Unterschiedliche Ticketpreise im Flugzeug Billiger als der Nachbar

Gleiche Sitzreihe, doch das Ticket kostet das Vielfache: Warum Ihr Sitznachbar im Flieger so viel weniger für seinen Flugschein bezahlt hat und wie Sie künftig auch so günstig buchen können.

Von Daniela Dau

Zwei Sitznachbarn im Flugzeug kommen ins Gespräch. Sie reden über den Komfort an Bord, die Freundlichkeit des Personals, die Qualität des Essens und irgendwann auch über Geld. Da sinkt die Laune bei einem Passagier: Während sein Nachbar zum Schnäppchenpreis unterwegs ist, hat er selbst einen vielfach höheren Betrag bezahlt - obwohl beide Economy fliegen.

So kann ein Hin- und Rückflug mit Lufthansa auf der Strecke von München nach Amsterdam im Economy-Flex-Tarif bis zu 879 Euro kosten, die günstigste Variante dagegen nur 129 Euro (Stand: Juni 2012). Dafür verantwortlich ist das sogenannte Yield-Management der Fluggesellschaften: Die dynamische Preis-Mengen-Steuerung soll dafür sorgen, dass Flugzeuge auch bei schwankender Nachfrage optimal ausgelastet sind und mit maximalem Ertrag fliegen.

Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass Yield-Management-Systeme funktionieren, eines der Zauberworte aber lautet "Kontingentierung". Die Sitzplätze an Bord werden in unterschiedlich teure Beförderungsklassen unterteilt, in der Regel First, Business und Economy Class. Aber auch innerhalb dieser Klassen gibt es Kontingente mit unterschiedlich hohen Tarifen, zum Beispiel für Geschäftsreisende, die auch höhere Preise in Kauf nehmen; für Frühbucher, die mit günstigen Preisen gelockt werden oder für Last-Minute-Bucher, die für ihre spontane Entscheidung mit Billig-Tickets belohnt werden.

Der Zeitpunkt ist entscheidend

Mittels Prognosemodellen und auf der Grundlage von Buchungsdaten der vergangenen Jahre ermitteln Computer, wie sich die Nachfrage entwickeln wird, je näher der Abflug rückt. Daran passen sie das Preisgefüge an. Vorne, hinten, in der Mitte: Wo der Sitzplatz ist, spielt keine Rolle. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Buchung. Ist ein Kontingent ausgeschöpft, wird automatisch das nächstteurere angeboten. So kommt es, dass sich Ticketpreise manchmal von einer Stunde zur anderen verändern.

Aber nicht nur die Nachfrage berücksichtigen die Computer bei der Preisgestaltung. Fallen bei der Konkurrenz Flüge aus, zum Beispiel wegen Insolvenz einer Airline, wirkt sich das verringerte Angebot im Markt auf die Ticketpreise aus - sie steigen.

Auf die Pleite eines Konkurrenten zu warten, ist für Fluggesellschaften aber auch Online-Buchungsportale natürlich nicht sinnvoll. Sie haben geschickte Marketing-Strategien entwickelt, um die Kaufentscheidung frühzeitig zu beeinflussen. "Nur noch wenige Plätze vorhanden" blinkt neben der scheinbar günstigsten Ticketvariante und suggeriert: Wenn du nicht gleich buchst, wird es auf jeden Fall teurer. "Überprüfen kann man das leider nicht", sagt Falk Murko, der für Stiftung Warentest Online-Buchungsmöglichkeiten getest hat. "Da es aber immer häufiger auch bei langfristigen Buchungen auftaucht, liegt der Verdacht nahe, dass dies als Kaufanreiz genutzt wird."

Die besten Plätze im Flugzeug

mehr...