Tourismus in den USA Trump verschreckt Touristen

Touristen auf der Brooklyn Bridge in New York - wie viele kommen wegen der Politik erst gar nicht?

(Foto: AFP)

Die fetten Jahre für die US-Reisebranche scheinen erst einmal vorbei. Als Auslöser gilt nicht nur der starke Dollar, sondern auch die aggressive Politik.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Shoppen in New York, Zocken in Las Vegas, Surfen auf Hawaii: Das klingt nach einem interessanten Urlaub, und lange sind die Vereinigten Staaten tatsächlich das Land der unbegrenzten Reisemöglichkeiten gewesen. Touristen aus dem Ausland sind gut fürs Geschäft, und wenn etwas gut fürs Geschäft ist, dann ist es meistens ziemlich beliebt in den USA. Im vergangenen Jahr setzte die amerikanische Tourismusbranche mehr als 250 Milliarden Dollar mit Gästen aus anderen Ländern um. Die fetten Jahre sind jedoch, das prognostizieren mehrere Studien, erst einmal vorbei. Trump Slump nennen sie diese Entwicklung, den Trump-Durchhänger.

Das staatliche Bureau of Economic Analysis, das regelmäßig Daten zur volkswirtschaftlichen Entwicklung herausgibt, hat Anfang April errechnet, dass die Einnahmen durch ausländische Touristen in den drei Monaten nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gegenüber den drei Monaten davor um 10,2 Prozent gesunken sind. Und das Marktforschungsinstitut Tourism Economics schätzt, dass in diesem Jahr 4,3 Millionen weniger Gäste in die USA reisen werden, im kommenden Jahr gar 6,3 Millionen. Für die amerikanische Tourismusbranche würde das nach Jahren des Wachstums - von 2009 bis 2016 ist die Zahl der Besucher von 54 auf 77 Millionen gestiegen - einen Umsatzrückgang von insgesamt mehr als 18 Milliarden Dollar bedeuten.

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Terroristen ausschließen, okay, aber bitte offen bleiben für Besucher, sagt die Branche

"Es gibt zahlreiche Ursachen für den zu erwartenden Rückgang, etwa den starken Dollar", sagt Tourism-Economics-Chef Adam Sacks. "Die America-First-Politik der Regierung allerdings mit aggressiver Rhetorik, Einreisedekreten und der Ankündigung stärkerer Kontrollen sorgt dafür, dass sich viele Gäste nicht mehr willkommen fühlen und lieber in andere Urlaubsländer reisen." Das Software-Unternehmen Adobe hat gerade eine Studie veröffentlicht, bei der Anfragen bei Reisebüros, Fluglinien und Hotels untersucht wurden und derzufolge die Suche nach Reisezielen in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent gesunken ist. "Wir haben vor allem wegen der Rhetorik der Regierung große Bedenken, dass der Rückgang zu einer Krise wird", sagt Roger Dow von der amerikanischen Tourismusbehörde US Travel: "Die Botschaft müsste lauten: 'Wir schließen das Land für Terroristen, lassen es aber offen für Besucher.' Die Trump-Regierung darf das jedoch nicht nur so andeuten, sie muss es auch deutlich sagen."

Trump lässt harsche Kritik normalerweise nicht unbeantwortet, in diesem Fall allerdings verhält er sich auffällig ruhig. Das könnte daran liegen, dass er aufgrund seiner zahlreichen Reisen in sein Feriendomizil in Florida, wo er dann auch ausländische Staatsoberhäupter beherbergt, ohnehin in der Kritik steht.

Für all jene, die Shoppen in New York, Zocken in Las Vegas und Surfen auf Hawaii noch immer für ein tolles Reiseprogramm halten, soll es übrigens einen heißen Spartipp geben: Weil zahlreiche Menschen die Trump-Hotels in diesen Städten boykottieren, sollen die Preise für eine Übernachtung dort gerade äußerst niedrig sein.

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