USA, Land der Fettnäpfchen Kein Fleisch? Essen Sie Wurst!

USA, Land der Steaks und Burger?

(Foto: AFP)

Die USA sind leider nur stellenweise ein Paradies für Vegetarier. In den Südstaaten führt der Wunsch, weder Fisch noch Fleisch zu bekommen, in eine kulinarische Wüste. Da hilft nur ein digitaler Wegweiser.

Von Beate Wild, San Francisco

"Sie wollen nur Gemüse?", fragt der Kellner im Gazebo Café in New Orleans, "Dann nehmen Sie doch dieses Reisgericht mit Bohnen." Er bringt einen Eintopf an den Tisch, in dem Hühnchen-Teile und Wurst-Stücke schwimmen.

Für Vegetarier ist Reisen in der Regel kein Vergnügen - kulinarisch gesehen. Entweder die Kellner verstehen einen falsch oder man hat als einzige essbare Möglichkeiten Beilagensalat, Nudeln mit fader Tomatensoße oder ein Stück Torte. Ich selbst verzehre zwar ab und zu mal Fleisch oder Fisch, gerade im Urlaub oft aus der Not heraus. Doch da mein Freund seit 20 Jahren strikter Vegetarier ist, sitzen wir auf Reisen im gleichen, engen Boot: Wir müssen ein Lokal finden, das vegetarische Gerichte auf der Karte hat.

Das ist eine ähnlich große Herausforderung, als würde man in einem oberbayerischen Dorf ein Wirtshaus suchen, das grüne Smoothies verkauft. Freilich kommt es darauf an, wohin der Urlaub geht: Thailand, Vietnam und Kambodscha waren bisher noch nie ein Problem. Indien ist geradezu ein Paradies für Pflanzenesser. In vielen anderen Ländern jedoch denken Köche bei pflanzlicher Kost höchstens an das Viehfutter. Und das haben Rind und Schwein längst verschlungen, um zu dem Fleischberg heranzuwachsen, welcher in diesen Gegenden unter Nationalspeise bekannt ist.

Argentinien mit seinen Asados zählt sicher zu den größten Herausforderungen. Noch härter wird es in Venezuela und Kolumbien: Dort ist selbst ein Rührei ohne Fleischeinlage kaum denkbar. Die USA sind in Fleischfragen mindestens zwiegespalten.

Die spinnen, die Amis

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Hier hängt es stark von der Region ab, was auf den Speisekarten steht. In New York oder San Francisco wähnt sich ein Vegetarier im Paradies. Sogar Veganer, die überhaupt keine tierischen Produkte wie Eier oder Käse essen, genießen hier den Luxus, sich zwischen vielen Lokalen entscheiden zu können. Im mittleren Westen und in den Südstaaten hingegen fällt die Wahl schwer, denn das Angebot ist nicht begrenzt, sondern nicht vorhanden.

Im wunderbaren New Orleans kann ein Besucher in kreolischen Köstlichkeiten schwelgen oder die Vorzüge der Cajun-Küche kennenlernen - es sei denn, er isst weder Fisch noch Fleisch. Egal auf welche Karte wir blicken: Hummer, Flusskrebse, Wels, Huhn und Garnelen. Das sind auch die Hauptbestandteile von Gerichten wie dem Reiseintopf Jambalaya, der uns als "vegetarisch" verkauft wurde. Zudem stehen in den Südstaaten offenbar frittierte Tiere hoch im Kurs.

Viele Kellner haben anscheinend noch nie in ihrem Leben einen leibhaftigen Vegetarier getroffen. In Alabama fragt einer: "Etwas ... Vegetarisches?", blickt uns ungläubig an und empfiehlt dann Pasta mit Shrimps oder das Thunfisch-Steak. Häufig hören wir: "Ohne Fleisch? Da hätten wir Pommes oder Pizza Margherita." Keine Frage, das geht schon mal, aber nicht drei Wochen lang. Und das Spiel "Finde die Speckwürfel im Salathaufen" macht auch keine Freude auf nüchternen Magen.

Vorsicht, internationale Fettnäpfchen!

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In unserer Verzweiflung suchen wir Hilfe in der digitalen Welt und laden eine App namens "HappyCow" herunter (alternativ gibt es für Fleischverweigerer noch die Apps Vegman oder VeganXpress). Die User-Empfehlungen auf "HappyCow" haben unseren Trip durch die Südstaaten kulinarisch extrem bereichert.

Dank GPS weiß die App, wo man sich gerade befindet und zeigt auf einer Karte Restaurants in der Nähe an. Es gibt die Kategorien vegan, vegetarisch oder vegetarier-freundlich. Die Lokale, in die wir geschickt werden, sind durchweg richtig gut. Nur einen kleinen Haken hat die App: In kleineren Orten gibt es oft überhaupt keine Tipps.

Entweder, weil dort nicht ein einziges Restaurant für Vegetarier existiert, oder weil sich bisher niemand die Mühe gemacht hat, vegetarier-freundliche Lokale bei der Online-Plattform zu melden. Doch sei's drum! Nicht immer, aber manchmal gibt es nichts Besseres als Pommes. Und zum Nachtisch eine Torte.

In der Kolumne "USA, Land der Fettnäpfchen" schreibt unsere Autorin Beate Wild aus San Francisco über alltägliche Sitten und Unsitten in den Vereinigten Staaten.