Das Jahr über eher fein und diskret explodiert die Stimmung im Frankfurter Hof zur Buchmesse. Hier ist selbst der Congierge leidenschaftlicher Leser.
Wie Heuschrecken - geliebte, gelobte - fallen sie über Frankfurt her. Einmal im Jahr, im Herbst, eine knappe Woche lang. Sie lärmen, drängeln, schnattern, plappern. Sie fressen und saufen, kaufen und verkaufen. Sie versetzen die Stadt in einen Rausch.
Altertümliche Baupracht von außen, opulente Feiern im Inneren: Der Frankfurter Hof ist Treffpunkt der Buchmesse. (© Foto: Frankfurter Hof)
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Das, wovon sie hauptsächlich überleben, bringen sie selbst mit. 300.000 Bücher diesmal. Buchmesse nennt sich der Überfall zurückhaltend. In Frankfurt findet er, stärker als je zuvor, zum 60. Mal statt. Wenig bescheiden protzen die Veranstalter: "Die weltweit größte Medienmesse erwartet zum Jubiläum viel Prominenz." Die Stadt der großen Banken ist vom 15. bis zum 19. Oktober Welthauptstadt der Literatur.
Die Hauptstadt braucht einen Regierungssitz. Er ist leicht zu finden. Es ist ein Hotel, seit Jahren. Das Getümmel dauert ja nicht ewig. Da mietet sich, auch weil sie sich die phantastischen Preise leisten kann, die Elite für ein paar Tage ein. Die Prominenz der Buchheuschrecken muss schließlich zwischendurch auch mal schlummern.
Hauptstadt der Weltliteratur
Es ist das Steigenberger Hotel mit dem treffenden Namen "Frankfurter Hof". Am Kaiserplatz. Wo denn sonst? Es gibt Buchmenschen, die logieren dort regelmäßig seit mehr als 30 Jahren. Sozusagen im Herzen der Messe. Wo ein Großteil ihrer Energie produziert wird.
Auf das Gelände mit dem spitzen Turm, wo die Bücher und von Jahr zu Jahr mehr neue Medien im Gedrängel zu sehen sind, marschieren die Besucher. In den "Frankfurter Hof", wo das Gedrängel abends noch weit bombastischer seinen Lauf nimmt, wallfahren die Kenner, die Spezialisten und Prominentengeilen. Schließlich jagt dort nächtlich eine Festivität die nächste. Das kann schon mal bis sieben Uhr morgens gehen.
Tage vor dem Rummel herrscht in dem Hotel, das von außen betrachtet mit altertümlicher Baupracht prunkt, noch fein-diskrete Ruhe. Buchferne Wirtschaftsprominenz schreitet dezent durch die Gänge, als wären es Flure in Vorstandsetagen. Auch der Betrieb im Barbereich - er trägt den hoffnungsseligen Namen "Autorenbar" - ist stille. Noch.
Das mag bei jeglichem Messebetrieb anders sein. Während der Buchmesse jedoch explodiert hier die Stimmung. Da sollte der Besucher kerngesund sein. Wer es erlebt hat, wird so schnell nicht vergessen, wie lebenslustig die großen Nasen der Schreibekunstwelt Hof, Frankfurter Hof halten.
Die Buchmesse an diesem Ort ist eine einzige wilde Fete, logischer Endpunkt eines langen Tages: Erst müssen die Autoren, Medienleute und Verlagsmenschen in den Messehallen auf ihre Bücher anstoßen, dann wird weitergefeiert auf diversen Empfängen, Abendessen und Verlagspartys, und am Ende, weit nach Mitternacht, trinkt man ein letztes und ein allerletztes Glas - im Frankfurter Hof.
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