Freier Zugang zum Wasser: An vielen italienischen Stränden gibt es den nur gegen Eintritt fürs Strandbad. Jetzt greift die Regierung ein, Geschäftsleute drohen mit Streik.

Sommer, Sonne und das blaue Mittelmeer: Das ist für viele der pure Italien-Traum. Rund 3500 Kilometer Strände hat Italien, Sonnenanbeter aus Bologna, Bordeaux und Buxtehude haben gleichermaßen die Qual der Wahl.

Am Strand von Rimini, dpa

(© Foto: dpa)

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Nur: Fast ein Drittel der Strände ist seit Jahren fest in den Händen von Strandbädern, die von ihren Kunden immer saftigere Eintrittspreise verlangen.

Diese Tendenz will die Regierung jetzt stoppen, und hat prompt in ihrem Haushaltsplan angeordnet, dass der Zugang zum Meer und zu den ersten fünf Metern Strandlinie für alle Badefreunde gratis sein muss. Dagegen machen aber die Besitzer der so genannten "stabilimenti" mobil - einige drohten jetzt bereits, ihre Anlagen aus Protest zu schließen.

"Anders als in fast allen anderen Ländern der Welt werden die Strände in Italien immer teurer und immer weniger zugänglich", brachte es jetzt die römische Zeitung La Repubblica auf den Punkt.

Mittlerweile verlangen die Strandbäder durchschnittlich Preise von 15 bis 20 Euro Eintritt - und für Liegen und Schirme müssen die Kunden oft noch extra bezahlen. Viele Italiener, die ein Sommerhaus in Strandnähe haben, ziehen es hingegen vor, in einem "stabilimento" gleich für die ganze Saison zu buchen. Inklusive Liegestuhl, Umkleidekabine und Sonnenschirm müssen sie dabei mittlerweile Spitzenpreise von zwischen 1500 und 3000 Euro pro Person hinblättern.

Und die Regel ist: Wer kein Ticket bezahlt, darf auch nicht zum Strand. Nur die so genannten "freien Stände", wo Sonnenhungrige sich auf einem Handtuch im Sand ausbreiten dürfen, sind weiterhin kostenlos - jedoch liegen diese oft eng und eingequetscht zwischen zwei Badeanstalten.

Außerdem sind sie voll von all denjenigen, die für ihr Bad im Meer kein Geld ausgeben wollen. Das Faulenzen am Strand wird so häufig zum Stress. "Das Meer gehört allen und wir wollen es uns zurückholen!", erzürnte sich der Grünen-Politiker Angelo Bonelli.

Deshalb hat seine Partei ein "Handbuch zur Selbstverteidigung der Badegäste" entworfen. Darin erklären die Abgeordneten den Bürgern, wie es eigentlich um ihre Strand-Rechte bestellt ist: "Das Meer ist ein Recht für alle" und "Wir sagen Nein zu einem Meer hinter Gittern!" sind nur einige der Slogans in dem Büchlein.

Bonelli erläutert: "Wir kämpfen gegen völlig veraltete Normen, durch die ein Gemeingut, wie es Strände nun einmal sind, komplett in die Hände von Bade-Unternehmern gelegt wurde."

Ganz anders sieht das die Gewerkschaft der italienischen Badeanlagenbetreiber. Sie argumentiert, dass allein in der auch bei Deutschen beliebten Region Toskana etwa 53 Prozent der Tourismus- Einnahmen von den Strandbädern herrühren. "Wenn wir mehr Geld umsetzen als die Kunststädte, dann muss das wohl an den guten Dienstleistungen liegen, die wir unseren Kunden bieten", sagte Graziano Giannessi, der in der Gegend von Versilia eine Anlage betreibt. "Wir bezahlen Steuern und Verwaltungskosten, wer soll das denn machen, wenn die Strände plötzlich allen gehören?"

Gesetze sichern den freien Zugang

Die Verbrauchervereinigung Codacons räumte unterdessen ein, dass es schon seit Jahrzehnten Gesetze gibt, die den freien Zugang zum Meer sichern sollen - "nur werden die nie richtig respektiert". Der Präsident der Vereinigung, Carlo Rienzi, versucht nun, die Wogen zu glätten. Er schlug vor, den freien Stränden künftig einfach mehr Platz einzuräumen und in den Strandbädern spezielle Wege anzulegen.

Auf diesen sollen nicht zahlende Badegäste problemlos das Meer erreichen können, ohne einen Liegestuhl mieten zu müssen. In Bella Italia bahnt sich ein heißer Sommer an - wer den "Krieg der Strände" letztlich gewinnt, ist völlig offen.

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(sueddeutsche.de/dpa)