Unruhen in der arabischen Welt Aufruhr im Urlaubsparadies

Ägypten, Libanon, Jemen: Nach dem Regierungssturz in Tunesien weiten sich die Unruhen in den arabischen Ländern aus. Was bedeutet das für Urlauber? Was rät das Auswärtige Amt?

Ein Überblick. Von Jassien Kelm

Ägypten

Auch wenn in den großen Städte neue Massenproteste angekündigt worden sind, blieben die Tourismusregionen Hurghada, Marsa Alam, Scharm el-Scheich und Luxor von den Unruhen bisher verschont.

Position des Auswärtigen Amtes (AA): Das AA beobachtet die Lage mit Sorge, spricht derzeit aber keine Reisewarnung für Ägypten aus. Eine Neubewertung der Sicherheitslage solle nicht vorgenommen werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Proteste sich nicht gegen Touristen richten. Reisenden wird "dringend empfohlen", Menschenansammlungen und Demonstrationen zu meiden und die örtliche Berichterstattung aufmerksam zu verfolgen. Wie bei allen Sahara-Anrainern warnt das AA wegen grundsätzlicher Entführungsgefahr vor Ausflügen in abgelegene Wüstengebiete.

Tourismus: Ägypten ist neben der Türkei eines der Hauptreiseziele deutscher Billigurlauber: Jährlich verbringen 1,2 Millionen Deutsche ihren Urlaub in dem Land. Dabei entfällt das Gros der Reisebuchungen auf die klassischen Urlaubsregionen am Roten Meer.

Die großen Reiseveranstalter verzeichnen nach eigenen Angaben keine Stornierungs- oder Rückreisewünsche von Urlaubern "über das normale Maß hinaus". Angesichts der Unruhen haben mehrere deutsche Reiseveranstalter am Freitag wieder Ausflüge nach Kairo gestrichen. Dazu gehören Thomas Cook/Neckermann und die Rewe Touristik. Über das Ausflugsprogramm werde derzeit von Tag zu Tag entschieden, sagte Nina Kreke von Thomas Cook in Oberursel. Der Veranstalter will Ausflüge in die ägyptische Hauptstadt frühestens wieder am Montag, den 31. Januar, anbieten. Für das Wochenende seien ohnehin keine Ausflüge geplant gewesen. Die Rewe Touristik - ITS, Jahnreisen und Tjaereborg - hat bis einschließlich 4. Februar alle Tagesausflüge nach Kairo und Alexandria ausgesetzt .

Achtung: Derzeit bieten die Reiseveranstalter ihren Kunden noch keine kostenlosen Stornierungen oder Umbuchungen an. Sobald das AA eine Reisewarnung ausspricht, sind sie jedoch rein rechtlich dazu verpflichtet. Dies gilt grundsätzlich für jedes Land.

Tunesien

Aktuelle Lage: Seit dem Sturz der Regierung und der Flucht von Ex-Präsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar hat sich die Lage in Tunesien entspannt. Noch immer gibt es Demonstrationen und Streiks, die sich nun gegen Mitglieder der früheren Regierungspartei richten. Die Übergangsregierung steht vor ihrer Umbildung. Der am 14. Januar ausgerufene Ausnahmezustand ist noch immer in Kraft. Im gesamten Land gilt zwischen 20:00 Uhr und 5:00 Uhr eine allgemeine Ausgangssperre.

Position des Auswärtigen Amtes: Das AA rät trotz landesweiter Beruhigung der Lage von "nicht unbedingt erforderlichen Reisen" nach Tunesien ab und rechnet mit weiteren Protesten. Jedoch wird auch hier explizit darauf hingewiesen, dass "Ausländer und Touristen nicht das Ziel der Ausschreitungen" seien. Größtmögliches umsichtiges Verhalten wird empfohlen.

Tourismus: Jährlich reisen knapp 500.000 deutsche Urlauber in das Mittelmeerland, deren vornehmliches Ziel Küstenorte wie Hammamet, Sousse, Monastir oder die Insel Djerba sind. Der Tourismus zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen des Landes, das auch wegen der befürchteten Ausfälle bemüht ist, die Lage zu stabilisieren. Der Reiseveranstalter TUI bietet bis zum 14. April kostenlose Umbuchungen für Tunesienurlauber an. Nach wie vor muss mit Einschränkungen im Flugverkehr gerechnet werden.

Jemen

Aktuelle Lage: Am Donnerstagmorgen haben in mehreren Vierteln von Jemens Hauptstadt Sanaa Tausende Oppositionelle demonstriert. Bei einer Demonstration in der Nähe der Universität forderten 10.000 Menschen den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Proteste blieben bislang friedlich.

Position des Auswärtigen Amtes: Unabhängig von der aktuellen Lage rät das AA wegen des permanent hohen Entführungsrisikos, ständig neu aufflammender Stammeskonflikte und des Risikos terroristischer Anschläge grundsätzlich von Reisen in den Jemen ab. Vor Einzelreisen über Land und vor Reisen in die Regionen Ma'rib und Sa'ada (einschließlich angrenzender Bezirke), Abyan, Al-Jawf, Shabwa und Hadramaut wird ausdrücklich gewarnt.

Tourismus: Der Fremdenverkehr im Jemen ist in den vergangenen Jahren aufgrund der politischen Lage und der zahlreichen Entführungen nahezu zum Erliegen gekommen. Pro Jahr besuchen nur noch einige tausend westliche Touristen das Land, der Jemen gilt inzwischen als inoffizielles Hauptquartier von al-Qaida.

Libanon

Aktuelle Lage: Am Donnerstag teilte die Armee mit, dass alle Straßen wieder geöffnet und Soldaten an verschiedenen Krisenpunkten stationiert seien. Vorausgegangen war der Rücktritt zahlreicher Minister aus dem Kabinett von Ministerpräsident Saad al-Hariri am 12. Januar, was zum Regierungssturz führte. Wie die Bildung einer neuen Regierung aussehen könnte, war daraufhin unklar. Am Dienstag sicherte sich die Schiitenpartei Hisbollah schließlich die Mehrheit des libanesischen Parlaments, woraufhin es in dem fragilen Vielkonfessionenstaat in zahlreichen Orten zu gewaltsamen Protesten von Sunniten kam - darunter auch in der Hauptstadt Beirut und in Tripoli. Die Demonstrationen richten sich gegen den neuen Regierungschef Nadschib Mikati, das Militär riegelte zeitweise Straßen ab.

Position des Auswärtigen Amtes: Bei Reisen in den Libanon wird zu erhöhter Vorsicht geraten. Das AA rät dringend ab vor Reisen in den Nordlibanon, die Bekaa-Ebene nördlich von Baalbek und zu den südlich von Baalbek gelegenen Orten Majdel Anjar, Ghaze, Qaraun, Bar Elias, Talabaya, Sednayel und Britel, sowie in die Gebiete südlich des Litani (mit Ausnahme der Stadt Tyros / Sur), in die südliche Bekaa-Ebene und in das Grenzgebiet zu Israel.

Tourismus: Der Fremdenverkehr ist durch ständige innenpolitische Konflikte sowie den Libanonkrieg 2006 stark beeinträchtigt. Die deutsche Botschaft in Beirut kann kurzfristig Empfehlungen zu Besuchszeitraum und -ort geben. Informationen sind auch auf der Website der Botschaft unter www.beirut.diplo.de zu finden, die laut AA im Krisenfall ständig aktualisiert wird.

Gespannte Stimmung am Freitag des Zorns

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