Umfrage Welchen Flug vergessen Sie nie?

Heftige Turbulenzen, durchgeknallte Crew, haarsträubende Landung - und der Sitznachbar war auch noch unverschämt. Das mussten Leser auf Flugreisen mitmachen.

Hochzeitsreise vor 43 Jahren, über Zagreb nach Split. Prähistorische Zeiten des Tourismus und der Fliegerei, wie wir bald merken sollten. Eine Lufthansamaschine setzt uns pünktlich in Zagreb ab, aber dann gings los: es gab keinen Anschlussflug. Gar keinen. Die Tickets interessierten die gut gepolsterte Frau am einzigen Schalter nur marginal. Irgendwann war sie verschwunden, und wir standen inmitten der übrigen Passagiere ratlos herum. Ein stabil wirkender Mann - offensichtlich vom Balkan und unbeeindruckt von solchen Späßchen - hatte dann genug von den Faxen, setzte sich an die Spitze der Empörten, walzte durch eine verschlosse Tür "No Entrance" und kam mit einem blassen Uniformträger zurück,den er mit höchster Lautstärke aufforderte, einen Anschlussflug zu organisieren, oder...... Zwei Stunden später wurden wir Passagiere auf zwei kleine Maschinen verteilt, das Gepäck hatte keinen Platz mehr. Fragen und Proteste sinnlos. Wir mussten alle warten, bis unsere Maschine betankt wurde. Anschließend wurde dieser Seelenverkäufer zu einer "off position" gezogen, dort warteten wir wieder. Es gab keine funktionierende Toiloette, nichts zu trinken, dafür steckte die schlecht gelaunte Stewardess im oberschenkelkurzen zerknitterten Kostüm jedem Passagier, der sich nicht rechtzeitig wehrte, ein Zitronenbonbon in den Mund... Irgendwann gings dann doch los, die Ankunftszeit wurde durchgesagt. Wir müssen wohl starken Rückenwind gehabt haben, denn trotz der Luftlöcher setzte die Maschine 20 Minuten früher als geplant zur Landung an. Die ungewöhnlich holperige Landung und das Auf-und Abhüpfen der Maschine konnte gar nicht anders sein: wir landeten auf der nicht mehr benutzten Piste eines ehemaligen Militärflughafens! Da war nichts, keine Beleuchtung, aber beim Aussteigen bemerkten wir ein paar Ambulanzwagen sowie - das stellte sich alsbald heraus - den Bürgermeister und ein paar Mitglieder der Gemeindeverwaltung des zuständigen Ortes. Mein Mann taumelte als Erster aus dem Flugzeug, der Bürgermeister umarmte ihn und küsste ihn erfreut auf beide Wangen: unser Flug war als verschollen gemeldet! Ein privater Taxifahrer mit fließendem Schwäbisch ("I han bei de Schtuttgartr Verkehrsbetriebe gschafft!") fuhr uns in unser noch im Rohbau befindliches Hotel. Unser Gepäck stand einen Tag später plötzlich dort im Foyer.....

Beiträge unserer Leser - keine Meinungsäußerung der Redaktion.

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