Zweitages-Bergtour im KarwendelAllein unter Gämsen

Im Herbst ist die schönste Zeit zum Wandern - und um im Karwendel über dem Rißtal Gämsen zu beobachten. Vorausgesetzt man weiß, wo die Tiere nicht vom Trubel verscheucht werden.

Von Hauke Bendt

Im Herbst übertreibt die Natur am großen Ahornboden im Karwendel fast ein wenig. Die großen, alten Ahornbäume am Ende des Rißtals leuchten jetzt gelb in der tiefstehenden Sonne, die vom blauen Himmel auf leicht eingeschneite Gipfel scheint. Dazu schroffe Felswände, die die Engalm einrahmen - und der Anblick ist nah am Postkartenkitsch. Nur dass durch das Bild Menschen spazieren.

Der Verdacht, dass ein Wanderer hier die Einsamkeit des Karwendels vergebens sucht, wird spätestens am hölzernen Eingangsportal zum Ahornboden zur Gewissheit, mit dem Schriftzug "Eng-Alm" und "Auf geht's ins Almdorf". Hunderte Menschen folgen im Herbst täglich dieser Aufforderung, ihre Reisebusse warten am Parkplatz auf sie. Wer keine große Tour unternehmen möchte, einen Kinderwagen schieben muss oder einfach nur guten Käse kaufen will, ist hier trotzdem genau richtig. Bergwanderer aber auf der Suche nach Einsamkeit und Gamswild, das umso leichter zu sichten ist, je näher die Brunftzeit im November rückt, sollten einen anderen Weg wählen - und sich mehr Zeit nehmen.

Bild: PhotographicDelight - stock.adob 5. Oktober 2017, 05:132017-10-05 05:13:49 © SZ.de/kaeb/stein