Südafrika "Schwarz oder Weiß, wir halten hier zusammen"

Das historische Onse Rus Guest House passt zu dieser Karoo-Heimeligkeit: handgedrechselte Stühle, Porzellangeschirr, schwere Gardinen und Plumeaus. Tatsächlich stammt Lisa Smith, die Herbergsmutter, aus Kapstadt. Sie hat das alte Haus vor zwei Jahrzehnten übernommen. "Mein Mann und ich wollten der urbanen Hektik entrinnen." Jetzt schickt sie ihre Gäste in die Kunstgalerien der Nachbarschaft. Empfiehlt den Lammbraten und die Boerewors im Gallery Café. Und erklärt den erstaunten Stadtmenschen, dass es hier kaum Kriminalität gebe. "Schwarz oder Weiß, wir halten hier zusammen."

Nirgends aber kommt man der Karoo so nahe wie auf den Backroads, den ungeteerten Straßen durch das Hinterland. Und das am besten auf Mountainbikes. Arno Botha, ein freundlicher Bure mit schwieligen Händen, der in seiner Freizeit Jugendlichen aus den Townships das Fahrradreparieren beibringt, verleiht sie zu einem Spottpreis. Kurz nach dem Ortsende von Prince Albert führt eine Piste schnurstracks in die Swartberge. Nur selten passiert ein Jeep, ansonsten gleißende, flimmernde Weite. Am Wegesrand: violett leuchtende Kiesel, winzige Sukkulentenblüten und ein ausgebleichter Pavianschädel. Erst nach einer Stunde taucht ein großer Gutshof auf. "Vrisch gewaagd", nur zu!, verkündet eine gemauerte Tafel, dahinter erstrecken sich Weinberge bis an die Bergflanken. Der Pioniergeist der einst in die Karoo gezogenen Voortrekker ist hier nach wie vor spürbar.

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Ein wenig versteckt außerhalb von Calitzdorp liegt die Soeterus Guest Farm. Ein reetgedeckter Gutshof inmitten von Aprikosenplantagen und Weinstöcken. Innen rustikale Gemütlichkeit. Außen ein Ornithologen-Paradies, mit Schwärmen von Webervögeln und Kolibris. Der Betreiber James Rutherford war im Vorleben ein erfolgreicher Versicherungsmakler in Johannesburg. Nun betreibt er neben der Herberge noch ein wenig Schafzucht. Begeistert erzählt er von seiner ersten Lamm-Geburt in der Vorwoche. "Wenn du so etwas erlebst, möchtest du nie wieder zurück."

Durch Ladismith, vorbei am Felsdom des Towerkop, führt die R 62 zum touristisch erschlosseneren Westende der Kleinen Karoo. In Montagu dienen viele der historisch geschützten Villen um die Long Street als Bed & Breakfast, es gibt gepflegte Wanderwege und zu einem Freizeitpark ausgebaute Warmwasserquellen. Sehr viel bescheidener präsentiert sich dagegen das Garten-Dörfchen Barrydale. Ein Steak-Restaurant, eine Buchhandlung, ein Antiquitätengeschäft. Der Laden der örtlichen Handweberei-Kooperative verkauft schicke naturfarbene Leinentücher und Taschen. Das war es dann aber auch.

Der Kontrast jedenfalls zwischen den vor Kunstwerken fast überquellenden Räumen des Karoo-Art-Hotels und der umgebenden Landschaft könnte nicht größer sein. Ein örtlicher Klub von Wanderfreunden bietet geführte Touren an. So ziehen wir mit Matt Kruger los, einem jungen, aus Kapstadt zugezogenen Biologen, der in mühsamer Handarbeit Wege über den Hausberg angelegt hat. Barrydale schrumpft zu einer Ansammlung blinkender Dächer im Wüstengebirge, während unser Führer die Wegränder untersucht. Hier eine Agame-Echse. Dort eine Fynbos-Blüte. "Riecht ihr diesen Marihuana-Geruch? Der stammt vom Zuckerbusch." Nur das Rascheln der Eidechsen und ein quietschendes Windrad durchbrechen die Stille. Ja, die Karoo mag wie ein Meer aus Steinen und Büschen erscheinen. Die Mitte des Nirgendwo. Und genau hier spürt man es schlagen, das träge Herz Südafrikas.

Reiseinformationen

Anreise: z. B. von München nach Kapstadt oder nach Port Elizabeth, hin und zurück ab 654 Euro mit South African Airways, www.flysaa.com

Unterkunft: Madi-Madi Lodge, ab 75 Euro fürs DZ, www.madi-madi.co.za; Onse Rus Guesthouse, ab 72 Euro mit F., www.onserus.co.za; Soeterus Farm Guesthouse, ab 67 Euro für DZ mit F., www.soeterus.co.za; Karoo Art Hotel, ab 87 Euro für DZ mit F., www.karooarthotel.co.za; The Vineyard Country House, ab 77 Euro für DZ mit F., www.thevineyardcountryhouse.co.za

Weitere Auskünfte: Barrydale Hiking Club, www.overberginfo.com/barrydale-hiking-club; Prince Albert Cycles, http://princealbert.org.za/prince-albert-cycles; Südafrikanisches Fremdenverkehrsamt, Telefon: 0800 /11891 18, www.dein-suedafrika.de

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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