Umfrage unter Flugbegleitern So nervig, diese Passagiere

Der eine schnipst mit dem Finger nach mehr Tomatensaft, der andere wirft mit Müll um sich, der nächste will einfach nicht sitzen bleiben: Welche Unarten und Sonderwünsche die Kabinencrew besonders stören.

Von Katja Schnitzler

In der Schule waren Fingerschnipser bei den meisten Mitschülern schon nicht allzu hoch angesehen, aber damals war wenigstens der Grund für ihr Heischen um Aufmerksamkeit ein anderer. Daher sind Fingerschnipser im Flugzeug zu Recht noch unbeliebter als damals die Streber in der ersten Reihe: Wortloses, womöglich noch lächelfreies Herbeischnipsen von Flugbegleitern ist unhöflich und respektlos. Das sehen nicht nur andere Fluggäste, sondern vor allem die Mitglieder der Kabinencrew so. Für die Flugbegleiter sitzt der perfekte Passagier übrigens nicht in der First oder Business Class, prominent ist er bitte auch nicht: Sie versorgen lieber einen männlichen Reisenden im Economy Bereich.

Dieser sollte nicht geschäftlich unterwegs sein, sondern allein und gut gelaunt in den Urlaub fliegen. Ach ja, ein Alter zwischen 30 und 39 Jahren wäre auch schön. Ein Passagier diesen Formats ist nach einer Umfrage des Reiseportals Skyscanner unter 700 Flugbegleitern aus 85 Ländern am leichtesten zu handhaben - und am nettesten. Dem perfekten Passagier würde niemals einfallen, sich wie andere Fluggäste daneben zu benehmen.

Bei der Umfrage haben sich die Crewmitglieder darüber auslassen, was sie besonders an Passagieren nervt:

1. Auf den unerfreulichen ersten Platz schaffte es das herablassende Fingerschnipsen (26 Prozent der Befragten fanden dies unter aller Würde).

2. Nach jeder Landung gibt es Menschen, die darauf hoffen, vielleicht diesmal das Gate noch vor dem Flugzeug zu erreichen: Sie springen hoch, reißen das Gepäckfach auf, stoßen dabei ihre Sitznachbarn und gefährden sich selbst. Schließlich fährt das Flugzeug nicht im Schritttempo über den Flughafen. Und das alles, während die Anschnallzeichen noch leuchten. (13 Prozent der Flugbegleiter ringen bei diesem Anblick um Fassung.)

3. Manche Passagiere scheinen sich einen Sport daraus zu machen, möglichst viel Handgepäck an Bord zu schleppen und die Größenvorgaben der Airlines mit prall gefüllten Jacken auszuhebeln. Leider passt das alles nicht in das Gepäckfach. Es wird gestopft und gedrückt und zerdrückt, was knitterfrei bleiben sollte. (Elf Prozent der Befragten können da nicht zuschauen.)

4. Aus dem Problem "Zu viel Gepäck für ein zu kleines Fach" resultiert der nächste nervtötende Faktor (für zehn Prozent kaum auszuhalten): Nun beschweren sich die Passagiere beim Personal, dass viel zu wenig Platz für ihr Handgepäck vorgesehen ist.

5. "Wir wünschen allen Passagieren, die zugehört haben, einen guten Flug - und den anderen viel Glück", beendete eine Flugbegleiterin die Sicherheitsvorführung. Dass nicht alle gebannt auf den Plätzen sitzen und den Tipps für den Notfall lauschen, ist der Kabinencrew klar. Dass aber einige ungeniert und laut während den Sicherheitshinweisen weiterreden, finden neun Prozent unerhört.

6. Manche Passagiere können nie genug bekommen, und wir reden diesmal nicht vom Essen: Sie wollen am besten gleich beim Einsteigen mehr Komfort, und zwar in Form von mehr Kissen und mehr Decken. Auf Flughöhe soll es ja sehr frostig sein. (Acht Prozent der Flugbegleiter halten dies für die nervigste Passagier-Eigenschaft.)

7. Dann gibt es noch die Schmutzfinken, die ihren Platz niemals so verlassen, wie sie ihn vorzufinden wünschen: Sie nutzen die Sitztaschen als willkommenen Mülleimer. Spätestens vor dem Aussteigen durchwühlen sie nochmal ihr Handgepäck nach Wegwerfbarem - eine Angewohnheit, die sieben Prozent der Flugbegleiter stinkt.

8. "Ich will etwas anderes essen", fordern manche Passagiere, je nach Airline vielleicht bisweilen zu Recht. Damit gehen sie sechs Prozent der befragten Flugbegleiter auf die Nerven, ebenso mit Klagen über die Temperatur (wahlweise zu kalt oder zu warm).

9. Auch mit diesem Satz kommen Sie nicht gut an (zumindest bei vier Prozent der Crew): "Ich trinke aber nur ..." Statt der Pünktchen setzen Sie eine bekannte Getränkemarke ein.

Nur eines ist seltsam: Dass offenbar kein Flugbegleiter allzu große Probleme mit betrunkenen Passagieren hat. Vielleicht, weil die Kabinencrew an der Quelle sitzt und damit den Alkoholpegel der Fluggäste beeinflussen kann: Sobald man zumindest ein wenig Kontrolle über die Dinge hat, sind sie meist gar nicht mehr so schlimm.

Nicht nur der Crew, auch den Passagieren kommt vieles seltsam an ihren Mitreisenden vor: Eine Auswahl an unvergesslichen Erlebnissen finden Sie hier.