Von Christopher Schrader

Mit dem Flugzeug in den Weltraum: Von 2012 an will auch der Großkonzern EADS Touristen einmalige Aussichten bieten.

Die Erde ist rund. Das halten die meisten Menschen für eine Binsenweisheit, die spätestens Kolumbus bei seiner ersten Reise nach Westindien bewiesen habe. Doch mit eigenen Augen haben das bisher nur etwa 460 Menschen gesehen. Sie saßen in amerikanischen, russischen oder chinesischen Raumschiffen, die über 100 Kilometer hoch aufgestiegen waren. Wer in dieser Höhe schwerelos schwebend aus dem Fenster blickt, sieht über sich die schwarze Dunkelheit des Universums und unter sich die Krümmung der blauen Kugel, die die Menschheit "Erde" nennt.

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Doch die Zahl könnte sich bald vervielfachen. Tausende Menschen werden die Aussicht bei einem Kurztrip ins All bewundern - zum Preis einer Eigentumswohnung. Davon zumindest sind einige Firmen überzeugt, die Touristenflüge ins All planen.

Darunter ist seit Mittwochabend der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Seine Tochter Astrium hat in Paris die Entwicklung eines noch Raketenflugzeugs angekündigt, das von 2012 an Passagiere auf dreifache Schallgeschwindigkeit beschleunigt und in einer Flugparabel über die Grenze zum Weltraum hinauf befördert, drei Minuten Schwerelosigkeit inklusive.

Im Jahr 2020, so steht es in einer Marktanalyse der Firma, dürften 15 000 Menschen einen solchen Flug buchen; davon will Astrium ein Drittel befördern. Anfänglicher Preis pro Passagier: 150 000 bis 200 000 Euro. Der Hauptkonkurrent, die britische Firma Virgin Galactic des Unternehmers Richard Branson, verkauft sogar schon Tickets für Flüge mit einem SpaceShipTwo getauften Raumgleiter, der zurzeit entwickelt wird. Kosten: ab 200 000 Dollar (150 000 Euro) pro Person. Losgehen könnte es nach Firmenangaben Ende 2008.

Ein weiterer Bewerber um die Gunst der Kunden könnte bald Elon Musk werden. Mit seiner Firma Space-X entwickelt der Milliardär und ehemalige Inhaber der Internetfirma Paypal Raketen, die sogar in eine Umlaufbahn einschwenken können. Dafür muss das Raumfahrzeug ungefähr auf 26-fache Schallgeschwindigkeit beschleunigen. Musks primäres Ziel ist zwar, ins lukrative Geschäft mit Satellitenstarts einzusteigen. Später könnten seine Raketen aber auch Touristen zu geplanten Weltraumhotels bringen. Seine Rakete Falcon 1 hat zwar schon 300 Kilometer Höhe erreicht, ist aber noch nicht fehlerfrei geflogen.

Wenn jetzt ein Konzern wie EADS in das Geschäft einsteigt, das bisher nur Start-Ups sahen, geht Peter Diamandis' Plan offenbar auf. Er hatte 1996 den sogenannten X-Preis ausgeschrieben, um den Weltraumtourismus anzustoßen. Zehn Millionen Dollar sollte bekommen, wer es als erster schaffte, mit einem wiederverwendbaren Raumschiff zweimal in zwei Wochen auf 100 Kilometer aufzusteigen.

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