Tansania Sansibar - Insel der Sinne

Sansibar ist blau und duftet nach Nelken. Die Gewürzinsel im Indischen Ozean vor der Ostküste Tansanias stützt sich auf einen Sockel aus Korallen.

Von Violetta Simon

Der Name Sansibar stammt aus dem Arabischen (zayn za ´l bar) und bedeutet so viel wie "schön ist diese Insel". Beruft man sich auf die Bedeutung, die während der persischen Belagerung entstand, erhält man die wenig schmeichelhafte Übersetzung "Negerinsel".

Diese Bezeichnung verweist auf ein dunkles Kapitel in der Geschichte Sansibars, den Sklavenhandel. Allein im 19. Jahrhundert haben arabische Sklavenhändler mehr als drei Millionen Afrikaner versklavt und der Insel damit zu zweifelhaftem Reichtum verholfen.

Sansibar ist aber auch ein Ort der Sinnlichkeit. Kaum ein Reisender, dem nicht der Duft von Nelken, Kardamom, Vanille und Zimt in der Nase bleibt, wenn er von einer "Spicetour" im Inneren der Insel zurück kehrt. Das Auge kann sich nicht satt sehen an den Blautönen, die das Meer hervor bringt. Mit der Hand streift man durch den Sand, der weiß und fein ist wie Mehl.

Zanzibar Town - die Hauptstadt trägt den Namen der Insel. Ertönt im Morgengrauen der rauhe Gesang der Muezzins, scheint die Zeit still zu stehen. Bis heute bergen die alten Gemäuer von Stone Town, dem alten Stadtkern, die Geschichte Sansibars in sich wie ein Geheimnis. Berühmt ist die Altstadt für ihre massiven Holztüren, von denen manche bis zu drei Jahrhunderte alt sind. Sie bestehen meist aus zwei kunstvoll geschnitzten Flügeln, aus denen große Messingdornen wie Speerspitzen herausragen. Seit 1992 steht Stone Town auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes.

Stone Town - Labyrinth aus Gassen

38 Grad im Schatten, 85 Prozent Luftfeuchtigkeit - wir sind müde und verklebt. Ein Rucksack ist in Mombasa verschollen, doch daran lässt sich jetzt auch nichts ändern. "Pole, pole" sagt der Sansibari in so einer Situation, immer mit der Ruhe. Also erst mal mit dem Taxi in die Stadt.

Dort scheint man ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt zu haben: Der Hafen wimmelt von jungen Männern, die uns um jeden Preis in das Hotel ihres Auftraggebers verschleppen wollen. Einer schultert unser Gepäck, jetzt heißt es dran bleiben. Als die Hotelzimmertür hinter uns zufällt, atmen wir auf. Jetzt eine kalte Dusche! Leider ist der Leitung kein Tröpfchen zu entlocken. Dafür stehen zwei Eimer mit Wasser bereit.

Die erste Nacht in einem Sansibari-Bett aus geschnitztem Teakholz mit Baldachin und Moskitonetz versöhnt uns mit der hektischen Ankunft. Wenn bei Morgengrauen der Singsang der Muezzins in das dämmernde Bewusstsein tritt, weiß man, es ist wahr: Die Welt der Shehezerade, deren Geschichten aus 1001 Nacht ihr Leben retteten, existiert noch immer.

Von der Dachterrasse des Hotels kann man beobachten, wie die Sonne den Himmel über der Stadt-Silhouette rot färbt. Das Treiben in den Straßen der Altstadt beginnt, während die religiösen Gesänge anschwellen und aus den schlanken Türmchen der Moscheen über die Dächer entfliehen: "Allahu akbar - Allah ist groß".

Etwa zehn Prozent der Inselbewohner leben im Stadtkern namens Stone Town. Sich hier nach einem Stadtplan zu richten, hat keinen Sinn. Die nach arabischem Vorbild gebaute Altstadt ist ein Labyrinth aus schmalen Gassen, die fast alle gleich aussehen, nur die wenigsten sind beschildert.

Eine Weile laufen wir planlos umher, bis wir wieder an einer Stelle landen, die uns bekannt vorkommt. Wissen wir nicht mehr weiter, lassen wir uns von Einheimischen den Weg weisen.

In den Forodhani Gärten am Kai steigt uns der Duft von gegrilltem Fisch, Curry und süßem Tee in die Nase. Jeden Abend bauen dort die Verkäufer ihre Stände und Grillküchen auf, an denen sie Chapatis, Samosas und verschiedene Fisch- und Fleischsorten frisch auf dem Rost zubereiten.

Zuckerrohrstangen werden in großen, handgekurbelten Pressen zerquetscht und ihr Saft mit Leitungswasser vermengt. Da die Wasserkanister wenig vertrauenerweckend aussehen, verzichten wir fürs Erste und laben uns an frisch gegrillten Scampis am Spieß und riesigen Stücken Wassermelone.