Von Christian Mayer

Viele Kunden stornieren ihre Flüge in islamische Länder. Fluggesellschaften und Veranstalter kämpfen mit Einbußen.

(SZ vom 2.10.2001) - Die Angst vor weltweiten Terroranschlägen hat für Touristen und Reiseveranstalter erhebliche Konsequenzen. Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen in 15 Staaten; für Thailand oder Indonesien gibt es verschärfte Sicherheitshinweise. Viele Kunden, die vor dem 11. September Flüge in islamische Länder gebucht hatten, haben ihre Reisen storniert. Die Fluggesellschaften kämpfen mit Einbußen im zweistelligen Bereich.

Die Stornierungswelle der USA-Reisen scheint sich zu normalisieren. Flüge in den östlichen Mittelmeerraum bleiben rückläufig. (© )

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Noch halten sich die Verluste bei den Reiseveranstaltern in Grenzen; die angekündigte Vergeltungsaktion der Amerikaner gegen die Taliban-Regierung könnte die Situation aber noch einmal verschärfen. Im erst gestern aktualisierten Sicherheitshinweis für Thailand warnt das Auswärtige Amt erstmals davor, die südlichen Provinzen des Königreichs zu besuchen, wo die Bevölkerung mehrheitlich muslimisch ist und Anschläge extremistischer Gruppen nicht auszuschließen seien. Ansonsten gebe es "keinen Anlass, von Thailand-Reisen abzuraten".

Bereits jetzt verzeichnet die arabische Fluggesellschaft Emirates Airlines, die von München nach Bangkok fliegt, zahlreiche Stornierungen. Der Grund: Viele Kunden wollen den Zwischenstopp in Dubai am Persischen Golf umgehen. "Größere Einbrüche gibt es auch bei Buchungen nach Indonesien", berichtet Habib Kandemir von Travel Overland.

Robert Kaufmann, Geschäftsführer von Helios Reisen, will seine Veranstaltungen in islamischen Staaten wie dem Libanon, Syrien, Jordanien oder Ägypten nicht absagen. Dennoch muss sein Unternehmen umdisponieren: Die geplante Aufführung der Oper "Aida" in Kairo Mitte Oktober ist von der ägyptischen Regierung nach den Terroranschlägen abgesagt worden. Die Kulturreise "Faszination Orient" hat Kaufmann vor längerer Zeit aus dem Programm genommen, weil Israel und die Palästinensergebiete zu gefährlich für Touristen sind.

Der Trend geht nach Griechenland

Die meisten Stornierungen gab es im September bei USA-Reisen. Bei der Tui Reisecenter GmbH wurden zeitweise bis zu 50 Prozent der Reisen nach New York abgesagt; inzwischen habe sich die Lage "normalisiert". Flugbuchungen in den östlichen Mittelmeerraum sind aber immer noch rückläufig, sagt Pressesprecher Robin Zimmermann.

Als Ersatzziele bevorzugen viele Kunden die Ägäis oder Spanien. Bis Ende Oktober seien fast sämtliche Flüge von München nach Griechenland ausgebucht, sagt Birgit Werkle von der Agentur Attika. Auch Südafrika oder Lateinamerika steigen in der Gunst der Urlauber - wenn sie sich überhaupt zu einer Flugreise entschließen.

Angst ist kein Grund für Rücktritt

Die Angst vor Anschlägen ist indes kein hinreichender Grund, Reisekosten erstattet zu bekommen, sagt Claudia Hoffmann von der Europäischen Reiseversicherung in München. Nicht einmal dann, wenn sich die Krise im Mittleren und Nahen Osten zuspitzt. "Sollte etwa Ägypten auf die Liste gefährlicher Staaten des Auswärtigen Amtes gesetzt werden, dann müssten die Veranstalter handeln", ergänzt Hoffmann.

Rechtlich gebe es keinerlei Anspruch auf kostenlose Umbuchung oder Stornierung. Die Kunden seien auf die Kulanz der Reisebüros und Fluggesellschaften angewiesen. Konnten USA-Flüge nach den Anschlägen bis Ende September in der Regel kostenlos umgebucht werden, so werden seit gestern wieder Stornogebühren erhoben: Sie liegen je nach Zeitpunkt der Absage zwischen zehn und vierzig Prozent.

Ski-Marshalls für mehr Sicherheit an Bord

Zumindest die Fluglinien haben auf das neue Sicherheitsbedürfnis der Kunden reagiert. Seit einigen Tagen werden auf Flügen der Lufthansa speziell geschulte und mit Gummigeschossen und Elektropfeilen ausgerüstete Sicherheitskräfte - so genannte Sky Marshalls, die sich aus den Reihen der Eliteeinheit GSG9 rekrutieren sollen - eingesetzt. Allerdings sei eine komplette Überwachung aller 1850 Flüge, die pro Woche von München aus starten, nicht möglich, so Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger.

Wichtig sei es, Terroristen abzuschrecken. Wegen der strengen Kontrollen sei es nun nötig, bis zu drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, um den Sicherheits-Check zu passieren. Am Münchner Airport läuft der Flugverkehr wieder weitgehend nach Plan. Die tägliche Delta-Verbindung München-New York ist ersatzlos gestrichen. Und Lufthansa bietet die Verbindung Frankfurt - Los Angeles - München nur noch drei Mal wöchentlich an statt wie bisher täglich.

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