Wandern in den Dolomiten König Laurins Zauberwelt

In den Dolomiten gibt es sagenhaft schöne Touren. Angesichts der phantastischen Felskulisse des Rosengartens werden die Bergwanderer zu Zauberlehrlingen.

Von Von Silvia Schmid

Der Regen klatscht gegen die Scheiben, die Felswände der engen Schlucht zu Beginn des Eggentals rücken bedrohlich nahe, leuchten im Licht der zuckenden Blitze geheimnisvoll auf. König Laurin hüllt seine Felsenburg in ein Unwetter.

Alpen Wandern in den Dolomiten

Zaghaft erscheinen helle Felszinnen, beginnen im Licht der tiefstehenden Sonne zu leuchten.

(Foto: Foto: dpa)

Wir tauchen ein in den Nebel, scheinen die reale Welt zu verlassen - und befinden uns plötzlich mitten in König Laurins sagenhafter Zauberwelt. Irgendwo im reinigenden Unwetter scheint es uns gelungen zu sein, den golden schimmernden Seidenfaden, der König Laurins Reich schützend umschließt, zu überschreiten.

In Watte gehüllt

Kurz vor Welschnofen bekommen die dunklen Wolken zart schimmernde rosa Ränder. Zaghaft erscheinen helle Felszinnen, beginnen im Licht der tiefstehenden Sonne zu leuchten. In Watte gehüllt liegen Rosengarten und Latemar vor uns, heißen uns Willkommen und verführen uns, einzutauchen in die Welt der Sagen und Geschichten, welche die wilden Zacken umwogen wie die Nebel.

Der Duft der dichten Wälder und der blühenden Almwiesen liegt in der klaren Luft und betört uns bei jedem Atemzug. Der Nachmittag ist spät, aber zu schön, um ihn im Hotel zu verbringen. Der "Sagenhafte Wanderpass" des Tourismusverbandes gibt uns gute Hinweise, wo wir den märchenhaften Gestalten in ihrer ureigenen Umgebung nahe kommen können.

Wir wählen den Forstweg hinauf zum Schillerhof und sind schon nach wenigen Minuten begeistert: Der Wald lichtet sich, vor uns liegt der Rosengarten. Zauberhaft spannt sich ein Regenbogen von den Felswänden weit in den Himmel hinauf. Was für ein Empfang in König Laurins Zauberbergen!

Schulbuben und die Wolfsgrube

Wir steigen vorbei an der Lengeria-Kapelle. Hier herauf kommen die Welschnofner seit Alters her mit ihren Sorgen, um einen Rosenkranz lang vor dem Bildstöckl zu Knien und die Mutter Gottes um Beistand zu bitten.

Die Schulbuben durften noch schnell an der heute noch gut sichtbaren Wolfsgrube, wo der letzte Wolf der Region sein Ende fand, hinunter ins Tierser Tal schauen und eine Brotschnitte mit Marmelade verzehren, bevor man sich, gestärkt durch den Glauben an den himmlischen Beistand, wieder dem Dorf zuwendete - meistens mit einem Korb in der Hand, um ihn unterwegs mit Tannenzapfen zu füllen.