Reisetipps Dublin

Auftakt Dublin Was für eine Stadt!

In Dublin kommt auf kleinem Raum alles zusammen, was zur Hauptstadt einer stolzen Nation gehört. Irische Kneipenkultur und die unverwechselbare Musik können Sie nirgendwo besser als in Dublin erleben. Dazu wurden die Schätze des Landes in schönen Museen zusammengetragen und prächtige Bauwerke errichtet. Rundherum lädt herrliche grüne Landschaft zu Ausflügen ein, Küstenspaziergänge bieten Erholung vom pulsierenden Nachtleben. Und noch etwas, das früher nicht selbstverständlich war: Gastronomie und Shopping sind in Dublin mittlerweile ein großes Vergnügen. Überzeugen Sie sich selbst!

Auf der Hitliste europäischer Kurzreiseziele steht Dublin im Zeitalter der Billigflieger ganz oben. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Iren sind ein kleines Volk mit großem Image. Menschen rund um den Globus haben zu Irland positive Assoziationen: nette Menschen mit roten Haaren, ein gemütliches Kneipenleben und Musik mit ansteckenden Rhythmen. Zumal Dublin inzwischen der Ruf vorauseilt, auch in Sachen Trend auf jeder Ebene hauptstadtmäßig gerüstet zu sein - von der Architektur über Designerklamotten bis hin zu raffinierter Küche und angesagten Clubs.

Die Erwartungen werden nicht enttäuscht, denn die Dubliner sind tatsächlich freundlich, wenn auch nicht immer rothaarig, die Pubs voller Stimmung, die Musik mitreißend. Dazu bietet Dublin im Kleinformat alle Attraktionen, die eine Hauptstadt eben ausmachen: bemerkenswerte Kulturschätze aus der ganzen Welt in den Nationalmuseen, imposante öffentliche Bauten, vom 800 Jahre alten Dublin Castle bis zur Prachtarchitektur des 18. Jhs., repräsentative Stadtplätze und herrliche Parks, dazu große Ereignisse wie die Feiern zu St. Patrick's Day. Und dies alles in einem Zentrum, das so kompakt ist, dass Sie vieles bequem zu Fuß erreichen.

Doch nicht nur Geschichte und Tradition prägen das Leben in Irlands Hauptstadt. Neuer Wohlstand schuf eine ganz neue Lebensqualität. Hörte man früher die Klage, Dublin besitze kein Nachtleben, so lockt heute die pulsierende Szene vor allem junges Publikum an. Zu großartigen alten Pubs gesellten sich schick-moderne Bars und Clubs. Die Gastronomie erlebte eine Revolution: Die traditionelle irische Hausmannskost machte kulinarischen Einflüssen aus aller Welt Platz. Das Hotelangebot hielt nicht nur mit den wachsenden Besucherzahlen - zuletzt immerhin rund 4 Mio. pro Jahr - Schritt, sondern bietet auch eine breite Palette: Luxusherbergen hinter klassizistischen Fassaden, bis ins Detail durchgestylte Designherbergen, familiäre Pensionen und erschwingliche Jugendhotels. Ins Einkaufsviertel um die Grafton Street zogen immer mehr Designerläden.

Kaum vorstellbar, dass das Land noch vor 30 Jahren, als es der EU beitrat, einen festen Platz in Europas Armenhaus einnahm. Es gab wenig Industrie, die Landbevölkerung war verarmt. Die von der katholischen Kirche dominierte Gesellschaft galt als rückständig: Noch in den 1970er-Jahren war der Verkauf von Verhütungsmitteln verboten, erst in den 1980er-Jahren wurde Ehescheidung legalisiert. Doch mit dem wirtschaftlichen Boom der 1990er-Jahre kippten in Windeseile auch die alten Strukturen.

Der Ruck durch Wirtschaft und Gesellschaft ging vor allem von der Finanzbranche aus. Steuervergünstigungen lockten Banken und Großunternehmen ins Land. Das International Financial Services Centre mit 6500 Arbeitsplätzen am Nordufer der Liffey ist sichtbares Zeichen davon. Großzügige Subventionen aus Brüssel und das hohe Bildungsniveau der Iren kurbelten die Wirtschaft weiter an und stärkten Dublins dominante Stellung im Land. Heute ist Irland eine moderne Gesellschaft, Dublin eine der teuersten Städte der Union.

Die Dubliner haben lange Erfahrung haben mit krassen wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der irischen Hauptstadt. Wikinger gründeten die Siedlung an der Liffey um 841, wurden aber 1014 vom irischen König Brian Boru besiegt und verschmolzen mit der keltischen Bevölkerung. Ab 1170 kam Dublin unter die Herrschaft der englischen Könige und war im Hochmittelalter ein befestigtes Handels- und Regierungszentrum. Von Dublin Castle aus versuchte die englische Krone, ganz Irland zu unterwerfen, was erst nach der Reformation gelang. Damit begann die jahrhundertelange protestantische Herrschaft über das mehrheitlich katholische Land. Nach den Wirren der Reformation und der Kriege um die Mitte des 17. Jhs. kam nach 1690 eine Zeit des Friedens und des Wohlstands für Dublin. Die engen, armen Gassen des Mittelalters wichen breiten Alleen und repräsentativen Stadtplätzen mit eleganten Häuserreihen im typisch georgianischen Stil.

Nach der Auflösung des irischen Parlaments 1801 verlor Dublin seine politische und gesellschaftliche Bedeutung. Im 20. Jh. schließlich fruchteten die Unabhängigkeitsbemühungen irischer Patrioten. Entscheidendes Ereignis war dabei der Osteraufstand 1916. In Dublin tobten heftige Kämpfe, vor allem um die Hauptpost an der O'Connell Street. Erst mit der Gründung des irischen Staats 1921 wurde Dublin Hauptstadt.

Heute wohnen innerhalb der Stadtgrenzen rund 550000 Menschen, im Großraum Dublin gut ein Drittel der Bevölkerung der Republik Irland, die nur knapp 4 Mio. Einwohner zählt. Mehr als 50 Prozent der Bewohner Dublins sind unter 30 Jahre alt. Diese Jungen sind es vor allem, die das moderne Leben vorantreiben. Mit der alten, von der Kirche beherrschten Gesellschaft verbindet sie nur noch wenig. Traditionen, Publeben und irischer Volksmusik kehren viele den Rücken und setzen lieber auf die modernen Alternativen, die ihnen die Hauptstadt bietet. Denn hier sind die Einflüsse nicht nur jung, sondern auch kosmopolitisch. Vor allem die Einwanderer aus Süd- und Osteuropa sowie Asien, die oft im Dienstleistungssektor arbeiten, bereichern das städtische Leben.

Die gewaltigen Veränderungen haben auch ihre Schattenseiten. Von der O'Connell Street, der breiten Vorzeigestraße Dublins, ist es nur ein Sprung zu heruntergekommenen Stadtteilen. Es gibt eine Drogenszene. In Geschäfts- und Bankvierteln wird gebettelt. Selbst die Gewinner der fetten Jahre sind inzwischen ernüchtert. Im neuen Jahrtausend ließ das Wachstum nach, und es zeichnet sich ab, dass die internationale Finanzkrise 2008 schwere Folgen für Dublin haben wird. Besucher dürfen sich möglicherweise auf humanere Preise freuen. Die Iren selber beklagen den Zustand des Gesundheits- und des Bildungssystems, reden über Verkehrsprobleme. Der Bau zweier Straßenbahnlinien sowie ein neuer Tunnel im Hafengebiet lindern zwar die Verkehrsnot, aber insgesamt hinkt Dublins Verkehrsinfrastruktur hinterher.

Viele Neubauprojekte werteten die Stadtviertel nördlich und südlich der Liffey auf. So wurde die Hauptachse der Dubliner Northside, O'Connell Street, 2006 neu gestaltet und glänzt nun mit dem spektakulären Wahrzeichen Dublins, der hohen, stählernen Millennium Spire. Am Fluss östlich der O'Connell Street wird seit den 1990er-Jahren ein ganz neuer Stadtteil, die Docklands, aus dem Boden gestampft: gläserne Bürohäuser, elegante Hotels und schicke Wohnungen mit Blick auf Hafenbecken und Fluss. Selbst die alte Dame Liffey wurde „geliftet„, bekam neue Fußgängerbrücken und boardwalks, Promenaden auf Holzplanken, die einen angenehmen Spaziergang am Fluss entlang erlauben, wo früher nur der Weg neben dem donnernden Verkehr der Uferstraßen blieb. Auch südlich der Liffey ist das ehemalige Hafengebiet eine Großbaustelle. Um das Kanalbecken am Grand Canal entsteht ein neues Viertel mit Zehntausenden Wohnungen und Arbeitsplätzen.

Das Herz der Stadt aber bleibt die Gegend um die 400 Jahre alte Universität, Trinity College, das schicke Einkaufsviertel um die Grafton Street und das Regierungsviertel um Merrion Square und St. Stephen‘s Green, deren schöne Grünanlagen wie geschaffen sind für eine Verschnaufpause. Noch mehr Platz bietet Phoenix Park, nordwestlich des Zentrums, Europas weitläufigster Stadtpark.

Für Literaturfreunde ist Dublin ein wahres Paradies. In Museen, Theatern und am Bloomsday, jährlicher James-Joyce-Festtag am 16. Juni, feiert Dublin seine Schriftsteller. Die Freude der Iren am Erzählen kommt aber auch in den Pubs zum Ausdruck. Spätestens dort erfahren Sie, dass Pub und Kultur keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen und eine Reise nach Dublin erst richtig abrunden.