str. 10 | Eintritt 2 Euro | www.juedischesmuseum.de | Straßenbahn 11/12 Börneplatz, Bus 30/36). Durch die westlichen Wallanlagen (Untermain-, Gallus- und Taunusanlage), wo Sie an der Straße Taunustor vor der Zentrale der Deutschen Bank die Max-Bill-Skulptur Unendliche Schleife (1986) entdecken, spazieren Sie nun zur Alten Oper. Das Café-Bistro dort ist der ideale Ort für eine Pause. Danach geht es weiter durch den Rothschildpark ins Westend.

In der Freiherr-von-Stein-Straße steht seit 1911 die Westend-Synagoge, Frankfurts größtes jüdisches Gotteshaus. In der Savignystraße wurde Mitte der 1980er-Jahre das neue Jüdische Gemeindezentrum errichtet mit einem koscheren Restaurant.

Mit der U-Bahn geht es nun zum historischen Hauptfriedhof. Innerhalb seiner Mauern liegt der Neue Jüdische Friedhof. Auf ihm befinden sich u.a. die Familiengruft der Rothschilds, die letzte Ruhestätte von Paul Ehrlich, der in Frankfurt das erste wirksame Mittel gegen Syphilis entwickelte, und das Grab des Begründers der Frankfurter Zeitung, Leopold Sonnemann. Auch Berta Pappenheim, eine der herausragenden Frauen- und Sozialpolitikerinnen des frühen 20. Jhs., wurde hier beigesetzt. Sie ging, nachdem sie an Hysterie erkrankt war, durch Sigmund Freud als „Der Fall Anna O.“ in die Geschichte der Psychoanalyse ein. 1936 starb sie infolge eines Verhörs durch die Gestapo. Anne Frank war damals bereits mit ihren Eltern vor den Nazis nach Amsterdam geflohen. In ihrem Versteck in der Prinsengracht begann sie mit ihrem berühmten Tagebuch. Anne wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt geboren. Ihre ersten vier Lebensjahre verbrachte sie im Marbachweg 307. 1944 wurde sie ins Konzentrationslager Auschwitz, später nach Bergen-Belsen deportiert. Dort starb Anne wenige Wochen vor der Befreiung an Typhus - im Alter von nur 16 Jahren. In der Hansaallee 150, nur wenige Hundert Meter von ihrem Elternhaus, erinnert die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank an das Schicksal des jüdischen Mädchens (Fr-So 14-18 Uhr | www.jbs-anne-frank.de).