USA, Land der Fettnäpfchen Warten auf "Big One"

"Bist du gut vorbereitet?": Warten auf das "große Beben"

(Foto: AFP)

In Kalifornien lebt man seit jeher mit der Angst vor Erdbeben. Für Zugezogene ist das neu. Nun war es da, der erste selbst erlebte Beben - allerdings nur ein kleines. Seither treibt unsere Autorin die Frage um: Was tun im Ernstfall?

Von Beate Wild, San Francisco

"Warst du auch im Bett, als es losging?", "Ich bin so erschrocken, ich konnte danach überhaupt nicht mehr schlafen" und "Bist du auf das nächste Mal gut vorbereitet?" Das sind die Sätze, die man bei Gesprächen in San Francisco derzeit häufig hört. Das Erdbeben neulich am Sonntagmorgen hat uns alle doch mehr mitgenommen, als lässige Kalifornier eigentlich zugeben wollen.

Das Zentrum des Bebens war in Napa Valley, außerhalb der Stadt. Die 6,0 auf der Richterskala hinterließen dort 170 Verletzte und 100 beschädigte Häuser. Ein vergleichsweise glimpfliches Erdbeben also, doch der Schreck sitzt bei den Einwohnern San Franciscos tief. Die Bilder vom letzten großen Beben 1989 sind plötzlich wieder sehr präsent. Es hatte damals eine Stärke von 6,9 und hinterließ entsetzliche Verwüstungen: Mehr als 60 Menschen starben, der Sachschaden wurde auf mehr als zehn Milliarden Dollar beziffert. Doch im Gegensatz zu 1906 als die Stadt nach einem Beben der Stärke 8,4 auf der Richter-Skala einem Trümmerhaufen mit 3000 Toten glich, war sogar das Beben vor 25 Jahren noch relativ ungefährlich.

Und so drehte sich kürzlich beim Abendessen mit Freundinnen das Gespräch einzig darum, wie man sich am besten auf das "Big One", also das nächste schwere Beben, das voraussichtlich nicht so harmlos ablaufen wird, vorbereitet.

Im Bett bleiben und Türen meiden

Für mich ist das alles Neuland. Das Beben neulich war mein erstes. Anfangs wusste ich gar nicht, ob ich träume oder ob unser Haus tatsächlich wild schaukelt. Hätte das Rütteln nicht nach ein paar Minuten wieder aufgehört, ich hätte keine Ahnung gehabt, wie man sich am klügsten verhält.

Doch da das Thema derzeit überall in der Stadt eifrig diskutiert wird, bin ich mittlerweile schlauer.

  • Ist man während eines Bebens im Haus, bleibt man am besten drinnen - auch wenn das extreme Nervenstärke erfordert. Wer vor lauter Panik hinausrennt, kann von umherfliegenden Teilen oder einer Stromleitung getroffen und schwer verletzt werden.
  • Von Türen muss man sich unbedingt fernhalten, da diese durch das Schaukeln heftig auf und zu fliegen und einen ebenfalls verletzen oder die Hände beim Festhalten quetschen können. Bei Ziegelhäusern kann man sich zwar unter Türrahmen vor herabfallenden Steinen unterstellen, doch da in San Francisco sowieso fast alle Häuser aus Holz sind, ist das obsolet.
  • Liegt man im Bett, bleibt man am besten dort - was ich quasi intuitiv richtig gemacht habe. Besser nicht durch die Wohnung laufen, Möbel könnten einem zu nahe kommen. Allerdings sollte man vorher sicherstellen, dass man über dem Bett kein Bild aufgehängt hat. Das könnte beim Herunterfallen ebenfalls für böse Verletzungen sorgen. Im Notfall vor herumfliegenden Teilen mit Kissen und Bettdecke schützen.
  • Ist man draußen, dann möglichst schnell weg von Gebäuden und Oberleitungen.
  • Ist man im Auto, schnell anhalten, allerdings nicht unter oder auf einer Brücke.
  • Sollte das Haus nach dem Beben beschädigt sein: nicht versuchen, durch das Treppenhaus ins Freie zu gelangen. Man könnte dadurch ein Zusammenstürzen aktiv herbeiführen. Lieber über die Feuerleiter, die sich außen am Haus befindet, hinausklettern.

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Anschaffung eines Survival-Kits

Und nachdem ich in meinem Freundeskreis offenbar die Einzige bin, die noch kein "Survival-Kit" zu Hause hat, werde ich mir das demnächst wohl oder übel besorgen müssen. Von offizieller Seite heißt es, man solle Trinkwasser und Essen für drei Tage, Batterien und ein Radio, eine Taschenlampe, einen Erste-Hilfe-Kasten, eine Staubschutzmaske, Plastiktüten, Toilettenpapier und eine Trillerpfeife bereithalten. Letztere, um in den Trümmern auf sich aufmerksam zu machen.

Jetzt, nachdem ich Bescheid weiß und die ganzen Verhaltenstipps kenne, habe ich erst richtig Angst vor dem nächsten Beben bekommen. Zumal wir in einem uralten Haus von 1890 wohnen, bei dem jedes Mal der Boden verdächtig schwingt, wenn nur ein großer Lastwagen vorbeifährt.

Doch meine Freundin Kimberly beruhigt mich: "Da würde ich mir jetzt mal keine Sorgen machen, das Haus hat ja dann auch schon die beiden großen Erdbeben von 1906 und 1989 überstanden."