Urteil zu Passagierrechten Airlines müssen bei verspäteter Ankunft zahlen

Auf dem Boden geblieben: Zwei Passagiere schlafen am Frankfurter Flughafen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Europäische Gerichtshof stärkt die Rechte von Fluggästen. Wer mehr als drei Stunden verspätet sein Reiseziel erreicht, hat Anspruch auf Entschädigung. Die Airlines müssen bis zu 600 Euro zahlen.

Von Andreas Jalsovec

Am Ende der Flugreise von Bremen nach Paraguay hatte die Maschine der Air France elf Stunden Verspätung. Das war viel, zu viel, fand eine Passagierin und forderte eine Ausgleichszahlung von der Fluggesellschaft. Die Airline weigerte sich. Jetzt bekam die Reisende vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) recht. Die Europarichter urteilten: Entscheidend für den Anspruch der Passagierin sei nicht die Verspätung beim Abflug, sondern am Reiseziel. Der EuGH stärkte damit die Rechte der Verbraucher bei Flugreisen.

"Das ist ein wegweisendes Urteil", sagt Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. "Schon deshalb, weil solche Fälle sehr häufig vorkommen." In dem Fall, den der Bundesgerichtshof dem EuGH vorgelegt hatte, war das Flugzeug bereits in Bremen mit zweieinhalb Stunden Verspätung gestartet. Die Passagierin verpasste deshalb ihre Anschlussflüge in Paris und in Brasilien. Am Ende landete sie einen halben Tag zu spät in Paraguay. Die Fluggesellschaft verweigerte ihr dennoch eine Ausgleichszahlung und verwies auf die Verspätung beim Abflug. Die habe weniger als drei Stunden betragen. Ausgleichszahlungen bei Verspätungen stehen Fluggästen jedoch nur bei einer Verzögerung von mehr als drei Stunden zu.

In Streitfällen hatten die Airlines dabei bislang stets auf den Abflugort abgestellt. Dass ein Flugzeug dort mehr als drei Stunden zu spät losfliegt, kommt aber selten vor. Verpasste Anschlussflüge waren daher alleine das Problem des Fluggastes. "Wir mussten den Leuten in solchen Fällen immer sagen: Die Abflugverspätung ist nicht groß genug, es gibt keine Ausgleichszahlung", berichtet Verbraucherschützerin Fischer-Volk. Mit ihrem Urteil haben die EuGH-Richter das geändert. "Künftig ist die Ankunftszeit entscheidend", so der Berliner Reiserechtsanwalt Jan Bartholl.

Das Urteil ist ein weiteres in einer Reihe von Richtersprüchen, mit denen der EuGH die Rechte der Fluggäste zuletzt gestärkt hat. So hatten die Luxemburger Richter Ende vergangenen Jahres noch einmal bestätigt, dass Reisende bei längeren Flugverspätungen einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen von bis zu 600 Euro haben. Wer bei seinem Flug mehr als drei Stunden Verzögerung hinnehmen müsse, der sei genau so zu behandeln wie ein Fluggast, dessen Flug annulliert worden sei, so die Richter.

Die Ausgleichszahlungen, die Passagieren zustehen, wenn Flüge ausfallen, sind in der EU-Fluggastrechteverordnung geregelt. Gerade bei Verspätungen jedoch lässt diese viele Fragen offen. "Das nutzen die Fluggesellschaften natürlich aus", meint Anwalt Bartholl. In den allermeisten Fällen hätten die Airlines daher bislang Ausgleichszahlungen abgelehnt. Entsprechend groß ist die Zahl derer, die Hilfe bei Verbraucherschützern und Anwälten suchen. "Wir kommen mit dem Bearbeiten der Fälle kaum hinterher", meint Bartholl.