Streit um Welterbe Mittelrheintal und Loreley Unesco vs. Rodler

Schon die Seilbahn bei Koblenz war dem Unesco-Komitee ein Dorn im Auge, der Titel als Welterbe in Gefahr. Jetzt empfehlen die Experten den Abbau der Sommerrodelbahn auf dem Loreley-Plateau, sonst ist - genau - der Welterbe-Titel gefährdet.

Von Jens Schneider

Rund zwei Minuten dauert die Fahrt bergab, und die Rodelschlitten können bis zu vierzig Stundenkilometer schnell werden. Das Besondere, verspricht Rainer Knecht, sei der "actionreiche Bahnverlauf". Auf der Webseite der Bahn wird ein Kurvenlabyrinth versprochen, mit "Wellen und Jumps". Und dann ist da noch der besondere Ort.

Die Sommerrodelbahn, die Knecht sich ausgedacht und gegen Widerstände von Naturschützern gebaut hat, sie liegt auf dem Loreley-Plateau, dem weltberühmten Felsen über dem Rhein. Für Knecht ist das ein wunderbarer Ort. "Wenn ich überlege, dass Leute in Phnom Penh sich darüber aufregen, fällt mir nichts mehr ein", sagt der Betreiber der Bahn "Loreley-Bob".

Es ist nun aber so, dass die Bahn am wunderbaren, mythischen Ort ein Problem zu werden scheint. In den letzten Monaten ist sie auf dem Loreley-Felsen entstanden, Ostern hat Knecht die Blech-Schlange eröffnet, rund 30.000 Abfahrten gab es bisher. Er versichert, dass sich bisher kein Besucher über die Bahn beschwert habe. Freilich gab es vorher Einwände von Umweltschützern, sogar ein Gerichtsverfahren.

Nun hat das Unesco-Welterbekomittee in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, auf seiner 37. Sitzung empfohlen, die Rodelbahn wieder abzubauen. Eine Empfehlung, das klingt erst mal behutsam.

Nur auf lange Sicht geht es um den Status der einzigartigen Landschaft als Welterbe. Seit dem Juni 2002 wird das Obere Mittelrheintal auf einer Länge von 65 Kilometern mit seinen steilen Weinbergen und dem Loreley-Felsen auf der Welterbe-Liste der Unesco geführt. Rund 40 Burgen, Schlösser und Festungen liegen zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz, mehr als überall sonst auf der Welt. Tal und Felsen werden seit Jahrhunderten als Symbol einer besonders romantischen Landschaft besungen und gemalt.

Den Titel eines Welterbes vergibt die Unesco nicht mal eben so. Ihre Experten überwachen genau, was in so eine Landschaft passt, und was nicht. Und es kann, wie beim idyllischen Elbtal in Dresden, passieren, dass mit einem kruden Bauwerk wie der dortigen Brücke der Titel in Gefahr gerät. So war die Tagung in Phnom Penh für das Obere Mittelrheintal von einiger Bedeutung.

Dabei ging es vor allem um die Seilbahn in Koblenz, die 2011 zur Bundesgartenschau gebaut wurde. Die Bahn verbindet die Koblenzer Altstadt mit der Festung Ehrenbreitstein. Die Stadt hatte gegenüber Denkmalschützern ursprünglich den Abbau der Rheinseilbahn gleich nach der Bundesgartenschau zugesichert. Aber die Bahn kommt bei Touristen gut an.

Viele Koblenzer forderten ihren Erhalt, auch das Land und die Stadt sprachen sich dafür aus. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) jedoch hält sie für unvereinbar mit dem Welterbe-Titel und hatte der Unesco empfohlen, gegen einen Dauerbetrieb zu stimmen.

Am Mittwochvormittag kam aus Phnom Penh dann die Nachricht, dass die Bahn bis 2026 weiter betrieben werden darf, mitsamt Welterbe-Status. Dann endet, so das Land, "die technische Betriebsdauer". In Mainz sprach Ministerpräsidentin Malu Dreyer von einem "großen Erfolg für die Welterbestätte".

Nun ist da aber noch die Sommerrodelbahn. Und für sie kam die "Empfehlung, sie abzubauen". Allerdings wurde keine Frist gesetzt. Und ein Abbau der Rodelbahn ist wohl zurzeit nicht durchsetzbar, da sie, so heißt es am Rhein, eine rechtskräftige kommunale Genehmigung habe. Es gebe also keinen aktuellen Druck.

Betreiber Rainer Knecht gibt sich gelassen. Er habe wirklich viele Auflagen zu erfüllen, sagt er. Wirklich alles sei geprüft. "Sie wissen ja, wir sind hier in Deutschland." Jetzt bekomme man sie nicht mal eben wieder weg.

Und so sei die Nachricht aus Phnom Penh immerhin doch eine richtig gute Werbung für seine Bahn.