Reisetipps Frankfurt

Ausflüge & Touren Frankfurt Römer, Wein und Backsteinkunst

Für jeden etwas: ein lebendiges Kastell mitten im Wald, die reizvolle Welt des Rheingaus und kühne Industriearchitektur an den Ufern des Mains

Alles in einem: Die Generalkarte Großblatt Nr. 9 im Maßstab 1: 200000 (Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen-Süd) begleitet Sie auf den hier beschriebenen Ausflügen.

Industriekultur am Fluss

Interessante Architekturbeispiele aus dem späten 19. und frühen 20. Jh. sehen Sie auf dieser Fahrradtour entlang des Mains (2-4 Std.).

Die Fahrradtour beginnt im Frankfurter Osthafen, von Kaiser Wilhelm 1912 als zweiter Frankfurter Hafen eröffnet. Nach Plänen von Peter Behrens, dem Lehrmeister u. a. von Le Corbusier, entstand hier an der Schielestraße bereits 1910 das Gaswerk Ost, einer der modernsten Zweckbauten seiner Zeit.

Über die Honsellbrücke mit ihrem Raubkatzenschmuck (1910) aus Stein radeln Sie nun zum Gelände der Großmarkthalle. „Gemiesekersch“ (Gemüsekirche) nennen die Einheimischen liebevoll den 1928 von Martin Elsässer errichteten Bau mit seinen 15 Tonnengewölben. Der 220 m lange und bis zu 23 m hohe Komplex im Stil der Neuen Sachlichkeit galt seinerzeit als größter Eisenbetonbau der Welt. Bis Mitte 2004 lief noch der Marktbetrieb. 2011 bezieht auf dem Gelände die Europäische Zentralbank ihr neues Domizil. Die historische Halle wird in den Neubau integriert. Bereits saniert ist die Weseler Werft. Das neue „Wohnen am Fluss“ zeigt sich dort in Gestalt mehrerer Etagenblocks. Ein Muss: der Blick zurück zur Deutschherrnbrücke mit ihrer Eisenfachwerkkonstruktion.

Biker mit guter Kondition legen nun einen Abstecher ein zur Naxos-Halle in der Waldschmidtstraße. Ihr schräg gegenüber reckt der Mousonturm seine Klinkermauern in den Himmel. In der ehemaligen Seifenfabrik gibt es neben Kultur auch Speis und Trank. Dann geht es zurück zum Fluss.

Im Westhafenviertel lugen zwischen den modernen Wohnkuben noch geklinkerte Lagerhäuser mit Jugendstilelementen hervor. Über die Friedensbrücke erreichen Sie jetzt das Südufer des Mains und unter der Main-Neckar-Eisenbahnbrücke hindurch das ehemalige Wäscherdorf Niederrad. Dort steht am Ufer das Alte Klärwerk von 1887, die erste mechanisch betriebene Großkläranlage in Europa. Auf dem ehemaligen Leinpfad gelangen Sie bis zum Fähranleger nach Höchst mit seiner malerischen Altstadt und dem neu gestalteten Flussufer. Westlich von ihr entstand 1920-1924 nach Plänen von Peter Behrens die Hauptverwaltung der Farbwerke Höchst. Im zentralen Teil des Backsteinbaus schuf Behrens mit dem „Kuppelsaal“ eine Art Kathedrale der Arbeit (Besichtigung jeden letzten Freitag im Quartal, 14-16.30 Uhr. Besucher melden sich mit Personalausweis am Tor Ost des Industrieparks Höchst | Tel. 3057179).

Zu Römern und Hessen

Antike Vergangenheit und ländliche Baukunst werden lebendig bei dieser Fahrt in den Taunus. Sie besuchen ein römisches Kastell und ein lebendiges Museumsdorf (60 km, mindestens Halbtagestour).

Auf der A 5 fahren Sie bis zum Bad Homburger Kreuz, dann auf die A 661 bis nach Bad Homburg und von dort folgen Sie der B 456 bis zur Saalburg.

Zur Römerzeit war die Saalburg ein Kastell, das der Bewachung eines Limesabschnitts im Taunus diente. Kaiser Wilhelm II. veranlasste 1897 die Rekonstruktion des Kastells - als einzigen des gesamten römischen Verteidigungswalls. Die Anlage birgt heute u. a. ein Museum römischer Geschichte sowie ein Café mit z. T. antikem Ambiente und römischen Speisen (Römerkastell Saalburg: März-Okt. tgl. 9-18, Nov. bis Feb. Di-So 9-16 Uhr | 3 Euro; Museumscafé: März-Ende Okt. Di-So 10-18, Nov., Dez., Feb. 12-16 Uhr | Tel. 06175/93740 | www.saalburgmuseum.de | S 5 Bad Homburg, dann Stadtbus 5).

Autofahrer können eine Fahrt zur Saalburg gut kombinieren mit einem Besuch des Hessenparks. Das 1974 gegründete Freilichtmuseum dokumentiert anhand von rund 100 Gebäuden 400 Jahre ländliche Baugeschichte in ganz Hessen, außerdem traditionelle Handwerkskünste. Freilichtmuseum Hessenpark: März bis Ende Okt. tgl. 9-18, Nov. 9-17 Uhr | 5 Euro | Laubweg, Neu-Anspach | Tel. 06081/5880 | www.hessenpark.de | Taunusbahn ab Frankfurt Hbf. oder Bad Homburg bis Wehrheim bzw. Anspach, von dort Bus 514

Ausflug in den Rheingau

Ein berühmtes Kloster, herrliche Flusspanoramen und typische Weinorte erwarten Sie auf diesem Tagesausflug (ca. 150 km).

Die A 66 führt vom Main zum Rhein. Fahren Sie bei Wiesbaden über das Schiersteiner Kreuz hinaus, bis die Autobahn in die B 42 übergeht. Möglich ist die Ausfahrt schon bei Eltville mit seinem schönen historischen Kern. Oder Sie fahren bis zur Ausfahrt Kiedrich. In dem Weindörfchen steht mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Valentinus eines der schönsten Gotteshäuser der Region (nur sonntags nach der Messe zugänglich).

Von Kiedrich folgen Sie der Beschilderung bergan nach Kloster Eberbach, einem der eindrucksvollsten Denkmäler mittelalterlicher Klosterbaukunst in Europa. Die ehemalige, von Bernhard von Clairvaux 1136 gegründete Zisterzienserabtei war Schauplatz der Verfilmung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. Seine Weltgeltung verdankt Kloster Eberbach dem Wein: Seit mehr als 800 Jahren wird hier gekeltert (April-Okt. tgl. 10-18, Nov. bis März tgl. 11-17 Uhr | 3,50 Euro | www.kloster-eberbach.de).

Vorbei an renommierten Weinlagen wie Hallgarten geht es nach Oestrich-Winkel. Das 1075 erbaute Graue Haus, Stammsitz der Grafen Greiffenclau, ist wohl das älteste Steinhaus Deutschlands. Im Brentanohaus am Lindenplatz schmeckte schon Goethe der Riesling.

Rüdesheim heißt die nächste Station. Wer sich dort nicht mit den Massen durch die Drosselgasse schieben möchte, besucht die Brömserburg. Hier ist heute das Rheingauer Weinmuseum untergebracht (Mitte März-Ende Okt. tgl. 10-18 Uhr | Eintritt 5 Euro | www.rheingauer-weinmuseum.de). Von Rüdesheim gelangen Sie mit der Seilbahn hinauf zum Niederwalddenkmal mit herrlichem Rheinblick. Zurück geht es über das charmante Bingen und das Rotweingebiet Ingelheim.