Tipps von SZ-Korrespondenten Bella Figura in Rom

Für den schönsten Blick über die Stadt müssen Rom-Besucher viele Treppen steigen, das leckerste "Gelato" dagegen gibt es gleich um die Ecke - wenn man weiß, wo. Die besten Tipps für Sehenswürdigkeiten, Essen und Ausgehen

von SZ-Korrespondentin Andrea Bachstein

Städtereisende wollen vieles erleben, am besten aber Orte entdecken, die nicht in jedem Reiseführer oder jeder App zu finden sind. Wer könnte besser durch die Stadt führen als jemand, der dort wohnt oder zumindest eine ganze Weile gelebt hat? Süddeutsche.de hat SZ-Korrespondenten in europäischen Metropolen gebeten, "ihre" Stadt anhand eines Fragebogens zu präsentieren. Andrea Bachstein weiß, wo Reisende die schönste Aussicht haben, warum die Römer in der "Leichenhalle" essen und was wahrhaft Abenteuerlustige in Rom ausprobieren sollten.

In den Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle sollte man bereits vor dem Besuch eine Auswahl treffen - es gibt einfach zu viel zu sehen.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Was macht Rom als Stadt aus?

Nichts kann sein wie eine seit 3000 Jahren bewohnte Stadt - auf Schritt und Tritt treffen Gegenwart und Vergangenheit zusammen. Ein Freilichtmuseum ist Rom aber höchstens für Besucher. Römer leben selbstverständlich mit, von und neben so viel Schönheit und Übermacht der Altertümer, die ihnen antike Herrscher und Päpste hinterlassen haben. Der Umgangston kann durchaus etwas ins Rüpelhafte gehen, aber eigentlich besitzen die Einheimischen viel Mutterwitz und Hilfsbereitschaft gegenüber verwirrten Touristen, die zum unverwechselbaren Straßenbild gehören wie Priester, Bettler und Gladiatoren.

In der Beamtenstadt Rom schlecht verwaltet zu werden, finden Römer normal, die volkstümliche Liebe zu "Mamma Roma" und vor allem zum eigenen Viertel bleibt davon unberührt. Man improvisiert viel und lebt zugleich gern in alten Gewohnheiten, auch gastronomisch. Die traditionellen Gerichte fehlen fast nirgends, viele Lokale sind seit Jahrzehnten unverändert. Wer hier zwischen Lärm und stillen Gassen, großer Kunst und quirligem Alltagsleben im ersten Anlauf nichts Besonderes, Bezauberndes, Erstaunliches für sich entdeckt, der muss nochmal kommen.

Diese Sehenswürdigkeit dürfen Sie nicht verpassen:

Das Drama jeder Romreise: Die Stadt ist voller Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen sollte, aber unmöglich alle schaffen kann. Was weltberühmt ist in Rom, ist es zu Recht. Die Fontana di Trevi am besten frühmorgens einplanen, ehe die Massen kommen, am zauberhaftesten ist sie ganz für sich. Die Piazza Navona versteht sich von selbst, und Petersdom, Petersplatz, die Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle sind Pflicht für zivilisierte Menschen. Suchen Sie vorher im Reiseführer aus, was Ihnen in den Vatikanischen Museen wichtig ist - für alles wird die Konzentration nicht reichen.

Die Kapitolinischen Museen mit ihrer Antikensammlung zu versäumen, ist schwer entschuldbar. Schon der Weg über die von Michelangelo entworfenen Stufen hinauf zum Campidoglio mit der Marc-Aurel-Statue ist erhebend. Und von nirgendwo sieht das Forum Romanum wohl malerischer aus als von den Kapitolinischen Museen, mancher spart sich nach diesem Blick den Rundgang durch das Forum.

Einmal im Leben wenigstens sollte es natürlich das Kolosseum sein. Um das antike Theater ohne Vorkenntnisse zu verstehen, sollten sich Besucher zumindest einen Audioguide leihen oder gleich an einer geführten Tour teilnehmen, was auch die oft mühsamen Wartezeiten drastisch reduziert. Das Pantheon mit seiner mystischen Aura sollte man von Innen und Außen (vor allem bei Abendbeleuchtung) einfach wirken lassen und den Trubel drumherum ausblenden.

Mindestens 240 Kirchen von frühchristlich bis spätbarock stehen in der Ewigen Stadt. Die prächtige Santa Maria Maggiore auf dem Esquilinhügel, eine der vier Papstbasiliken der Stadt, sollte aufs Programm und dann vielleicht gleich hinüber zur viel kleineren, aber ebenfalls mit außergewöhnlichen byzantinischen Mosaiken geschmückten Santa Prassede aus dem 9. Jahrhundert. Eindrucksvoll ist die riesige Laterankirche San Giovanni und ihre Geschichte, und Santa Maria in Trastevere zu versäumen, wäre auch schade. Und dann ist da natürlich "die Mutter der Barockkirchen", Il Gesù.

Was ist noch sehenswert - doch nur wenige Urlauber wissen davon?

Schon im Vorbeilaufen gibt es jede Menge Kunst und Schönheiten: die wie Theaterkulissen hingestellten Rokoko-Bauten an der Piazza Sant'Ignazio, wo die gleichnamige Kirche mit ihrer Trompe-l'oeil-Decke wartet. Oder hinter dem Pantheon Roms kleinster Obelisk, den der Bernini-Elefant mit dem überlangen Rüssel trägt. Und dann in die Kirche dahinter: Santa Maria sopra Minerva gilt als einzige "gotische" Kirche der Stadt und birgt einen Christus von Michelangelo. Durch ein verwunschenes Areal mit antiken Fragmenten spaziert man im Park Villa Celimontana oberhalb des Kolosseums am Caelius Hügel (Colle Celio). Die Kirchen dort, S. Stefano Rotondo, S. Giovanni e Paolo und Santa Maria in Domnica, stehen auf Resten antiker Bauten.

In die Kunst der Etrusker taucht man im Museum Villa Giulia ein. Und ein überschaubares, sehr lohnendes Antikenmuseum ist der Palazzo Massimo unweit vom Bahnhof Termini. Noch nicht lange zugänglich und ein Highlight sind Le Domus Romane unter dem Palazzo Valentini, Via IV. Novembre 119 a: Zwei antike Patriziervillen, die mit multimedialer Hilfe auferstehen. Die Besichtigung muss man telefonisch (+390632810) oder im Internet buchen. Ansonsten: Herumschlendern und die Aus- und Anblicke genießen, das ist mindestens so wichtig, wie Monumente und Museen abzuarbeiten - und hilft gegen eine Überdosis Marmorstatuen. Ausblicke wie von der Tiberbrücke Ponte Sisto auf die Peterskuppel oder vom Ponte Sant'Angelo zur Engelsburg können so prächtig sein wie Kunstwerke.