Vergnügungspark in Simbabwe Disneyland für den Diktator

Robert Mugabe, 89-jähriger Alleinherrscher von Simbabwe, plant einen 220 Millionen Euro teuren Vergnügungspark rund um die Victoriafälle. Sollte das afrikanische Disneyland jemals Realität werden, wäre es eine absurde Parallelwelt im Vergleich zum Rest des Landes - inklusive Sonderwirtschaftszone.

Von Tobias Zick

Aus seinem Hang zum Fröhlich-Bunten macht Robert Mugabe, Simbabwes vitaler Diktator, seit Langem keinen Hehl: Zu öffentlichen Auftritten, wie etwa vor seiner jüngst erfolgreich durchgesetzten Wiederwahl, kommt der 89-Jährige gern in poppig gemusterten Hemden und Schirmmützen.

Insofern sollte es niemanden allzu sehr überraschen, dass seine Regierung jetzt ein "afrikanisches Disneyland" plant: Die Gegend um die von Natur aus bereits reizvollen Victoriafälle im Westen des Landes soll so touristisch noch aufgewertet werden - man wolle auf diese Weise einen "schlafenden Riesen" wecken, sagt der simbabwische Tourismus-Minister.

Tourismus am Boden

Simbabwe ist, zusammen mit dem Nachbarland Sambia, derzeit Gastgeber der Generalversammlung der Welttourismusorganisation, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Schon allein diese Tatsache hat beißende Kritik von Menschenrechtlern provoziert. Schließlich liegt in dem Land nicht nur der einst blühende Tourismus am Boden, sondern immer wieder auch der eine oder andere Oppositionelle, wenn ihn Mugabes Schergen in die Finger bekommen.

An Letzterem wird sich in absehbarer Zeit wohl wenig ändern: Erst vergangene Woche feierte der seit 33 Jahren regierende Diktator in einem Stadion vor 60.000 Zuschauern seine Wiederwahl, die nach Einschätzung diverser Beobachter auf zweifelhafte Weise zustande kam. Eine Verfassungsänderung hatte zuvor zwar erstmals die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Perioden begrenzt, was aber ausdrücklich nicht rückwirkend gilt, weshalb Mugabe möglicherweise erst um seinen 99. Geburtstag herum in die Verlegenheit kommen wird, sich über ein sinnerfülltes Leben nach der Politik Gedanken machen zu müssen.

"Die Tage des Kolonialismus sind unwiderruflich vorbei", rief der einstige Freiheitskämpfer ins jubelnde Stadion und kündigte voll frischen Tatendrangs gleich darauf an, die teilweise Enteignung ausländischer Firmen in Simbabwe, wie sie seit Längerem geplant ist, von nun an verstärkt voranzutreiben. Das ist letztlich nicht mehr als eine konsequente Fortschreibung von Mugabes "Indigenisierungspolitik", die etwa im Jahr 2000 in der Enteignung und Vertreibung Tausender weißer Farmer gipfelte.

Die Wirtschaft des Landes, das einst "Kornkammer Afrikas" genannt wurde, ging fortan vor die Hunde, in einer Phase historisch einzigartiger Inflation vermehrten sich die Nullen auf Preisschildern zwischenzeitlich so rasant wie Bakterien in Laborkulturen. Die Touristen blieben Simbabwe wohl nicht hauptsächlich deshalb fern, weil ihnen die Naturschönheit der Victoriafälle aufgrund fehlender Kasinos, Shopping-Malls und Achterbahnen irgendwie zu nackt erschienen wäre.

Im Rausch des Regenbogens

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Letztgenannte Interpretation freilich ist einem westlich geprägten Blick geschuldet, und so verkündete Tourismusminister Walter Mzembi auf der UN-Veranstaltung in seinem Land jetzt umso entschlossener seine "Vision" von einem gut 220 Millionen Euro teuren Vergnügungspark: Geplant sei etwas "Ultra-Modernes, das junge Menschen anzieht", erklärte Mzembi. Drumherum um dieses afrikanische Disneyland soll eine Art Sonderwirtschaftszone errichtet werden; einschließlich Banken, in denen "auch Leute, die nicht notwendigerweise in Simbabwe leben, Konten eröffnen können".

So ganz auf Geld aus dem Ausland will man also - trotz aller "Indigenisierungspolitik" - nicht verzichten, sich vollends der feindlichen westlichen Welt öffnen selbstverständlich aber nun auch nicht: Das afrikanische Disneyland-Spektakel, wenn es denn in die Realität umgesetzt wird, dürfte sich wohl dauerhaft in einer 1200 Hektar großen Parallelwelt abspielen, in jeder Hinsicht gegensätzlich zum großen, weiten Rest des Landes, wo ein bunt gekleideter Diktator mit seinen Widersachern auf ganz andere Weise Achterbahn fährt.

Dass Massen von jungen Reisenden sich von Mugabes Spaß-Universum magisch angezogen fühlen werden, daran scheint die Regierung jedoch keinerlei Zweifel zu haben: Pläne, den Flughafen für gut 110 Millionen Euro dem künftigen Besucheransturm anzupassen, liegen auch schon in der Schublade.