Winterreisen Ein Herz für Unpünktlichkeit
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Ich bin Berufspendler und habe mit der Fluggesellschaft Air Berlin unausgesprochen eine Wette laufen. Sie lautet: Wenn es die Airline einmal schafft, am Freitagabend pünktlich von München nach Düsseldorf zu fliegen, spendiere ich der Besatzung eine Flasche Champagner. Ich werde diese Wette wohl nie einlösen müssen. Auch dieses Wochenende bestand keine Gefahr. Die Einstiegszeit verstreicht.
Wie üblich keine Auskunft darüber, warum nichts passiert. Auf die Idee, dass man die wartenden Passagiere um Verständnis für die Verzögerung bittet, kommt niemand. Endlich sitzt man im Flugzeug. Nach endlosem Warten meldet sich der Kapitän und sagt lapidar: viel Verkehr über München. Es wird heimelig. Das Kabinenlicht wird abgedunkelt. Ob man vielleicht ein Glas Wasser...?
Unmöglich, es könnte ja gleich eine Startfreigabe geben. Gefühlte 12 Stunden später sind wir in Düsseldorf. Die Maschine wird auf dem Vorfeld abgestellt. Immerhin: Ein Bus schafft es hier hinaus. Dafür ist die letzte S-Bahn weg. Immerhin: Wir haben das Schokoladenherz dabei, das jeder Passagier für die Unbill bekommen hat.
Hans-Jörg Heims
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Schneegespräch
Wo aber Gefahr ist, sagt Hölderlin, wächst das Rettende auch, und wer es dem Schneechaos einmal richtig zeigen will, der geht auf den Christkindlmarkt. Was hilft gegen die "weiße Pracht", wie das Zeug in gleißnerischer Unterwürfigkeit gern genannt wird? Als hilfreich erweist sich der Stern, jedoch nicht der von Bethlehem, sondern der in Schmalz herausgebackene Zimtstern. Drei Leute stützen sich auf den Stehtisch und verzehren je einen Stern, dazu gibt's Glühwein.
Wärme und Nachdenklichkeit durchfluten sie. "Z' Malorka waar's iatz schee warm", sagt die jüngere der zwei Frauen. Die ältere nickt bedächtig, dann seufzt sie: "Mei, z' Malorka wia ma mia warn, da hat's am heiling Ohmd no fuchzehn Grad g'habt." Nun mischt der Mann sich ein: "Ko aber aa schneibn z' Malorka, wenn's bläd lafft." Die Jüngere wischt sich den Zucker von den Fingern. "Bläd laffa tuat's nur bei uns", sagt sie.
Sie überschlagen ihren Vorrat an Glühwein, dann geht der Mann und holt einen weiteren Zimtstern, einen für alle. Dafür darf er als erster abbeißen. Dann sagt er: "In Fuattewentura is an Weihnachtn aa net grob, da hat's ja im Dezember no locker zwanzg Grad." Das geht den zwei Frauen jetzt ein wenig gegen den Strich, und sie sagen fast gemeinsam: "Aber z' Malorka is billiger." Der Mann holt drei weitere Glühweine und lenkt ein: "Malorka oder Fuattewentura, dees is ghupft wia gsprunga, wichtig is: koa Schnee." Sie schweigen, trinken den Glühwein aus, wischen die Brösel vom Tisch und richten sich zum Gehen. Der Mann: "Is ja alles zua, kimmst ja nimma weg." Nach einer Pause: "Pack ma's?"
Hermann Unterstöger
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