Tipps für Madrid Schweigen Sie über Barcelona!

Welche Viertel in Madrid einen Besuch lohnen, welches Thema man besser nicht anspricht und warum es Sinn machen kann, eine Trittleiter mitzunehmen:

Städtetipps aus Spanien vom SZ-Korrespondenten Javier Cáceres

Städtereisende wollen vieles erleben, am besten aber Orte entdecken, die nicht in jedem Reiseführer oder jeder App zu finden sind. Wer könnte besser durch die Stadt führen als jemand, der dort wohnt oder zumindest eine ganze Weile gelebt hat? Süddeutsche.de hat SZ-Korrespondenten in europäischen Metropolen gebeten, "ihre" Stadt anhand eines Fragebogens zu präsentieren. Javier Cáceres erklärt, welche Sehenswürdigkeit Sie sich sparen können, warum Sie keinesfalls auf ein Fahrrad steigen sollten und warum es sinnvoll sein kann, eine Trittleiter nach Madrid mitzunehmen.

Der Parque del Buen Retiro mit seinem Kristallpavillion ist eine der wenigen Grünflächen in  Madrid.

(Foto: AFP)

Was macht Madrid als Stadt aus?

Madrid ist eine Hauptstadt - mit allem, was das an Vorzügen, Launen, Lärm, Fehlern und sprödem Charme bedeutet. Sie hat eine Reihe von Gebäuden zu bieten, die eine Spur zu monumental sind, sie hat Einwohner, die mitunter eine Spur zu stolz sind auf ihre madrilenische Herkunft. Aber sie hat auch liebenswerte Ecken und sehr viele liebenswerte Menschen. Wer es grün mag, ist in Madrid eher fehl am Platz. Dafür gibt es rund ums Zentrum eine Reihe von Vierteln, in die es sich einzutauchen lohnt.

Diese Sehenswürdigkeiten dürfen Sie nicht verpassen:

Der große Platz, der alle anzieht, ist der Platz an der Puerta del Sol. Im vergangenen Jahr machte er Schlagzeilen, weil er wochenlang von den "Empörten" besetzt wurde, den Indignados. Die sind längst weg. Unmittelbar vor dem Gebäude der Regionalregierung ist eins der undankbarsten aber dennoch beliebtesten Fotomotive: der "Kilometer Null". Undankbar ist er deshalb, weil es sich dabei um eine in den Boden eingelassene Wegmarke handelt, vor dem sich alle fotografieren lassen wollen, da er den Ausgangspunkt des Fernstraßensystems Spaniens markiert. Das bedeutet in jedem Fall Verrenkunge - entweder für die Fotografen, oder für die Objekte. Der Fotograf, der sichergehen will, sollte idealerweise eine Trittleiter mitführen. Ganz in der Nähe des Kilometer Null ist die Plaza de Oriente mit dem Königspalast, der aber nur noch repräsentativen Zwecken dient (König und Königin wohnen woanders voneinander getrennt), sowie die Plaza Mayor. Dort gibt es auch eine Reihe Straßencafés und Restaurants, die überteuert sind. Wer Fußball mag, sollte ruhig ins Bernabéu-Stadion gehen, dort gibt es für einen saftigen Eintritt eine Führung durch das Innenleben des Stadions und die Trophäen-Vitrine. Die besten Museen findet man zwischen Fuente de Neptuno (Neptunbrunnen) und dem Bahnhof Atocha: Prado, Thyssen-Bornemisza und Reina Sofía.

Was ist noch sehenswerter - doch nur wenige Urlauber wissen davon?

Madrid ist nicht ganz so mit Touristen überfrachtet wie Barcelona, Florenz oder Rom, aber man sollte sich nichts vormachen: So viele unbekannte Sehenswürdigkeiten gibt es hier auch nicht mehr. Schön aber ist der Blick vom "Templo de Debod", einem nubischen Tempel im Parque del Oeste, der in der Nähe des Zentrums liegt. Dort kann man ein bisschen entspannen.

Welches Viertel sollten man unbedingt besuchen?

"La Latina." Erschrecken Sie nicht, wenn Sie an der gleichnamigen Metrostation aussteigen und denken, dass Sie dieser Tipp in die Falle gelockt hat. Gehen Sie einfach weiter Richtung Plaza de la Paja und von dort durch die alten, historischen Gassen, die mehr oder weniger Richtung Plaza de Oriente führen und meistens Namen von Heiligen oder Kirchenfürsten tragen.

Den schönsten Blick hat man ...

... auf der Terrasse des Kulturzentrums Círculo de Bellas Artes. An sonnigen und klaren Tagen kann man bis über die Stadtgrenzen hinausblicken. Manchmal sieht man aber auch die Smog-Glocke, die von den Stadtoberen beharrlich geleugnet wird. Wer die Lichter einer Großstadt mag, sollte an späten Abenden die Dachterrassen von Nobelhotels wie dem "Urban" oder dem alten Hotel "ME Reina Victoria" aufsuchen. Sie sind chic, teuer und chillig, aber bis tief in die Nacht offen. Günstiger ist die Terrasse des "Gaudeamus Café" in der Calle Tribulete 14. Dort gibt es manchmal Live-Musik.

Das können Sie sich in Madrid sparen:

Die Kathedrale, direkt neben dem Königspalast gelegen. Es dürfte die langweiligste Kathedrale der Welt sein.