Reisetipps Athen

Stadtspaziergänge Athen

Die Pláka Heute

Dieser Spaziergang durch Athens ältestes Stadtviertel der Neuzeit nimmt etwa 2-3 Stunden in Anspruch. Er beginnt und endet an der Metrostation Monastiráki. Sie passieren historische Sehenswürdigkeiten und Museen. Hier aber gilt unsere ganze Aufmerksamkeit der Pláka von heute.

In der Metrostation Monastiráki zeigt sich eins der großen Probleme des Viertels: Wo immer man auch gräbt, stößt man auf Überreste der Antike. So fand man bei den Ausschachtungsarbeiten für den neuen Teil der Metrostation Teile des antiken Wasserversorgungssystems. Die Archäologen mussten kommen, der Bau geriet wieder einmal in Verzögerung. Heute ist ein Teil des Ausgrabungsfunde direkt vor Ort als winziges, frei zugängliches Museum in die Metrostation integriert.

Weil überall unter der heutigen Bebauung antike Überreste liegen, ist die Pláka so intakt. Kaum ein Hausbesitzer hat es gewagt, durch Abriss Platz für ein neues Gebäude zu schaffen. Die Gefahr eines von den Archäologen auferlegten Baustopps oder gar einer Enteignung des Grundstücks wäre zu groß. Stattdessen hat man gerade in der jüngsten Vergangenheit viele Häuser restauriert und so aus der Pláka ein schmuckes Altstadtviertel gemacht.

In der Odós Pandrósou ist davon noch wenig zu sehen. Hier säumen Juweliere, Souvenir- und Kunstgewerbeläden die Fußgängergasse zu beiden Seiten. Sie endet vor der orthodoxen Kathedrale Athens, der Mitrópolis. Gleich daneben lohnen die in der Kleinen Mitrópolis verbauten Figurenfriese von antiken Monumenten einen Blick. Schwenken Sie danach auf die Odós Mitropóleos mit ihren Kürschnerläden ein. Nach dem Pelzboykott durch viele Westeuropäer kam für sie die neue Reisefreiheit in Osteuropa gerade recht: Vor allem Russen sind heute Hauptkunden. In der kleinen Kapelle Agía Dínamis weiter oben in der Odós Mitropóleos herrscht vor 10 Uhr morgens am meisten Betrieb. Viele Athener betreten sie vor Arbeitsbeginn für ein kurzes Gebet. Etwas später macht dann die einzige Fischhandlung in der Pláka an der Ecke Apollónos/Voúlis ihre besten Geschäfte.

In der Odós Kidathinéon erwartet Sie dann das touristische Athen zurück. Ihm entkommen Sie durch die Odós Tripodón. Gehen Sie vor der Taverne Geránis/O Koúklis zum Kirchlein Ágios Nikólaos und steigen Sie durch Gassen treppauf, die so schmal sind, dass zwei Personen kaum nebeneinander gehen können. Sie sind jetzt im romantischen Anafiótika. Die winzigen Häuser wurden in der Mitte des 19. Jhs. illegal von Bauarbeitern von den Inseln Naxos und eben Anáfi erbaut. Katzen liegen auf Mäuerchen, auf Terrassen und Dächern, man fühlt sich weit weg von der Großstadt. Vom höchsten Punkt Anafiótikas hat man einen grandiosen Blick über die Pláka bis hin zum Panathenäischen Stadion und zum Likavittós.

Über einen breiteren Weg geht es nun hinab zur Treppengasse Mnisikléous mit ihren vielen Folklore-Lokalen. Danach säumen gut restaurierte Häuser aus dem 19. Jh. den Weg, bis Sie in der Odós Theorías den obersten Rand des Agorá-Geländes erreichen. Gehen Sie außen an der Umzäunung entlang durch die Odós Dioskoúron abwärts, laden idyllische Cafés zur Pause ein, bevor sie in der Odós Aréos ins Flohmarktviertel eintauchen und zum Monastiráki-Platz zurückkehren.

Klassizistisches Athen

Im 19. und frühen 20. Jh. entstand zwischen den beiden Hauptplätzen Athens, dem Síntagma- und dem Omónia-Platz, das neue Athen. Zuerst errichtete man repräsentative Bauten im klassizistischen Stil, dann zahlreiche Stoen als gedeckte Ladenpassagen, die jetzt wieder ihre alte Funktion erfüllen. Auf diesem Spaziergang können Sie Besichtigungen mit etwas Shopping verbinden und immer wieder auf einen guten Kaffee in einem der vielen modernen Coffeeshops einkehren. Die reine Gehzeit beträgt maximal 40 Minuten.

Vom 1838-43 erbauten Königspalast, dem heutigen Parlamentsgebäude, gehen Sie am 1842/43 errichteten Luxushotel Grande Bretagne vorbei zum Ilion Mélathron. Den kleinen Palast ließ sich der deutsche Kaufmann und Troja-Entdecker Heinrich Schliemann 1878-80 vom deutschen Architekten Ernst Ziller errichten. Heute dient er als Numismatisches Museum (Di-So 8.30-15 Uhr | Odós Panepistímiou 12). Die alte Pracht der Wohnräume mit ihren Wand- und Deckenmalereien blieb eindrucksvoll erhalten und lohnt einen Besuch auch für den, der kein Interesse an alten Münzen hat.

Durch die Odós Amerikís geht es nun zum Historischen Nationalmuseum (Ethnikó Istorikó Mouseío, dessen Gebäude von 1858 bis 1934 als Tagungsort des griechischen Parlaments diente. Es illustriert die griechische Geschichte zwischen 1453 und dem Zweiten Weltkrieg. Am gleichen Platz steht schräg gegenüber das Stadtmuseum (Mouseío Poléos Athínon | Mi-Mo 9-14, Sa 10-15 Uhr | Plátia Klafthmónos). In dem 1833 erbauten Palais residierten der aus Bayern geholte erste griechische König der Neuzeit, Otto von Wittelsbach, und seine aus Oldenburg stammende Gemahlin Amalia 1837-43. Gemälde, Möbel und Dokumente illustrieren die Stadtgeschichte, ein Modell zeigt das Aussehen Athens im Jahr 1824.

Kehren Sie nun über die Platía Korai zur Odós Panepistímiou zurück, stehen Sie unmittelbar vor der „Klassizistischen Trinität“, einem Gebäudeensemble aus Akademie der Wissenschaften, Universität und Nationalbibliothek. Sie sind Schöpfungen der dänischen Architekten Christian und Theophil Hansen und entstanden zwischen 1839 und 1891.

Durch die Stoá Arsakeíou, in der heute vor allem Buchhandlungen und das Szenecafé Polis angesiedelt sind, gelangen Sie zum Dimarcheío, dem 1872 fertiggestellten Rathaus der Stadt. Der Bürgermeister residiert in der ersten Etage im einzigen Raum mit Balkon. 150 m weiter ist der Omónia-Platz erreicht.