Ständige Unwetter setzen den nordfriesischen Inseln zu - und tragen die Dünen ab.

In diesem Winter lebt Deutschlands bekannteste Ferieninsel Sylt buchstäblich von der Substanz. Die künstliche Sandbarriere am Fuße der Dünen und Kliffs, die Jahr für Jahr zum Schutz vor der gefräßigen Brandung aufgespült wird, hat sich die Nordsee längst geholt.

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Jede Flut und jeder Brecher können jetzt ein Stück vom alten Kern der Insel kosten, unwiderbringlich. Starke Schäden hat Orkan "Franz" auch auf der Nachbarinsel Amrum mit dem großen Kniepsand angerichtet.

Besser sieht es auf den eingedeichten Inseln wie Pellworm und auf den Halligen aus. Die flachen Halligen werden bei Sturmflut zwar überspült, ihre Kanten sind aber mit festen Steinen geschützt.

An der Südspitze von Sylt beträgt der Landverlust nach "Franz" und dem stürmischen Wochenende 30 bis 50 Meter, schätzte der Vorsitzende des Landschaftszweckverbandes Sylt, Helge Jansen.

In Kampen brechen die Nordseewellen bereits Stücke aus dem Kliff, dem alten Kern der Insel. Zwischen Westerland und Wenningstedt greift das Meer die Vordünen an, vielerorts ist der künstlich zum Schutz der Insel aufgespülte Strand völlig abgetragen. Allein am Wochenende seien 100.000 Kubikmeter Sand verloren gegangen, meint Jansen

In den vergangenen Jahren hatten die riesigen Sandmengen, die stets im Frühjahr mit großen Saugbaggern aus der Nordsee gepumpt und meterhoch auf dem Strand verteilt wurden, den natürlichen Prozess der Erosion aufgehalten.

Die Kosten in Höhe von einigen Millionen Euro pro Jahr lassen sich leicht rechtfertigen mit etwa sechs Millionen Übernachtungen im Jahr, Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen, die der Tourismus bringt.

Außerdem sehen Wissenschaftler in den nordfriesischen Inseln einen wichtigen Schutz für Wattenmeer und Festlandsdeiche vor der Gewalt der Nordsee.

Die nächste Ladung Sand kommt nicht vor dem Frühjahr. Das Kieler Umweltministerium hat schon reagiert und will 3,3 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen, um die abrasierten Strände wieder aufzufüllen. Immerhin: "Häuser sind nicht gefährdet", sagt Jansen.

Viel Spielraum gibt es aber auch nicht mehr für so exponiert gelegene Plätze wie das Haus Kliffende in Kampen oder das Restaurant Sansibar in den Dünen bei Rantum, beliebte Tummelplätze wohlhabender Syltliebhaber.

Für Professor Karsten Reise von der Wattenmeerstation des Alfred Wegener Instituts in List auf Sylt ist das Beharren auf den bestehenden Positionen ein Fehler.

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