Tourismus Neues altes Reiseziel Iran

Iranische Touristen auf dem Naqsh-e-Jahan-Platz in Isfahan. Schon bald werden auch mehr Besucher aus dem Ausland kommen.

(Foto: Bloomberg)
  • Iran boomt als Reiseziel - Veranstalter wie Gebeco und Studiosus verzeichnen einen Touristen-Ansturm.
  • Mit der Aufhebung der Sanktionen wird sich diese Entwicklung noch verstärken.
Von Katja Riedel, Isfahan

"Hello-welcome-how-are-you!", schallt es wie ein Schlachtruf über den Meidan-e Emam in Isfahan, einen der größten und schönsten Plätze der Welt. Menschen mit für iranische Verhältnisse zu bunter Kleidung und schlecht sitzenden Kopftüchern nähern sich der Moschee, vor der die Schulkinder sitzen.

Es sind keine Prominenten, die zwischen all den Zauberbauwerken entlanglaufen, es sind einfache Touristen aus Deutschland. Und die erleben, was zu jedem Iranbesuch gehört: selbst Attraktion zu sein. Diesmal sind es gleich mehrere Schulklassen, die rhythmisch rufen, klatschen und um Selfies mit den Gästen aus dem Westen bitten.

Eine Reise nach Iran ist kein bequemer Ausflug

Noch ist Iran ein eher exotisches Reiseziel. Noch sind Touristen für die Iraner etwas Besonderes, sie sind ein Versprechen, dass es aufwärts gehen soll mit ihrem Land. Ein Versprechen, dem sie mit überwältigender Freundlichkeit die Arme öffnen. So nett das klingt: Eine Reise nach Iran ist kein bequemer Ausflug, es ist ein Land, das den Reisenden strenge Regeln abverlangt. Auch Touristinnen müssen Kopftuch tragen, dazu Kleidung, die die Körperkontur verhüllt.

Es ist nicht die einzige Einschränkung in einem Land, in dem es viele Unfreiheiten gibt. Wer im Bus über die kleinen und großen Straßen durch das Land fährt, wird viele Male am Tag an Polizeistationen halten müssen. Ein Glas Wein zum Abendessen oder ein kühles Bier sind auf legalem Weg nicht zu bekommen, das Alkoholverbot der Islamischen Republik gilt auch für Besucher.

Und dennoch ist so etwas wie ein Boom des Reiselandes zu verzeichnen. Der begann bereits 2013, mit der Wahl des neuen Staatspräsidenten Hassan Rohani. Die Neuentdeckung des Reiselandes hat nicht nur mit Iran selbst zu tun, sondern auch damit, dass der umstrittene Staat, verglichen mit anderen in der Region, als relativ sicher gilt.

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Die Nachfrage sei "förmlich explodiert", sagt Ury Steinweg, Geschäftsführer des Studienreisen-Anbieters Gebeco. Zahlen nennt Konkurrent Studiosus. Dort buchten 2015 2652 Teilnehmer eine Iranreise. 2013 waren es gerade einmal 523. Die Nachfrage ist bei allen großen Anbietern stark gestiegen, sie haben deshalb zuletzt immer mehr Reisen in ihre Programme aufgenommen und die Reisezeiten auf den Spätherbst ausgedehnt, in dem Iran golden leuchtet wie der Indian Summer, es aber selbst in der Wüstenregion schon bitterkalt sein kann.