Reisetipps Cote d´Azur
Stichworte Cote d´Azur
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Autorennen
Der Markenname eines der größten und renommiertesten Automobilherstellers des Welt ist an der Côte d'Azur erfunden worden. Der in Nizza lebende Kaufmann Emil Jellinek benötigte ein Pseudonym für die von ihm gemeldeten Fahrzeuge für die ersten Autorennen der begüterten Herrenfahrer. Und so benannte er die Rennkutschen, die schon zu Beginn des 20. Jhs. über die Bergstraßen der südfranzösischen Küste rauschten, nach seiner Tochter Mercedes.
Die Tradition der Rennen an der Küste wird fortgeführt: Im Januar gibt die 1911 erstmals gefahrene Rallye Monte-Carlo den Startschuss für die Rallye-Weltmeisterschaft der Autos. Monaco ist im Mai mit dem einzigen, 1929 eingeweihten Stadtkurs der Formel 1 dick im Millionengeschäft.
Blumenkorso
Den Winter treiben die Bewohner der Côte d'Azur mit reichlich Blüten aus. Fast drei Wochen lang feiern Menton und Nizza im Februar den Karneval und den Frühlingsbeginn im Zeichen von Zitronen, Orangen und tausend Blüten. Mandelieu-la-Napoule und Bormes-les-Mimosas dagegen setzen auf das satte Gelb der Mimosen. Höhepunkt ist überall der Blumenkorso, der Festumzug mit reich dekorierten Wagen.
Filmfestspiele
Auch wenn die Nostalgiker von der schönen alten Zeit träumen, in der alles besser war: Cannes ist und bleibt das wichtigste Filmfestival in Europa. Die „Goldene Palme“, seit 1946 an der Croisette verliehen, verschafft im Mai Stars und Sternchen aus der ganzen Welt ein großes Rendezvous. Und das neugierige Publikum drängt sich weiter um die gigantische, mit einem roten Teppich versehene Treppe zum Hauptschauplatz, dem Festspielhaus, um einen Blick auf die Berühmtheiten zu werfen.
Flora
Durch die hohen Gebirgszüge vor kalten Nordwinden geschützt, konnten an der Küste neben der angestammten Flora wie Eichen- und Kastanienwäldern, wilden Blumen und Sträuchern auch Pflanzen aus wärmeren Gegenden der Welt heimisch werden. Orangen- und Olivenbäume findet man allerorten. Der unsterbliche Olivenbaum mit den knorrigen Ästen und dem silbern schimmernden Laub wurde vor etwa 3000 Jahren aus Griechenland importiert. Hauptanbaugebiete sind heute die Gegend um Brignoles und Draguignan, die Täler von Roya und Bévéra sowie das Umland von Nizza. Nach den großen Frösten von 1956 sind heute zwei widerstandsfähigere Arten bestimmend: Aglandau und Verdale. Liebhaber und große Restaurants bezahlen den höheren Preis für das hochwertige heimische Olivenöl, das die Jahrtausende alte Tradition fortsetzt.
Frost ist Gift für die Mimosenbäume, die der Legende nach Truppen von Napoléon III im Jahr 1867 aus Mexiko an die Mittelmeerküste gebracht haben sollen. Den Beinamen „Les Mimosas“ führt das kleine Dorf Bormes hoch über Le Lavandou erst seit 1968. Als Hauptstadt der Akazienart mit ihren sattgelben Blütenkugeln gilt Mandélieu am Fuß des Tanneron-Gebirges, das sich ab Mitte Januar in ein einziges duftendes gelbes Meer verwandelt.
Die ersten Palmen wurden 1867 in Hyères gepflanzt, aber sie bestimmen auch das Straßenbild in Nizza und Cannes. Zwei Arten gedeihen vor allem am Mittelmeer: die Dattelpalme aus Nordafrika und die kanarische Palme.
Zypressen spielen in den Hügeln des Hinterlandes eine wichtige Rolle. Mit ihrer schlanken Kegelform schützen sie die Felder gegen den kühlen Nordwind aus dem Gebirge.
Griechen und Römer
Forum Julii, so taufte Cäsar 49 v. Chr. auf seinem Feldzug in Gallien einen Etappenort: Im heutigen Fréjus sind die Spuren der Römer noch immer zu sehen. Sie bauten auch die Via Aurelia als Verbindung von Genua nach Gallien. Die Trasse, als 2,5m breite Straße gepflastert, führte über Cimiez, Fréjus und Brignoles nach Aix-en-Provence und ist heute als Nationalstraße 7 neben der Autobahn die wichtigste Straße an der Côte d'Azur. Älter noch als Fréjus sind aber Nizza und Antibes, die im 4. Jh. v. Chr. von den Griechen, die sich in Marseille niedergelassen hatten, gegründet wurden.
Napoléon
An der Mittelmeerküste hat der berühmte Feldherr sämtliche Höhen und Tiefen seiner Karriere erlebt. Die ersten Lorbeeren erntete der damals 24-Jährige bei der Belagerung von Toulon im Jahr 1793 und der Befreiung der Stadt von den englischen Besatzern, ein Jahr später war er als General in Nizza stationiert. Von dort startete der Korse 1796 seinen Italienfeldzug, 1799 landete er nach der Ägyptenexpedition in St-Raphaël.
15 Jahre später ging der General von diesem Hafen aus ins Exil nach Elba. Aber schon zehn Monate später kehrte er zurück nach Golfe-Juan und feierte auf der heutigen Route Napoléon über die Alpen die triumphale Rückkehr nach Paris.
Parfum
Bitterorangen, Jasmin, Lavendel, Rosen und Veilchen - das ist der Fünfklang für die Welt der Düfte und Aromen, die in Grasse ihre Hauptstadt gefunden hat. Die Zitrusfrüchte kommen von der Küste, die Kräuter aus den Bergen, die Veilchen aus Tourrettes-sur-Loup, Jasmin und Rosen aus Grasse, seit dem 16. Jh. das Zentrum der Parfumindustrie. Das Geschäft mit Aromen und Düften für Lebensmittel und Kosmetik macht heute die Hälfte des Umsatzes der gut 30 Firmen von der Manufaktur bis zum Großbetrieb in und um Grasse aus.
Prominenz
Im Gegensatz zur Provence und der Toskana haben die Mächtigen der Erde die südostfranzösische Küste lange gemieden. Erst in der Mitte des 19. Jhs. entdeckte die Aristokratie die Côte d'Azur. Die Zaren sorgten dafür, dass in Nizza ein Klein-Russland mit Kirchen und Landsitzen entstand. Bayernkönig Ludwig I., Queen Victoria, die französische Kaiserwitwe Eugénie und Belgiens König Leopold II. ließen sich zwischen Cannes und Nizza nieder.
Der internationale Jetset bastelte dann nach dem Zweiten Weltkrieg an dem Mythos. St-Tropez war lange das Nonplusultra der Playboys und Filmstars, heutzutage verstecken sich die Prominenten in den Hügeln des Hinterlandes oder profitieren wie Autorennfahrer und Tennisprofis vom Steuerparadies Monaco. Zum Bummeln kommen sie dennoch regelmäßig an die Küste.
Riviera
Der italienische Name Riviera galt einst für den gesamten Küstenstreifen von La Spezia bis Marseille. Heute wird als Riviera nur noch der schmale Saum am Mittelmeer in Ligurien bezeichnet. Aus der „Französischen Riviera“ ist die Côte d'Azur geworden, aber es gibt nirgendwo klar definierte Grenzen für dieses Gebiet. In diesem Band wird die Côte d'Azur von der Stadt Toulon mit ihrer Bucht im Westen bis zur Grenzstadt Menton im Osten beschrieben.
Schule von Nizza
Louis Bréa begründete die Schule von Nizza im 15. Jh., aber der Ruhm des Malers beschränkte sich lange Zeit auf seine Heimatregion. Erst jetzt werden die Kirchenbilder der Barockkünstler wieder entdeckt und geschätzt. Beispiele von Louis Bréa, seinem Bruder Antoine oder seinem Neffen François sind in Nizza (Kloster Cimiez), Sospel (St-Michel), La Brigue (St-Martin), Coursegoules (Ste-Marie-Madeleine) oder Lucéram (Ste-Marguerite) zu sehen.
Doch die Kunstszene an der Côte d'Azur ruht sich nicht auf den Lorbeeren der alten Künstler aus. Mit dem „Neuen Realismus“ erkunden Yves Klein oder Arman, beide in Nizza geboren, zusammen mit Martial Raysse, der aus Golfe-Juan stammt, die Grenzen der zeitgenössischen Kunst. Aus der modernen Schule von Nizza, zu der neben Niki de St-Phalle auch Daniel Spoerri gehörte, entwickeln Ben Vautier oder Claude Viallat neue Ansätze zur Konzeptkunst.
Sentier littoral
Der Zugang zum Meer ist für alle frei. Das französische Gesetz aus dem Jahr 1976, das einen drei Meter breiten Streifen am Meer für die Öffentlichkeit reserviert, trägt seine Früchte vor allem im Département Var. Dort sind inzwischen mehr als 250 km als sentier littoral, also als öffentlicher Küstenwanderpfad, ausgeschildert. Aber die alten Zöllnerpfade kommen selbst in den Refugien der Reichen zu neuen Ehren: Wanderwege gibt es sowohl auf dem Cap d'Antibes, auf Cap Ferrat oder am Cap Martin bei Monaco.
Yachten
Nach der Karibik ist das Mittelmeer das zweitgrößte Kreuzfahrtziel der Welt. Für Segler ist die Côte d'Azur ein echtes Paradies. Allein 71000 Boote sind zwischen Cannes und Monaco registriert. Hyères mit den drei Goldinseln Porquerolles, Port-Cros und Levant in Sicht- und Tagesreisenweite ist einer der beliebtesten Ankerplätze, Antibes ist mit 1700 Liegeplätzen sogar der größte Yachthafen ganz Europas. Die größten Privatyachten auf dem Meer werfen den Anker vor St-Tropez oder Monaco. Und der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt: Fréjus hat schon einen neuen Hafen gebaut, St-Raphaël erweitert die Becken genauso wie Nizza, Monaco, Cannes und Vallauris-Golfe-Juan.