Wintersport im Schwarzwald Ausblick mit Parkhaus

Von der Besucherplattform des Feldbergturms aus reicht das Panorama bis in die Alpen, in die Vogesen und zur Schwäbischen Alb.

(Foto: Ralf Brunner/laif)

Der Feldberg bietet nicht nur beeindruckende Sicht und beliebte Pisten, sondern auch das berühmteste "Autosilo" des Landes. Wie im Schwarzwald über Wintersport in Zeiten des Klimawandels gestritten wird.

Von Josef Kelnberger

Ja gut, klar, die Umweltschützer, sagt Stefan Wirbser lachend, die müsse es natürlich auch geben. Wirbser, 53, ist seit 22 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, Vorsitzender des Liftverbunds Feldberg und Präsident des Skiverbands Schwarzwald. Mache nennen ihn einfach nur: Mister Feldberg. Wettergegerbt, mit dem verbindlichsten Lächeln gesegnet, aber auch mit einem Sturkopf sondergleichen. Als solchen haben Naturschützer den Mister Feldberg immer wieder kennengelernt. "Es wäre ja gut, wenn es zwei Feldberge gäbe", sagt Wirbser, "einen für die Touristik und einen für den Naturschutz."

Es ist eine interessante Vorstellung, es gäbe den Feldberg, mit 1493 Metern die höchste deutsche Erhebung außerhalb der Alpen, zweimal. Was würde der Mensch damit anstellen? Würde er den einen Feldberg zum Disneyland ausbauen und den anderen sich selbst überlassen?

Genau genommen bräuchte man diesen Berg in dreifacher Ausfertigung: als Touristenort, als Naturschutzgebiet, als Fläche für die Bundesstraße 317, die über den Feldberg hinweg- und durch den Ort Feldberg hindurchführt, befahren von jeder Menge Lastwagen. Aber es gibt ihn eben nur einmal, und deshalb die Frage: Musste man hier oben für die Touristen wirklich ein Parkhaus in die Landschaft klotzen?

Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde Feldberg zählt zu den höchsten in Baden-Württemberg

Es ist ein garstiger Donnerstag Ende Januar, Schneetreiben und Nebelschwaden auf dem Feldberg, als man sich im Auto auf die Suche macht. Ein Jahrzehnt lang haben sich alle Debatten über die touristische Weiterentwicklung des Feldbergs um dieses Parkhaus gedreht. Wirbser hat gekämpft, als stünde sein Leben auf dem Spiel. Vor zwei Jahren wurde es eingeweiht, um das Verkehrschaos auf dem Feldberg zu beheben. Aber nun: Wo ist es? Der Wind treibt den Schnee waagrecht über die Straße und hat die Hinweisschilder weiß abgedeckt. Soll man im Halteverbot am Straßenrand parken, wie viele Skifahrer auch? Die neuen Schrägparkbuchten sind leer. Man wendet, kein ungefährliches Manöver, Menschengruppen am Straßenrand, Lkw auf der Durchfahrt. Irgendwann steht man dann doch davor: das Feldberg-Parkhaus. "Satteldach im alpenländischen Stil", schreiben die Architekten. "Autosilo", schimpfen die Gegner. Hier steht, nun ja: ein ziemlich großes, an diesem Tag ziemlich leeres Parkhaus, das Platz für 1200 Autos bietet. Auf etwa 1300 Metern Höhe. 100 Meter lang, 50 Meter breit, 25 Meter hoch. Und 15 Millionen Euro teuer.

Heute bietet das Feldberg-Parkhaus Platz für 1200 Autos. Die Gegner des 15-Millionen-Projekts sprechen von einem "Autosilo".

(Foto: Indigo Park Deutschland)

Selbst seine härtesten Widersacher werfen Wirbser nicht vor, er wolle das Naturschutzgebiet am Feldberg plattmachen. Alle wissen, dass die knapp 2000 Einwohner der Gemeinde auf "dem Höchsten", wie man den Feldberg nennt, nicht von der Schönheit leben können, von dem unfasslichen Panorama mit dem Blick in die Alpen, in die Vogesen, in die Schwäbische Alb. Und von der Tradition alleine lässt sich in der selbsternannten "Heimat des Skisports" die Zukunft auch nicht gestalten.

Der erste Skilift der Welt, 1908 im Hochschwarzwald in Betrieb genommen, der älteste Skiklub Deutschlands, 1891 ganz in der Nähe in Todtnau gegründet - wem nützt das, wenn die Besucher am Berg im Stau stehen, zwei Kilometer zu Fuß zur Piste laufen müssen und sich in uralten Liften den Hintern abfrieren? Aber braucht man wirklich ein Parkhaus, zumal der Klimawandel die skisportliche Zukunft in den Mittelgebirgen gefährdet?

Der Bürgermeister beruft sich auf Studien, wonach in den nächsten 30 bis 40 Jahren kein signifikanter Rückgang der Liftbetriebstage zu erwarten sei. Tatsächlich gehen die Prognosen der Wissenschaft zum Teil weit auseinander. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich selbst bei einer relativ geringen Erwärmung von zwei Grad Celsius bis ins Jahr 2050 die Schneefallgrenze um etwa 300 Meter nach oben verlagert. Eine grobe Einteilung lautet deshalb häufig: Über 1500 Metern bleibt es schneesicher. Unter 1000 Metern: Skifahren kaum möglich. Das Gebiet am Feldberg liegt zwischen 950 und 1450 Metern, also ziemlich genau im Grenzbereich.

Selbst wenn es künftig weniger Schnee am Feldberg geben sollte, so könnten mehr Gäste kommen, weil ja die tiefer gelegenen Gebiete noch mehr unter Schneemangel leiden würden. Auf dem Weg zur Ganzjahresdestination zumindest ist die Gemeinde Feldberg vorangekommen. Die Touristen, knapp eine Million pro Jahr, kommen zu gleichen Teilen im Sommer und im Winter. Aber die Wertschöpfung sei im Winter deutlich höher, sagt Wirbser.

Schon in den 1930er-Jahren war der Feldberg ein beliebtes Ausflugsziel für Skifahrer. Parkplatzprobleme kannte man damals noch nicht.

(Foto: mauritius images)

Über 14 Lifte und 30 Pistenkilometer verfügt die Gemeinde Feldberg (im Verbund sind es 38 Lifte und 63 Kilometer). Insgesamt 25 Millionen Euro habe Feldberg, gemeinsam mit den Nachbargemeinden Todtnau und St. Blasien, in den vergangenen 20 Jahren in die Wintersport-Infrastruktur gesteckt. Moderne Sesselbahnen mit Wetterschutzhauben, mehr und leistungsfähigere Beschneiungsanlagen. "Vom Friedhof bis zum Kindergarten", sagt Wirbser, sei in Feldberg alles von den Touristen finanziert. "Ohne Wintersport gäbe es die Gemeinde in der Form nicht." Im Übrigen profitiere der ganze Südschwarzwald von der Anziehungskraft des Feldbergs.

Die Gemeinde ist allerdings darauf angewiesen, dass der Winter auch wirklich Winter ist. Auf rund zehn Millionen Euro beziffert der Bürgermeister die Schulden, rechnet man den Tourismushaushalt und den normalen kommunalen Haushalt zusammen. Was die Pro-Kopf-Verschuldung betrifft, zählt Feldberg, wie das benachbarte St. Blasien, zur absoluten Spitze in Baden-Württemberg. Die 15 Millionen Euro für das Parkhaus hat ein privater Investor hingelegt. Der erhält nun zwei Euro pro Liftkarte, das Modell basiert auf der Annahme von 400 000 Skitouristen jährlich. Weil aber die zwei vergangenen Winter sehr bescheiden verliefen, musste die Gemeinde Feldberg jeweils einen sechsstelligen Betrag zuschießen. Es gab zu wenig Schnee, und wenn es Schnee gab, war das Wetter oft zu schlecht. Wirbser sagt, in diesem Winter werde man im Vergleich zur Kalkulation ein Plus erwirtschaften, abgerechnet werde am Ende. "Uns geht's so weit ordentlich."

"Das Dilemma der Getriebenen" im Wintertourismus erkennt dagegen am Feldberg Axel Mayer, Geschäftsführer des Regionalverbands Südlicher Oberrhein im Bund Naturschutz: immer noch mehr Investitionen, um nicht den Anschluss zu verlieren, immer höhere Schulden mit der ungewissen Aussicht, das Geld von den Besuchern wieder hereinzuholen. Mayer ist ein Veteran der Öko-Bewegung in Baden-Württemberg, sozialisiert im Widerstand gegen das von der CDU geplante Kernkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl. An die wilden Siebziger fühlt sich Mayer erinnert, wenn er von Wirbser und seinem Kampf am Feldberg spricht. Der CDU-Bürgermeister habe den Feldberg "verrummeln" lassen, die Pisten immer weiter ins Naturschutzgebiet getrieben und das Verkehrschaos jahrelang in Kauf genommen. Beim Projekt Parkhaus kam ihm dann der Machtwechsel in Baden-Württemberg in die Quere.

Wirbser hatte der von der CDU geführten Landesregierung einen Millionenzuschuss abgetrotzt, der vom grünen Verkehrsministerium wieder gestrichen wurde. Er setzte daraufhin einen runden Tisch ein, an dem die Naturschützer nicht gerade in der Überzahl waren. Man gab ein Gutachten ("Feldberg 2020") in Auftrag, und siehe da: Darin wurde der Bau eines Parkhauses empfohlen. Der Verkehrsminister gab dennoch kein Geld - im Gegenzug weigerte sich Wirbser, im Namen der Gemeinde Feldberg dem "Biosphärengebiet Schwarzwald" beizutreten, das die grün geführte Regierung 2016 ins Leben rief. Reservate hätten schon den Indianern nicht gutgetan, sagte Wirbser damals. Wie du mir, so ich dir. Dabei, sagt Mayer, sei so ein Biosphärengebiet ein gutes Instrument für Kommunen, um Zuschüsse abzugreifen.

2013 sah es hier noch so aus: Ein Auto drängte sich an das nächste.

(Foto: Patrick Seeger/picture alliance/dpa)

Wirbser folgt nun dem Entwicklungsplan "Feldberg 2020", erstellt von der Sporthochschule Köln, er trägt den Untertitel "Studie zur nachhaltigen Entwicklung der Sporttourismus-Destination" - der wiederum für den Naturschützer Mayer schwer erträglich ist. "Nachhaltig", das Wort sei eine "Hure" und hier fast ausschließlich auf wirtschaftliches Wachstum bezogen. Der Klimawandel komme auf einer einzigen Seite vor, und die Grundsatzfrage werde gar nicht gestellt: Hat der Feldberg trotz Klimawandel eine wintersportliche Zukunft? Gegen das Verkehrskonzept, das skizziert wird, hat Mayer in weiten Teilen nichts einzuwenden. Mehr öffentlicher Personennahverkehr, mehr Park-and-Ride-Parkplätze, das Programm soll Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Wobei der Feldberg ohnehin schon gut erreichbar ist mit Bahn und Bus, aber mit Skiausrüstung und Kindern bevorzugen die meisten eben das Auto. Das in der Studie empfohlene Verkehrsleitsystem - Gesamtkosten: 300 000 Euro - ist erst im Dezember 2017 genehmigt worden. Am Ende eines derartigen Konzepts könnte vielleicht ein Parkhaus stehen, findet Mayer. Aber genau das Parkhaus musste am Anfang stehen. "Die Scheußlichkeit unserer Städte wird ins Land hineingetragen."

Auch wenn das unversöhnlich klingen mag, haben der Umweltschützer und der Bürgermeister ein gemeinsames Interesse: dass der Skiort Feldberg funktioniert. Aus ökologischer Sicht ist es immer noch besser, wenn die Schwarzwälder am Feldberg statt in die Alpen Ski fahren gehen oder nach Kanada zum Heli-Skiing reisen.

Die Naturschützer müssen jedenfalls noch einige Zeit mit ihrem Bürgermeister auskommen. Er wird in zwei Jahren noch einmal kandidieren, mit 53 fühle er sich zu jung für den Ruhestand, sagt er, ehe er sich verabschiedet. Er stammt aus Hinterzarten, hier gleich um die Ecke, war früher mal Nordischer Kombinierer. Der Feldberg ist sein Lebenswerk. Er hat in Feldberg gerade einen Snowboard-Weltcup zu Gast und viel zu tun in seinen vielen Funktionen. So bleibt noch ein wenig Zeit, von unten in das Schneetreiben hineinzuschauen und mit Leuten zu reden. Der Feldberg ohne Schnee? Unmöglich, sagt eine junge Frau. Der Mensch habe Skihallen und Kunstschnee erfunden. "Und irgendwann wird er auch Schnee erfinden, der für immer liegen bleibt."

Reiseinformationen

Anreise: Mit dem Auto von Westen über die A 5, von Osten über die A 81, von Süden über die B 317. Ohne Auto: Vom Bahnhof Freiburg aus erreicht man Feldberg binnen einer Stunde. Mit der Höllentalbahn nach Titisee oder Bärental, dann mit dem Bus.

Aussicht: Der Feldbergturm, zu erreichen über die Feldbergbahn, ist berühmt für seine Ausblicke bis hin zum Mont Blanc; er beherbergt das Schwarzwälder Schinkenmuseum.

Weg von der Piste: Das Naturschutzgebiet Feldberg ist das älteste (seit 1937) und größte in Baden-Württemberg. Als Ausgangspunkt für Touren bietet sich das Haus der Natur auf dem Feldberg an, www.naz-feldberg.de, www.naturpark-suedschwarzwald.de

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