Streik bei der Lufthansa Diese Rechte haben Passagiere

Wegen des Pilotenstreiks streicht die Lufthansa in dieser Woche Hunderte Flüge.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

In dieser Woche streiken Lufthansa-Piloten, Flüge fallen von Montag bis Samstag aus: Bekomme ich eine Entschädigung, falls mein Flug nicht geht? Wie gelange ich trotzdem ans Ziel? Mein Termin droht zu platzen, weil der Flug verspätet ist - kann ich zurücktreten?

Die wichtigsten Fragen und Antworten für Passagiere

Fliege ich oder fliege ich nicht, mussten sich Passagiere an großen deutschen Flughäfen bereits in der vergangenen Woche fragen: Verdi bestreikte große deutsche Flughäfen. Jetzt legen auch die Piloten der Lufthansa ihre Arbeit nieder: Sie wollen von Mittwoch null Uhr bis Freitag 23:59 Uhr streiken, alle deutschen Flughäfen sind betroffen. Der Streik trifft den Beginn der Osterferien in Niedersachen und Bremen.

Betroffen von den Streiks sind die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings: 3800 Flüge werden gestrichen. Die Konzerntöchter Swiss und Austrian Airlines haben eigene Tarifverträge und würden von einem Ausstand bei der Lufthansa nur insofern berührt, dass Umsteigeverbindungen auf Lufthansa-Flüge gefährdet sind.

Nicht nur an den Streiktagen selbst fallen Flüge aus, sondern auch in den Tagen davor und danach: Die Liste der gestrichenen Lufthansa-Flüge finden Sie hier.

Kunden von Germanwings informieren sich hier.

Welche Rechte haben Reisende im Streikfall? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Ist mein Flug vom Streik betroffen?

Erste Ansprechpartner an Streiktagen sind Reiseveranstalter und Fluggesellschaft. So bietet die Lufthansa auf ihrer Website Informationen zu aktuellen An- und Abflügen von allen deutschen Flughäfen. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben. Passagiere können auch unter "Meine Buchungen" auf der Lufthansa-Seite prüfen, ob ihr Flug betroffen ist. Haben sie bei Lufthansa ihre Handynummer hinterlegt, informiert die Airline sie per SMS.

  • Welche Ansprüche haben Passagiere, wenn ihr Flug verspätet abfliegt?

Flugreisen So kommen Fluggäste zu ihrem Recht

Der Flug ist verspätet oder hebt gar nicht ab, aber die Airline weigert sich, eine Entschädigung zu zahlen. Auf diese drei Arten können Passagiere dennoch einen Ausgleich erzielen - doch nur ein Weg ist garantiert kostenlos.

Wer wegen des Streiks auf dem Flughafen festsitzt, muss von der Lufthansa betreut werden. Das können Betroffene gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 erwarten: Ab zwei Stunden Verspätung haben sie Anspruch auf Leistungen wie zwei Telefonate, zwei E-Mails, Getränke, Essen und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die zweistündige Wartezeit gilt für Flüge von bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

  • Müssen Passagiere für die Betreuungskosten zunächst selbst aufkommen?

Die EU-Richtlinie sieht vor, dass die Betreuung kostenlos bereitgestellt wird. Das klappt aber oft nicht. Sollte die Airline trotz Nachfrage keine Betreuung bereitstellen können, muss sich der Fluggast selbst um Verpflegung und möglicherweise ein Hotelzimmer kümmern. Dann ist es wichtig alle Belege aufzubewahren, um die Kosten anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen zu können. Diese Kosten sind verschuldensunabhängig. Die Airline muss dem Fluggast also helfen, egal ob die Verspätung durch eine Aschewolke, einen Sturm oder eben einen Streik der Flugbegleiter entstanden ist.

  • Bekommen Fluggäste eine Entschädigung für annullierte Flüge?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von drei Stunden oder mehr haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Erst kürzlich hat das BGH entschieden, dass dazu auch Streiks zählen und Airlines daher nicht zur Entschädigung verpflichtet sind. Komplett ausgeschlossen sind Ausgleichszahlungen trotzdem nicht. "Entscheidend ist, ob die Airline alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um die Auswirkungen des Streiks zu vermeiden", sagte Ronald Schmid, Professor für Luftverkehrsrecht in Dresden. "Die Airline muss sogar eine Umbuchung zu einem anderen Veranstalter vornehmen, wenn es möglich ist". Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung im Hotel übernehmen. Nur wenn sie im Einzelfall vor Gericht nachweisen könne, dass sie alles versucht habe, müsse sie keinen Ausgleich zahlen, sagt Reiserechtler Schmid.

  • Muss ich trotz Streik pünktlich am Flughafen sein?

Nach dem Bahn-Urteil Welche Rechte haben Reisende in der EU?

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft kurzfristig einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.