Reisetipps Allgäu

Stichworte Allgäu

Allgäuer Alpen

Die Allgäuer Alpen bilden einen Teil der nördlichen Kalkalpen zwischen den Flüssen Iller und Lech mit Gipfelhöhen bis zu 2657 m (Großer Krottenkopf); bekannteste Höhe ist die Mädelegabel (2645 m). Die vielschichtige geologische Gestalt macht das Allgäu heute touristisch so attraktiv: Da sind bewaldete Hänge, Felswände und große Gesteinsschutthalden; dann gleichmäßig steil geneigte Grashänge, die so genannten Allgäuer Grasberge, die sich vor allem zum Alpinskilauf und für Gratwanderungen eignen. In diesem Mergelgebiet dominiert die Almwirtschaft. Die wichtigsten Gipfel sind auf ca. 60 km durch Höhenwege immer an der österreichischen Grenze entlang vom Söllereck bis zum Oberjoch miteinander verbunden, die allerdings nur im Hochsommer begehbar sind. Als Allgäuer Voralpen bezeichnet man die dem Bregenzer Wald nördlich vorgelagerten Berge zwischen Bodensee und Iller mit dem Hochgrat als höchstem Gipfel (1833 m).

Alpe

Alpe ist die alemannische Bezeichnung für Alm, also einen Weideplatz auf einem Berg. Diese Sommerviehweiden liegen oberhalb von Siedlungen und oberhalb der Waldgrenze. Viele dienen als Sennalpe der Herstellung von Käse. Das Jungvieh wird auf Galtalpen aufgezogen. Im Allgäu gibt es heute noch um die 600 bewirtschaftete Alpen. Wanderern wird traditionell freundliche Einkehr geboten, und da die Zahl der Wanderer erheblich zugenommen hat, hat sich so manche Alpe auf die Bewirtung der Einkehrenden als Broterwerb verlegt. Man kann tagelang auf Sennalpenwegen wandern oder biken (z.B. auf dem Sennalpenweg/Käselehrpfad von Balderschwang aus zu acht Alpen).

Barock

Barock und Oberschwaben - das gilt für viele kunsthistorisch Interessierte als nahezu gleichbedeutend. Tatsächlich wuchert diese Landschaft mit prunkvollen Pfunden des Barock und des verspielteren Rokoko, monumentalen Bauschätzen aus der Zeit zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs Mitte des 17. Jhs. und der Französischen Revolution Ende des 18. Jhs., wobei die meisten Bauten dieser Epoche der Heiterkeit und Sinnenfreude hier erst nach dem österreichischen Erbfolgekrieg, also nach 1748, errichtet wurden. Der von überbordender Pracht (alles „zur größeren Ehre Gottes“) geprägte Barockstil ist Ausdruck der Gegenreformation und sollte dazu beitragen, den katholischen Glauben zu festigen, zu vertiefen und neu zu verbreiten.

Etymologie

Der Name Allgäu geht zurück auf Albgau, den Namen einer zwischen Alpen und oberer Argen bzw. Wertach gelegenen Grafschaft. Althochdeutsch alba bedeutet Bergweide, und gäu bezeichnet eine wasserreiche und zugleich waldarme Auenlandschaft. Bei den häufig zu lesenden Erklärungen „hügeliges Land“ oder auch „Landschaft vor den Alpen“ handelt es sich vermutlich um freie Übersetzungsvarianten dieser Bedeutung.

Flora und Fauna

Von Mai bis Ende Juli blühen in den Alpen Pflanzen, die an extreme Lebensbedingungen angepasst sind: z.B. Silberwurz und Alpenazalee, Hochstauden wie Eisenhut, Alpendost, Milchlattich, sogenannte Urwiesenpflanzen wie die berühmten blauen und gelben Enziangewächse oder verschiedene Steinbrecharten. An Stellen, auf denen der Schnee lange liegen bleibt und die im Sommer von Schmelzwasser durchflossen sind, bilden sich Alpenglöckchen. Auf Schutthalden wiederum wachsen alpines Täschelkraut, alpiner Mohn, Alpenleinkraut und alpines Weidenröschen.

Zu den im Allgäu lebenden Tieren zählen Arten völlig unterschiedlichen Ursprungs: Tundratiere wie Ringdrossel, Schneehase und Schneehuhn genauso wie die Taigabewohner Tannenhäher oder Perlmutterfalter. Das Murmeltier drang aus Mittelasien über die Karpaten in die Alpen vor. Es hält unter der Schneedecke seinen Winterschlaf. Auch die Schneemaus zieht sich unter die wärmende, weil isolierende weiße Pracht zurück, bleibt aber wach und ernährt sich von ihrem Vorratslager. Vor den Menschen hierher geflohen sind Auerhuhn, Kolkrabe und Steinadler. Besonders anpassungsfähig sind die „eigentlichen“ Alpentiere: Alpensalamander, Kreuzotter, Bergeidechse, Hummeln, Schmetterlinge wie Mohrenfalter, Alpenbläuling und Apollofalter. Luchs, Wolf, Bart- und Gänsegeier sind ausgerottet, nur der Steinadler geht noch auf die Jagd. Der beinahe ebenfalls ausgerottete Alpensteinbock klettert am liebsten an steilen Felswänden herum, während die Gämse sich trittsicher auf Schneedecken bewegt, ohne darin einzusinken.

Kuren

An die 30 Bäder, heilklimatische Kurorte und Luftkurorte liegen im Allgäu. Die klassische Kneipptherapie stützt sich auf das Zusammenwirken von fünf Elementen: die Heilkraft des Wassers mit Temperaturreizen durch Güsse, Bäder, Wickel, Packungen; ein Bewegungsprogramm zum Herz- und Kreislauftraining; Phytotherapie (sanfte Medizin mit Heilkräutern); ausgewogene, gesunde Ernährung mit angepassten Diäten; und als Kernstück die mentale Ordnungstherapie, um körperliches Wohlbefinden und Lebensfreude zu stärken. Allergiker und Asthmatiker sollten ihren „Kurlaub“ möglichst in höheren Lagen verbringen, weil viele Pollen und Milben dort nicht existieren. Die Schrothkur nach dem österreichischen Bauern Johann Schroth dient der Entgiftung von Körper, Geist und Seele. Auch Regenerationskuren nach dem österreichischen Arzt F. X. Mayr und Moorbäder werden angeboten. Unter den ortsspezifischen Kuren ist vor allem die Heukur in Pfronten und Schwangau zu nennen.

Mundart

Wer ins Allgäu reist, kommt in schwäbisch-alemannisches Sprachgebiet. Auch auf der bayerischen Seite spricht man Schwäbisch, auf der baden-württembergischen eher in alemannischer Prägung. Allerdings ist der Dialekt - teils von Dorf zu Dorf erheblich variierend - ganz unterschiedlich eingefärbt. Durch die jahrhundertelange Abgeschiedenheit hat der Dialekt wunderschöne mittelalterliche Wörter ins 21. Jh. gerettet, zum Beispiel Bluetbodebira („blutige Bodenbirnen“: Blutwurst mit Bratkartoffeln).

Wald

Den spezifischen landschaftlichen Reiz des Allgäus macht der Wechsel von Wiesen, Weiden und Wäldern aus. Die Gegend ist viel lichter als etwa der Schwarzwald, nur 23 Prozent der Fläche sind mit Wald bedeckt. Meist sind es kleine Bauernwälder, nur drei große Forsten schieben sich in das Mosaik der kleinräumigen Landschaft: das Waldmassiv der Adelegg im Westen, der Kempter Wald im Zentrum und der Große Wald am Grünten. Der Kempter Wald im Osten der Stadt ist bestens mit Ausflugswirtschaften erschlossen. Deutlich wilder ist die Adelegg, ein uraltes Paradies für Rotwild und Wanderer und inzwischen auch ein Lieblingsziel von Mountainbikern. An einigen Stellen der Adelegg balzen noch die schönen Auerhähne, eine faszinierende Demonstration der Natur. Im Großen Wald am Grünten schließlich wird das Gelände alpin; es wimmelt vor botanischen Raritäten, und Sie treffen auf Rehe, Hirsche und mit Glück auch auf Gämsen. Der Bergwald am Grünten wird von Fichten dominiert, hier sind sie auch von Natur aus zu Hause. Dagegen sind viele der einstigen Mischwälder von Menschenhand in Monokulturen aus Fichten verwandelt worden.