Wiens alternativer Markt Mit Schwung

Von Georg Renöckl

Es gibt die normalen Karussells, zu denen Eltern von ihrem quengelnden Nachwuchs gezerrt werden, um am Rand winkend gute Miene zum faden Spiel zu machen. Und dann gibt es das "Karussell der Fundgegenstände" auf dem Wiener Karlsplatz. Dort betreibt der Kunsthandwerksverein Divina Art seinen jährlichen Weihnachtsmarkt. Bei seinem Karussell sind es eher die Eltern, die den Kindern unbedingt eine Runde spendieren wollen, sagt dessen Erbauer Stefan Novak. Er hat für das Kunstwerk unzählige alte Dinge zusammengesucht, -gedacht und -geschweißt: Mülltonnen, alte Stoßdämpfer, Blechwannen, hölzerne Skier und Vogelkäfige wurden zu fantastischen Reit- und Schaukeltieren. Die Eltern haben kaum Zeit zum Winken: Sie müssen in die Pedale treten, damit Schwung in die Sache kommt. Neben urig-vorweihnachtlicher Stimmung breitet sich somit auch gutes Gewissen über dem weiten Platz zwischen der hochbarocken Karlskirche und den eleganten Jugendstil-Pavillons der ehemaligen Stadtbahn aus: nicht nur, weil das Upcycling-Ringelspiel klimaneutral betrieben wird, auch der eine oder andere Marillenkrapfen kann gleich wieder abgebaut werden, ehe er sich anlegt. Selbst dann wären Gewissensbisse unangebracht: Immerhin ist hier alles Essbare bio, von den Waldviertler Mohnnudeln bis zu den Tiroler Kiacheln - nur der Wildschweinburger nicht, weil seine Hauptzutat nicht zertifiziert werden kann. Man bekommt auch keinen fernöstlichen Plastik-Kitsch zu kaufen, sondern solides Kunsthandwerk aus Wolle, Holz und Schmiedeeisen. Im großen Brunnen mitten auf dem Platz steht ein Gehege mit Schafen und Ziegen. Das flache Steinbecken rundherum ist mit Stroh angefüllt, ein Traum für die Kinder.