Tourismus und Terror Barcelonas Rambla - kein Terrorziel war internationaler

Die Flaniermeile Barcelonas an einem unbeschwerten Augusttag (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Spanien erlebt seit Jahren Besucherrekorde, auch weil viele Reisende politische Wirren und Terroranschläge anderswo fürchten. Nun aber ist auch Barcelona getroffen.

Von Oliver Meiler

La Rambla - wahrscheinlich gibt es keinen Ort in Barcelona, der den Einheimischen fremder geworden ist als die schöne, leicht abschüssige, von dichten Platanen gesäumte, durch und durch touristische Flaniermeile im alten Zentrum ihrer Stadt, diese feine Trennlinie zwischen den historischen Vierteln Gótico und Raval. Es beginnt schon beim Namen: Für die Einheimischen ist sie "La Rambla", Einzahl, obschon es noch andere gibt in der Stadt.

Ausländische Besucher nennen sie "Las Ramblas", im Plural. Das ist nicht falsch, denn sie besteht ja aus mehreren Abschnitten mit je eigenen Bezeichnungen: Rambla de Canaletas ganz oben, dann Rambla de los Estudios, so geht es weiter bis ganz unten, zur Rambla de Santa Mónica. Aber es ist halt nicht dasselbe.

Im Sommer gehört die Straße ganz den Touristen

Im Sommer, wenn sich jeden Tag 350 000 Menschen die Promenade hinauf- und hinabdrängen, wie in einem Sog, vorbei an Blumenläden und Souvenirständen, bedrängt von Lockvögeln aus den nahen Cannabisclubs und von pakistanischen Ramschverkäufern, hört man da nur selten Katalanisch. Kein Einheimischer verabredet sich an der Rambla. Die Ramblas gehören dann ganz den Touristen.

Kein Terrorziel war deshalb internationaler, keines symbolischer als dieses belebte, spazierbare Wahrzeichen. Die Katalanen sagen jetzt: "Die Rambla ist unser Times Square." Das wussten die Terroristen, sie konnten sich der globalen Wirkung der Bilder gewiss sein.

Ihr Anschlag trifft jenen Wirtschaftszweig, der in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen ist, nämlich den Fremdenverkehr. Der wuchs selbst dann noch, als alles andere darniederlag. Im Rückblick wird immer deutlicher, dass Spanien die tiefe Wirtschaftskrise vor allem deshalb einigermaßen schnell überwunden hat, schneller jedenfalls als andere Länder Südeuropas, weil sein Tourismus seit 2012 Rekord an Rekord reiht.

Für 2017 sagen Studien 84 Millionen ausländische Besucher voraus, das wären noch einmal fast neun Millionen mehr als im Vorjahr. Der Tourismussektor macht mittlerweile 11,2 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft aus. Spanien profitierte bisher davon, dass viele Briten, Deutsche und Franzosen (die Reihenfolge entspricht den Zahlen) nicht mehr nach Ägypten, Tunesien und in die Türkei fuhren, weil sie die politischen Wirren dort fürchteten - und Terroranschläge.

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Diese Anziehungskraft zeitigte aber auch unwillkommene Nebeneffekte, gerade in den touristischen Zentren. Und Barcelona ist von allen Reisezielen Spaniens das beliebteste. Es steht nicht nur für Gaudì, den katalanischen Architekten, sondern auch für Gaudi ohne Akzent und viel Alkohol: für Partys an den Stränden, für Junggesellenabschiede.

Rund um die Rambla gibt es mittlerweile immer mehr halb legale bis illegale Touristenwohnungen, in denen die junge Kundschaft unterkommt. Die Preise für normale Mietwohnungen sind explodiert, der Lärm in den Gassen ist unerträglich geworden. Vielen Einheimischen kommt es so vor, als nehme man ihnen ihre Stadt weg.

In den vergangenen Wochen hatte es deshalb immer wieder kleinere Sabotageakte gegen Touristen gegeben: eine Sprayattacke auf einen Bus für Stadtrundfahrten, aufgeschlitzte Reifen, eine Menschenkette, um den Badegästen den Weg zum Meer zu versperren. Solche Sachen.

Dann aber kamen Terroristen, zum Töten.

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