Spurensuche auf hoher See: An Tag eins nach dem Verschwinden gibt Flug AF 447 weiter Rätsel auf. Klar ist bislang nur, dass die verschollene Air-France-Maschine in ein schweres Unwetter geraten war. Luftfahrtexperte Jörg Handwerg von der Vereinigung Cockpit zur Gefahr von Blitzeinschlägen.
Nach dem Absturz einer Maschine der Air France über dem Atlantik wird weiter nach dem Wrack und nach der Ursache der Katastophe gesucht. Während die Fluggesellschaft in einer ersten Stellungnahme einen Blitzeinschlag als möglichen Grund nannte, sind Luftfahrtexperten skeptisch. sueddeutsche.de sprach mit Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit über die Auswirkung von Blitzeinschlägen während des Flugs und die technische Ausrüstung des verunglückten Airbus A330-200.
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sueddeutsche.de: Wie bekommen Passagiere mit, wenn der Blitz in ein Flugzeug einschlägt?
Jörg Handwerg: Es tut einen Schlag. Es hört sich an, als ob jemand mit einem großen Hammer auf die Maschine haut. Das Flugzeug wackelt nicht wie bei Turbulenzen, vielmehr vibriert es eher. Mir selbst ist das als Pilot auch schon ein paar Mal passiert.
sueddeutsche.de: Wie registriert der Pilot einen Blitzeinschlag?
Handwerg: Das kommt darauf an, wo der Blitz auf das Flugzeug trifft. Oft ist das im Nasenbereich der Fall, zum Beispiel im Steigflug. Dann spürt man einen Schlag, oftmals wird es auch sehr hell und das Flugzeug schüttelt sich.
sueddeutsche.de: Für Flugzeuge gilt das Prinzip des Faradayschen Käfigs. Was bedeutet das?
Handwerg: Beim Faradayschen Käfig bewegen sich die Ladungsteilchen, also die elektrische Energie, auf der Außenhaut des Flugzeugs entlang. Passagiere werden dadurch nicht beeinträchtigt, selbst wenn sie von innen den eisernen Körper des Flugzeugs anfassen würden, was ja durch die Kabinenverkleidung gar nicht möglich ist.
sueddeutsche.de: Wie groß sind die Schäden, die ein Blitz am Flugzeug verursachen kann?
Handwerg: Normalerweise sind die Schäden nicht sehr groß. Nach der Landung wird das Flugzeug inspiziert und je nachdem wo der Blitz eingetreten oder ausgetreten ist, sind Schäden im Lack sichtbar, manchmal auch ein kleines Loch.
sueddeutsche.de: Am vermuteten Unglücksort im Atlantik soll zur Absturzzeit ein schweres Gewitter getobt haben. Wie stellen sich Piloten auf so eine Wetterlage ein?
Handwerg: Im Bereich des Äquators herrscht eine innertropische Konvergenzzone mit sehr häufigen und auch schweren Gewittern. Das ist in diesen Breiten fast eine normale Wetterlage. Piloten, die auf der Südamerika-Route fliegen, sind darauf eingestellt.
In der Regel umfliegt man solche Gebiete, mitten hindurchzusteuern wäre zu gefährlich. Gewitter bestehen aus sehr aktiven Kerngebieten und ruhigeren Randzonen, das ist auf dem Wetterradar recht gut zu sehen. Piloten werden versuchen, einen Weg zu finden, der möglichst störungsfrei ist.
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Wenn man da mit knapp tausend km/h reinfliegt gibt es keine Chance- sofortiger Druckabfall, die Piloten vielleicht nicht mehr an Bord, die Turbinen kaputt. Der Sender für die Daten läuft vermutlich auf Batterie.
Das Flugzeug fliegt noch ein paar Minuten-
traurige Sache, aber der Hagel wird von der Luftfahrtindustrie bewußt nicht als Risiko dargestellt, ein wenig goggeln hilft aber.
Das Scenario ist häufiger als vermutet!
Wenn man selbst regelmäßig mit Air France auf der Route fliegt und auch seine Familie plant hin und her zu schicken, ist das natürlich alles ein sehr schwacher Trost. Auch dass nach einem Unfall ein weiterer statistisch gesehen unwahrscheinlicher erscheinen soll. Das sind alles Hilfskonstruktionen, die die wirklichen Ursachen verschleiern. Da gibt es einen Zone zwischen Expertenwissen und offiziellen Statements, die nicht überschritten wird.
"Aber man muss sich mal vorstellen, wie viele Flüge mit wie vielen Passagieren jeden Tag über den Atlantik gehen. Im Autoverkehr passiert vergleichsweise mehr und trotzdem macht sich keiner Sorgen, wenn er in sein Fahrzeug steigt."
Doch. Gerade wenn ich am Flughafen ins Taxi einsteige, wird mir diese Statistik immer wieder bewusst und ich bekomme ein flaues Gefühl.
Ich habe das Attentat von Lockerbie aufgrund der Parallelen in der jetzigen Informationslage der Vollständigkeit halber genannt. Ich glaube selbst aber nicht an einen Anschlag.
Und zwar weil einfach ein Motiv fehlt. Schliesslich hatte der Airbus vor allem Brasilianer und Franzosen als Passagiere. Würde es sich um israelisches oder US-amerikanisches Flugzeug handeln, dann wäre das anders. Und bislang hat sich auch noch keine politische Gruppierung zu einem Anschlag bekannt.
Nein, wenn ich sage, dass es besonders wichtig ist die Ursachen für diesen Absturz zu finde, dann deshalb weil ein so sicheres Flugzeug, das von so einer erfahrenen Crew geführt wird, nicht einfach so vom Himmel fallen kann. Wenn es meterologische Ereignisse geben kann, die ein solches Flugzeug so schnell zum Absturz bringen können, das die Crew noch nicht mal mehr "piep" sagen kann, dann kann es mit der Sicherheit der Luftfahrt allgemein nicht weit her sein. Als Beispiel, zu was ein Airbus 330-200 im Notfall fähig, mag die Geschichte von Air-Transat-Flug 236 gelten. http://de.wikipedia.org/wiki/Air-Transat-Flug_236
.... dieses Unglück gehabt hat, sie muss schnell gefunden werden. "
Ob da überhaupt etwas gefunden wird, erscheint mehr als fraglich.
Das ist aber auch egal, weil sich eine Wiederholung von "Lockerbie" auch durch noch so aufwändige, und grossenteils völlig sinnfreie, Sicherheitschecks nicht auschliessen lässt.
- Es sei denn, man würde das *gesamte* Fluggepäck penibel und in Handarbeit checken, wie das bei El Al Standard war, oder noch ist. (Ich war schon eine Weile nicht mehr in Israel).
Das ist aber in der grossen Masse nicht machbar.
Bleibt also das Restrisiko, dass ein Lebensmüder mit einem Koffer voller Sprengstoff eincheckt.
- Oder aber, dass übermüdete Piloten schlichtweg einschlafen***, und der Autopilot mitten in ein Gewitter fliegt, das den Flieger zerlegt.
*** Sowas kommt öfter vor, als man glaubt.
http://www.aerosecure.de/news/3049-air-india:-piloten-eingeschlafen-landung-verpasst.php
Wir werden's in diesem Fall wohl kaum erfahren.
Gruss,
C.
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