Reisetipps Chicago

Stichworte Chicago

Architektur

Chicago hat seine architektonische Vielfalt einer Katastrophe zu verdanken: Nach dem großen Brand, der 1871 einen großen Teil der Stadt in Schutt und Asche legte, strömten Baumeister aus der ganzen Welt heran, um beim Aufbau der Metropole zu helfen. Die Stadt wurde zum Experimentierfeld für mutige Architekten wie William Le Baron Jenney, der 1885 den ersten Wolkenkratzer baute: das zehnstöckige Home Insurance Building. Um die Wende zum 20. Jh. baute Frank Lloyd Wright seine nüchternen und immer noch avantgardistisch wirkenden Vorstadthäuser. Das Board of Trade mit seinen Art-déco-Verzierungen und der gesichtslosen Göttin des Getreides auf dem monumentalen Dach entstand in den 1920er-Jahren. Das Wrigley Building wurde 1921 nach dem Vorbild der Kathedrale von Sevilla konzipiert. Beinahe futuristisch mutet das James R. Thompson Center an, das 1985 entstand und von dem deutschen Architekten Helmut Jahn entworfen wurde. Wie ein gewaltiges Raumschiff erhebt sich das asymmetrische Gebilde aus Stahl und Glas an der Lake Street. Die Meinungen über dieses Traumgebilde sind noch immer geteilt, aber alle erkennen den Mut und die Kreativität des Bayern an, der auch im modernen Nebenbau des Board of Trade einen gläsernen, lichtdurchfluteten Innenhof schuf.

Elevated Trains

Kaum ein Kriminalfilm der Schwarzen Serie kommt ohne das Rattern der Hochbahn aus: sprühende Funken unter den Rädern, das Quietschen der Bremsen, wenn der Zug in einen Bahnhof fährt, und inmitten des Schienenkreises der Loop, die Innenstadt. Seit 1897 rattern die Züge der „L“ oder „El“ (Elevated) durch die Häuserschluchten. Die Hochbahn gibt es allerdings schon länger. Weil nach dem großen Feuer 1871 so viel gebaut wurde, gab es keinen Platz mehr für die Schienen einer Straßenbahn, und man entschloss sich, die Dampfzüge über den Straßen fahren zu lassen. Pünktlich zur Weltausstellung 1893 verkehrte die erste Linie zwischen der Congress Street und dem Jackson Park, wo die World Exhibition stattfand. Um das Gelände herum fuhr bereits eine elektrische „El“, die über eine dritte Schiene angetrieben wurde. 1895 fuhren drei Linien durch die Vororte. Heute stehen die Elevated Trains unter Denkmalschutz, und man kann sich Chicago ohne die lärmenden Züge nicht mehr vorstellen.

Gangster

Auf Al Capone, John Dillinger, Machine Gun Kelly und die anderen legendären Gangster der „Goldenen Zwanziger“ werden die Leute in Chicago gar nicht gern angesprochen. Während der Prohibitionszeit war das anders. Da wurde Al Capone gefeiert, weil er mit einem Teil seiner reichen Beute die Suppenküchen nach dem „Schwarzen Freitag“ organisierte. Der Börsenkrach am 29. Okt. 1929 hatte unzählige Menschen arbeitslos gemacht. Weniger zimperlich verfuhr der Gangsterboss mit verfeindeten Banden. Am 14. Feb. 1929, dem Valentinstag dieses ereignisreichen Jahres, ließ er sieben Mitglieder der verfeindeten Moran-Gang mit Maschinenpistolen hinrichten. Seine Leute hatten sich als Polizisten verkleidet und die Moran-Leute gezwungen, die Hände zu heben. Das „St. Valentine Massacre“ begründete den Mythos von Chicago als Gangstermetropole - ein Ruf, dem es schon lange nicht mehr gerecht wird.

Kaugummi

Wrigley's Spearmint Gum - ein Name mit Weltruf. Über 20 Mio. Päckchen mit dem legendären Kaugummi und verwandten Produkten wie „Juicy Fruit“ und „Big Red“ werden jedes Jahr von der Firma hergestellt. William Wrigley Jr. kam 1891 nach Chicago. Er war 29 Jahre alt und hatte 32 Dollar in der Tasche. Einige Jahre später war er Millionär. Als einer der ersten Unternehmer verstand er es, seine Produkte zu vermarkten und in Zeitungen und auf Plakaten anzupreisen. Bereits 1893 waren „Juicy Fruit“ und „Wrigley's Spearmint“ eingetragene Marken. Heute werden die Streifen in über 140 Ländern der Erde gekaut. Über die Hälfte aller Kaugummis stammt von Wrigley's. Das Stammgebäude der Firma, das legendäre Wrigley Building, gehört zu den schönsten Wolkenkratzern von Chicago.

Straßenkunst

Kunst zum Nulltarif - mitten in Chicago stehen 32 Skulpturen weltberühmter Künstler einfach so auf den Bürgersteigen herum: die 16 m hohe Plastik, die Pablo Picasso der Stadt vermachte, und die seitdem als Wahrzeichen gilt. „Flamingo“, das rote Riesenwerk von Alexander Calder, vor dem Chicago Federal Center und „Universe“, ein Mobile des Künstlers in der Empfangshalle des Sears Tower. „The Four Seasons“, ein 20 m langes Mosaik von Marc Chagall an der First National Bank. Außerdem Werke von Henry Moore, Joan Miró und anderen - anerkannte Bildhauer aus der ganzen Welt sind mit ihren Arbeiten in dieser Kunstgalerie unter freiem Himmel vertreten.