Verpfuschte Bauwerke wie der BER – Berlin: "Germanias" Ungeist

Im Berliner Bezirk Tempelhof steht an einer Ecke ein 18-Meter hoher Betonzylinder. Er steht da, als hätte das Kind eines sehr großen Riesen vergessen, ihn nach dem Spielen in den Eimer mit den anderen Betonklötzen zu packen. Und tatsächlich erinnert das Ding an einen Menschen, der auf unmenschliche Art riesig gedacht hat: "Germania" hieß Adolf Hitlers Vision einer Welthauptstadt.

Mit dem sogenannten Großbelastungskörper in Tempelhof wollte der Großbaumeister Albert Speer testen, ob der märkische Sand den Utopien des Diktators auch standhalten kann. Er konnte. Tatsächlich sank der massive Betonzylinder trotz seiner 12 650 Tonnen Gewicht nicht ein. Heute wirkt er wie ein wuchtiger Suppenwürfel, das Konzentrat der irrwitzigen Pläne Hitlers. Von West nach Ost und von Nord nach Süd sollten Achsen durch Berlin geschlagen und am Schnittpunkt der gigantischen Magistralen dann die "Große Halle" errichtet werden: 290 Meter hoch, mit einem Halbkugeldach von 250 Metern Durchmesser.

Dem Scheinriesen Albert Speer aber war entgangen, dass seine Konstruktion technisch nicht machbar gewesen wäre. Und wenn der Architekt Speer schon wenig von Statik verstand, von Ökonomie verstand er offenbar noch weniger. Allein die "Neue Reichskanzlei", die ebenfalls geplante neue Repräsentanz Hitlers, hatte 90 Millionen Reichsmark gekostet - umgerechnet heute eine Milliarde Euro. Das ist knapp ein Viertel der prognostizierten Kosten des Berliner Flughafens BER. Alle anderen Ähnlichkeiten sind natürlich rein zufällig.

Jan Heidtmann

Bild: DPA/DPAWEB 20. Januar 2013, 11:352013-01-20 11:35:13 © SZ vom 19.01.2013/cag