Reisetipps England

Auftakt England Was für ein Land!

Eine Reise nach England verspricht Begegnungen mit lieb gewonnenen Bildern und ist doch auch voller Überraschungen. So sieht man das klassische England, wie man es aus Filmen kennt: Felsküsten mit Burgen, in grüne Hügellandschaft eingebettete Herrensitze, Gärten und blumengeschmückte Dörfer mit urigen Pubs. Andererseits überrascht das moderne England mit kreativer Mode, kulinarischer Vielfalt, Abenteuersport und einem pulsierenden Nachtleben. Neben das historische Erbe von Stonehenge, Cambridge und York treten kulturelle Schätze und aufregende neue Architektur in Städten wie Liverpool und Manchester.

Wem ist eine Reise nach England zu empfehlen? Sicherlich nicht demjenigen, für den das Wetter am Urlaubsort allererste Priorität hat und 14 Tage ununterbrochener Sonnenschein das Kriterium für einen gelungenen Urlaub sind.

Und schon gibt es Einwände: Wieso denn das? Das Wetter in England ist moderat, angenehm. Es wird nie richtig kalt und nie richtig heiß. Selbst zwischen den Regenschauern scheint immer wieder die Sonne. Außerdem ist das Klima ideal für viele Pflanzen, selbst tropische. Das Land mit den bunten Blumen in Straßen und vor Pubs, den herrlichen Landschaftsgärten und Dörfern, die aussehen, als würde eine offizielle Gartenschau abgehalten, macht tatsächlich den Eindruck, als ob Heerscharen von Gartendesignern sich rund um die Uhr um das pflanzliche Wohl der Insel kümmern würden. Die Besichtigung von Gärten, ob große Landschaftsparks oder intimere Blumengärten, gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Engländer. Also ein zweiter Anlauf, um herauszufinden, wem der Aufenthalt in England am besten gefällt. Und da bekanntlich über Geschmack zu streiten ist und nicht vorab entschieden werden soll, was einen höheren Stellenwert hat, lassen Sie uns alphabetisch vorgehen. Clubbing wäre das erste Stichwort. Clubbing ist ein Phänomen, bei dem neben London auch Städte wie Manchester, Newcastle und Leeds eine führende Rolle spielen. In Megaclubs, die über modernste Hightech und Soundanlagen verfügen, findet sich das Partyvolk allwöchentlich von Donnerstagabend bis Sonntag zusammen. Viele internationale Clubber sind darunter, die ausschließlich für das exklusive Cluberlebnis anreisen. Wesentlich traditioneller sind Dampfeisenbahnen. Liebhaber von historischen Dampf- und Elektroloks haben in England ihre helle Freude. Und auch für jeden anderen, der sich bisher nicht als Fan dieser Fahrzeuge definiert hat, sind die Dampfloks, die sich langsam, ächzend durch die Landschaft bewegen, eine liebe Erinnerung an vergangene Zeiten. Besonders idyllisch ist eine Fahrt mit der North York Moors Railway, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Meilen in der Stunde durch die Newtondale-Schlucht fährt. Der Gedanke, selber aktiv zu werden, führt direkt zum Fahrradfahren. Noch bis vor kurzem war die Insel in dieser Beziehung eher verrufen. Es gab kaum Radwege und die Kultur des Fahrradfahrens war fast verloren gegangen. Nach und nach wird das National Cycle Network ausgebaut. Es entstehen Routen, auf denen man die schönsten Gebiete ganz oder weitgehend ohne Autoverkehr durchqueren kann. Vor allem die Nationalparks bemühen sich um die Belange von Radfahrern, neuerdings auch von Mountainbikern.

Doch am besten lässt sich England über seine Geschichte erfahren. Den englischen Marketingstrategen und auch der Regierung passt diese Betonung allerdings nicht so richtig, denn sie arbeiten intensiv daran, England als modernes Land mit weltbekannten Designern, Künstlern und Architekten zu vermarkten. Mit Erfolg. Prestigeträchtige Neubauten zeigen die Modernität englischer Städte. In Newcastle beeindrucken am südlichen Tyne-Ufer die kühne Millennium Bridge, der Umbau eines Getreidelagers zur Kunstfabrik Baltic und The Sage, ein von Sir Norman Foster entworfener Komplex mit Konzerthallen. Im Hafengebiet von Manchester entstand das Imperial War Museum North. Hier bildet ein aufregendes Werk des Stararchitekten Daniel Libeskind den Rahmen für einen kritischen Blick auf das Thema „Mensch und Krieg“. In Birmingham wurde ein desolates Einkaufsviertel in der Stadtmitte komplett erneuert und unter dem Beifall der Architekturkritiker eröffnet. Und auch im täglichen Leben ist vieles moderner, ja europäischer geworden. Selbst die Königin bemüht sich um Volksnähe und bezahlt inzwischen sogar Steuern. Ihr Sohn Charles durfte 2006 endlich seine langjährige Geliebte Camilla heiraten.

Dennoch ist die Geschichte des Landes ständig präsent. Vielerorts stößt man auf Spuren von Römern, Wikingern und Normannen. Im äußersten Norden des Landes erstrecken sich die eindrucksvollen Überreste des größten römischen Monuments auf britischem Boden: Hadrian's Wall. Das südliche Bath, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, ist vor allem für seine Thermalquellen aus der keltisch-römischen Zeit berühmt. Doch in noch stärkerem Maße spricht aufmerksame Reisende das Unerwartete an, die kleinen Begebenheiten, die Geschichte lebendig werden lassen. Etwa im Lord Nelson Pub in Burnham Thorpe ein Real Ale zu trinken und sich vorzustellen, dass genau hier Nelsons Abschiedsfest vor der großen Schlacht von Trafalgar stattgefunden hat. Solche Begegnungen sind in England keine Seltenheit.

Die gleiche Entdeckerfreude stellt sich auch beim Besuch von Ortschaften ein, die durch Bücher und Filme z.T. weltweit berühmt geworden sind. Und damit sind nicht nur die Kathedrale in Gloucester oder der Bahnhof in Goathland gemeint, die als Kulisse im ersten Harry-Potter-Film dienten. Im romantischen Cornwall werden Sie die einzigartige Landschaft mit ihren Klippen und kleinen Fischerhäfen wiedererkennen, die in den Büchern von Rosamunde Pilcher beschrieben wird.

Dass in England so vieles erhalten ist, so viele Orte ihre ursprüngliche Schönheit bewahren konnten, ist vor allem zwei Organisationen zu verdanken: Dem National Trust gehören zahlreiche Herrensitze, Gärten und Naturschutzgebiete, darunter ein großer Teil des Lake District. English Heritage, ein Ableger des Umweltministeriums, pflegt vorgeschichtliche Denkmäler wie Stonehenge und viele Burgen. Vom Denkmalschutz zum letzten Gedanken: Wandern. Im Verhältnis zur Größe hat Großbritannien mehr öffentliche Wanderwege als jedes andere Land. Gleich, ob Sie im Norden auf dem Pennine Way von der Landesmitte zur schottischen Grenze wandern oder eine kurze Wanderung wählen, der nächste Pub ist sicherlich nicht weit. Der Pub ist eine großartige englische Institution. Hier finden Sie leicht Zugang zu den Engländern, die allgemein sehr freundlich sind.

Wem nun ist England zu empfehlen? Dass es keine Garantie für gutes Wetter gibt, daran ist nicht zu rütteln. Ansonsten bietet das Land so enorm viel, dass selbst die Buchstaben unseres Alphabets nicht ausreichen, um alles zu beschreiben.