Unterkünfte in Dubai Wo die freien, aufgeschlossenen Geister wohnen

Vor kurzem hat in Dubai das höchste Hotel der Welt eröffnet - ein weiterer Luxusort im Emirat der Superlative. Aber hier geht es auch bodenständig zu: in der einzigen Jugendherberge.

Von Jochen Temsch

Bier? Aber natürlich nicht! Sayed Kamal schaut seine Gäste verwundert an. Das können die sich doch denken, dass es hier keinen Alkohol gibt. Getrunken wird nur in den großen Hotels. Und das hier ist eine Jugendherberge! Die einzige Jugendherberge Dubais. "Ich kann Ihnen aber etwas Ähnliches anbieten", sagt Kamal. Er kommt hinter dem Schalter vor, an dem er die Gäste seriös in hellblauem Hemd mit breiter Krawatte empfängt, und öffnet einen mannshohen Kühlschrank. Dieser stellt in Kombination mit einer Resopaltheke und einem Stilmix aus Holzstühlen, Ledersesseln und PC-Terminals den Barbereich des Hostels dar.

Von der Theke aus hat man die ganze Lobby im Blick: einen hohen Raum, dessen Marmorboden das Neonlicht reflektiert. Neuankömmlinge werden mit einer Bordüre aus Wimpeln in den Farben der Vereinigten Arabischen Emirate, großformatigen Porträts der regionalen Herrscher sowie der Skulptur eines sich aufbäumenden Hengstes beeindruckt. Kamal bringt zwei grüne Flaschen zum Vorschein. Sie sehen zumindest aus wie Bier; was drin ist, schmeckt nach flüssigen Erdbeeren. Einen 100-Dirham-Schein, umgerechnet etwa 20 Euro, kann Kamal dafür nicht annehmen - er hat nicht so viel Wechselgeld.

Im Übermorgenland

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Keine zehn Minuten hat die Fahrt vom Flughafen hierher gedauert, und schon ist man mittendrin in einem Dubai, wie man es eher nicht erwartet. Das Emirat, in dem das Geld offenbar nicht ausgeht, das Übermorgenland, wo die höchsten Gebäude der Welt in den Himmel schießen und die größten Shopping Malls stehen, wo an den Hotelportalen schon mal sieben Sterne prangen und der Sand vor der Küste zu künstlichen Welten aufgeschüttet wird - hier an der Al Nahda Road, Hausnummer 39, ist es weniger phantastisch. Dafür sympathisch bodenständig.

Von außen hat die Unterkunft einen eher herben Charme. Und sie ist besonders verkehrsgünstig an einer sechsspurigen Straße gelegen. Darüber wölbt sich das Hochgleis der Metro. Der Flughafen ist hörbar nah. Das Haupthaus ist ein funktionaler Klotz, der früher das Ministerium für Kultur und Jugendpflege beherbergte. Blaue Leuchtstoffröhren tauchen die Fassade in stimmungsvolles Licht. Ein Frangipani-Baum erfüllt den ganzen Parkplatz mit dem süßlichen Duft seiner weißen Blüten. Die Zimmer sind äußerst sauber, verfügen teils sogar über Flatscreen-Fernseher und Kühlschränke. Bodenfliesen, Wandfarben, Bettdecken und Handtücher sind farblich aufeinander in lieblichen Pastelltönen abgestimmt. Vor allem aber hilft die Freundlichkeit von Sayed Kamal und seinen Kollegen, dass man sich hier schnell wohlfühlt.

"Ich wollte eigentlich nur zwei Tage bleiben, habe dann aber verlängert", sagt Chrystiona O'Sullivan, die gerade ihre E-Mails an der Bar liest. Sie stammt aus Los Angeles und ist alleine auf Weltreise, um über ihre Scheidung hinwegzukommen. Als Nächstes steht Mumbai auf ihrem Plan. "In Jugendherbergen gibt es viel mehr freie, aufgeschlossene Geister als in Luxushotels, man kommt leichter in Kontakt", sagt sie, "genau das brauche ich."

Nicht, dass man im neuesten Luxushotel der Stadt lange alleine herumstehen würde. Kaum betritt man das JW Marriott Marquis an der Sheikh Zayed Road im Business District, wird man von einer Angestellten begrüßt und zu einem der vielen Check-in-Schalter begleitet. Aber das ist dann eher eine routinierte Freundlichkeit. Hier herrscht gediegene Effizienz. Der in Schwarz durchgestylte Empfangsbereich mit gelblich leuchtenden Wänden aus Alabaster hat die Ausmaße einer Airport-Schalterhalle. Vielleicht eine Referenz an die Eigentümerin des Gebäudes, die Fluglinie Emirates.

Auch hier gibt es neben der Lobby eine Bar, und schon die bunten Flaschen in den Regalen, von hinten beleuchtet und meterhoch die Wand emporgezogen wie die Fenster einer Kathedrale, signalisieren, dass hier nicht gerade tiefgestapelt wird: In den 72 Stockwerken des Hotels gibt es 1608 Zimmer und Suiten mit bis zu 600 Quadratmetern, dazu ein Dutzend Restaurants, Bars, Lounges und Ballsäle, ein Business Center mit Konferenzräumen, Büros und Raucherbalkonen. Das Ganze ist aufgeteilt in zwei palmenförmige Türme, je 355 Meter hoch - laut Guinnessbuch das höchste Hotel der Welt, wenn man nur Wolkenkratzer berücksichtigt, die komplett von einem Hotel belegt sind. Ein Turm wurde im Februar eröffnet, der andere soll Ende 2014 bezugsfertig sein.

Nur die Aussicht gibt es gratis

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Das ist das Dubai, wie man es erwartet. Das Dubai, in dem niemand mehr von der Wirtschaftskrise redet. Die neuesten Pläne folgen dem alten Höhenflug: 588 Hotels mit rund 77.000 Zimmern gibt es bereits, noch bis zum Ende dieses Jahres sollen 11.000 Zimmer dazukommen. Nur Europäer können sich noch darüber wundern, wer all die Betten belegen soll. Längst zählen auch Chinesen, Lateinamerikaner sowie Besucher aus dem Mittleren Osten und den aufstrebenden Ländern Afrikas zu den umgarnten Zielgruppen. Laut offiziellen Angaben sind die Hotels zu 80 Prozent ausgelastet. Zehn Millionen Besucher kommen jährlich ins Emirat - doppelt so viele wie noch vor acht Jahren.