Wer ohne Luxus auskommt, kann in der alten Windmühle von Rysum auch übernachten - und dem Mahlwerk bei der Arbeit zusehen.
Viele Windmühlen sind zwischen April und September zur Besichtigung geöffnet. In einigen wird demonstriert, wie ein Mahlwerk funktioniert und aus Getreide Mehl oder Schrot gewonnen wird. Wer möchte, kann in der ein oder anderen Mühle übernachten, etwa in der alten Windmühle von Rysum. Sie wurde 1895 gebaut und war bis 1964 in Betrieb.
Jede Gasse führt zur Kirche (© Foto: Schmitz-Eggen)
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Mühle und Kirchturm sind schon von weitem sichtbar, wenn man auf das Rundwarftendorf zufährt. Die Landschaft dort ist flach wie ein Topfboden, der Wind von der nahen Ems-Mündung weht unablässig über die Felder. Die verknöcherten Bäume am Wegesrand müssen sich der Windrichtung beugen, ihre Äste weisen den Weg ins Binnenland.
Rysum wäre auch ohne seine Mühle einen Besuch wert. Der Ort entstand zu einer Zeit, als noch kein Deich die Menschen vor den Fluten der Nordsee schützte. Sie zogen sich auf kleine Hügel - so genannte Warften - zurück. Ihre Höfe gruppierten sie um die höchste Stelle der Warft, wo Kirche und Windmühle noch heute stehen. Sternförmig führen die geklinkerten Sträßchen auf die beiden Gebäude zu.
Neben der Windmühle befindet sich eine kleine Gaststätte. Die Auswahl ist beschränkt, das Ambiente original. Hier trifft man noch Einheimische, die Friesisch sprechen. Vor dem Fenster hängen blauweiße Gardinen. Ölgemälde zeigen, wie die Windmühle in ihrer Blütezeit ausgesehen haben muss.
"Wir haben die Mühle 1988 wieder aufgebaut", erzählt Rikus Boots von der Interessengemeinschaft Rysum. Nachdem der ehemalige Müller 1964 die Anlage Stück für Stück verkauft hatte, verfiel das Gebäude allmählich. Als nur noch der Torso übrig war, ergriff der Verein die Initiative und restaurierte die Windmühle. Der Achtkant - das Mittelstück des Mühlenkörpers - kam aus Schleswig-Holstein, das Mahlwerk zum Teil aus einer Mühle aus Hildesheim. Über eine Million Mark kostete die Instandsetzung.
Die Investition hat sich gelohnt: "Im Sommer haben wir Gäste aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland", berichtet Rikus Boots, während er die Holzstufen nach oben steigt. In einer schmalen, langen Kammer unterm Dach stehen acht Etagenbetten. "Luxus können wir nicht bieten", so Boots. Einen Schlafsack muss der Gast schon mitbringen, mehr Komfort als in einer Jugendherberge ist nicht drin. Dafür kostet die Übernachtung nur 25 Mark - Frühstück inklusive.
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