Westafrika Gequältes Mali

Ein Reiter in der Nähe des Weltkulturerbes Timbuktu (Archivbild von 2013).

(Foto: REUTERS)

Das Land in Westafrika ist reich an Weltkulturerbe und hat eine international bekannte Musikszene. Touristen dürften sich im angegriffenen Hotel trotzdem wenige befinden.

Bamako hat es binnen zwei Jahrhunderten von einem Fischerdorf am Niger-Fluss zur Hauptstadt Malis und schließlich zur am schnellsten wachsenden Metropole Afrikas gebracht. Etwa zwei Millionen Menschen leben in der Stadt am Niger, die vor allem für ihre Musikszene international bekannt ist. Ein begehrtes Reiseziel ist Bamako trotzdem nicht. Zu gravierend sind die Folgen des malischen Bürgerkriegs von 2012 samt Blauhelmmission, zu tief prägen sich Nachrichten ein wie aus dem März dieses Jahres, als Bewaffnete ein bei Ausländern beliebtes Restaurant in Bamako überfielen und fünf Menschen töteten.

Das nun angegriffene Hotel Radisson Blu liegt westlich des Stadtzentrums in einem Viertel, in dem sich auch mehrere Ministerien und Botschaftsgebäude befinden. Wie es heißt, ist es vor allem bei Diplomaten und vor Ort tätigen Ausländern, wie zum Beispiel Mitarbeitern von Fluglinien, beliebt.

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Um klassische Touristen muss Mali dagegen kämpfen. Wegen des Bürgerkriegs 2012 und des seither andauernden Konflikts mit Islamisten und Tuareg-Separatisten nahmen Reiseanbieter das kleine westafrikanische Land aus ihren Programmen, ausländische Gäste blieben fern. Hotels mussten schließen, Fremdenführer und Souvenirhändler verloren ihre Arbeit. Wer sich halten konnte, senkte oft die Preise, um die wenigen noch kommenden Touristen für sich zu gewinnen.

Viele in Mali richten ihre Hoffnung auf ihren großen Schatz, die Musik. Das "Festival au Désert", das früher Gäste aus allen Teilen der Welt in Timbuktu zusammenführte, konnte sich zwar noch nicht vom Bürgerkrieg erholen. Doch beim "Festival sur le Niger", vier Stunden entfernt von Bamako abgehalten, wurde zuletzt im vergangenen Winter ein Zeichen gesetzt, dass Reisen in das Land sicher und noch dazu lohnend sein könnten. Eine Reportage über das Festival lesen Sie hier:

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Der Kontext blieb jedoch denkbar schwierig: Vor Reisen in den Norden Malis wird konsequent abgeraten. Der Süden mit Bamako galt im Vergleich dazu trotz vereinzelter Anschläge als relativ sicher. In seinen Reise- und Sicherheitshinweisen hatte das Auswärtige Amt vor dem Angriff auf das Radisson Blu an diesem Freitag eine Teilreisewarnung ausgesprochen. Für Staatsangehörige westlicher Staaten bestehe "ein erhöhtes Anschlags- und Entführungsrisiko". Vor Reisen nördlich des 14. Breitengrades wurde "nachdrücklich gewarnt", doch auch "im Süden des Landes und in der Hauptstadt Bamako kann eine Gefährdung durch terroristische Gruppen nicht ausgeschlossen werden".

Zuletzt hatten bewaffnete Angreifer am 7. August in einem Hotel in der Stadt Sévaré Geiseln genommen, nachdem sie eine Militäranlage angegriffen hatten. Mehr als ein Dutzend Menschen kamen ums Leben. Sévaré liegt in der Nähe der historischen Stadt Mopti, die bis 2012 ein beliebtes Touristenziel war.

Von dort aus waren Ausländer traditionell gerne in die sagenumwobene Oasenstadt Timbuktu weitergefahren, die seit langem die Fantasie Reisender anregt. Diese gehört wie weitere Stätten im geschichtsreichen Mali zum Unesco-Welterbe. 2012 wurde jedoch auch Timbuktu zum Opfer. Bevor 2013 die Befreiung der Stadt gelang, zerstörten Islamisten einen Teil der historischen Schätze, darunter bedeutende Mausoleen, und ließen Bibliotheken mit Handschriften in Flammen aufgehen.

Ein schlimmer Schlag für das Kulturerbe, und damit auch für die Chancen Malis, sich als Reiseziel zu erholen. Dabei würden Einkünfte aus dem Tourismus dringend benötigt: Momentan gehört Mali zu den ärmsten Ländern der Welt (Rang 176 von 187 laut UN-Entwicklungsindex), die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 55 Jahren.

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