Winzig oder teuer

US-Airline verlangt Gebühren für Handgepäck /
Von Katja Schnitzler
/ Veröffentlicht am , im Reiseblog

"Was nur könnten wir noch mit einer Zusatzgebühr belegen, ohne dass uns die Passagiere davonlaufen?" Tagen die Chefs der billigen und nicht ganz so billigen Airlines tatsächlich mit ihren Untergebenen, um zu erfinden, zu rechnen, zu verwerfen und im schlimmsten Fall eine neue Gebühr einzuführen? Manchmal könnten Kunden diesen Eindruck bekommen, und das nicht nur bei europäischen Fluglinien. Eine amerikanische Airline machte es sich jetzt ganz leicht.

Sie sinnierte nicht lange über Münz-Toiletten an Bord, sondern verlangt einfach Zusatzgeld für das, was jeder Passagier mit an Bord bringt: das Handgepäck. Damit ist der Billiganbieter Allegiant Air mit Sitz in Las Vegas nicht allein, zumindest nicht in den USA: Die Gesellschaft mit dem schönen Namen Spirit Airlines hatte die geldwerte Eingebung schon vor zwei Jahren, berichtet der Boston Globe.

Damit aber nicht der Zorn der Passagiere über Allegiant Air kommen möge, oder die Kunden - noch schlimmer - zu anderen Gesellschaften abwandern, war man zu Zugeständnissen bereit: Wer sein Handgepäck (Brieftasche, Aktenmappe, Laptop-Tasche oder sehr kleiner Rucksack) unter den Sitz vor sich zwängen kann, darf es weiterhin umsonst mitnehmen. Wer eine größere Tasche (und auch die darf höchstens elf Kilogramm wiegen) dabei hat, zahlt 35 US-Dollar (etwa 27 Euro) für das Gepäckfach. Damit schließt die US-Airline ein Schlupfloch, das auch in Europa gerne von Passagieren genutzt wird: Sowohl diesseits wie jenseits des Atlantiks erheben die Fluggesellschaften Gebühren auf Taschen und Koffer im Frachtraum - wer den Preis dafür nicht zahlen will, packt umso mehr in die Bordtasche.

Denn solange es nicht bestimmte Ausmaße sprengt, ist das Handgepäck bei europäischen Fluglinien noch kostenlos. Beim Billigflieger und Vorreiter der Zusatzgebühren Ryanair zum Beispiel darf nur ein Gepäckstück pro Passagier an Bord (Höchstgewicht der Tasche zehn Kilogramm, Größe höchstens 55 mal 40 mal 20 Zentimeter). "Handtaschen, Aktentaschen, Laptop-Computer, Fotoapparate, Einkäufe von Flughafengeschäften usw. müssen in diesem einen erlaubten Handgepäckstück verstaut werden", heißt es streng in den Handgepäck-Regeln von Ryanair. Was zu groß, zu schwer oder einfach zu viel ist, wird am Flugsteig abgelehnt - außer der Passagier zahlt 60 Euro, dann darf die Tasche noch in den Frachtraum.

Bei der Lufthansa soll die Tasche zwar höchstens acht Kilogramm wiegen, dafür landet zu großes Gepäck gebührenfrei im Frachtraum. Und auch Handtaschen, Laptops und Fotoapparate müssen nicht mit in die eine Bordtasche gestopft werden - zumindest solange die europäischen Anbieter nicht dem amerikanischen Vorbild bei der Suche nach neuen Gebühren folgen.