Von Silvia Kling

Futuristische Raumschiff-Besatzungen in silber-orangenen Neoprenanzügen. Daneben Samurai-Kämpfer mit gestikulierenden Senso-Schwertern, schrille Edelfrauen unter goldblondem Papilloten-Perückenhaar und Heroen, die in Superman-Umhängen und kniehohen Lederstiefeln umhereilen. Und das mitten in Tokio, an einem ganz normalen Sonntagnachmittag.

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Harajuku: Tummelplatz der Comic- und Cyber-Ikonen (© Foto: Jochen Siegle)

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Den populären Helden der Comic- und Computerwelt leibhaftig zu begegnen, ist ein echtes Erlebnis. In Harajuku, Tokios charmantem Flanierviertel, erwachen sie zum Leben und versammeln sich an jedem Wochenende am Ende der Omote-Sando-Prachtstraße.

Auch Kyoko Date ist vertreten. Die Computer-Lady mit den Mandelaugen, die längst zum virtuellen Popstar avancierte, ist immer noch Inbegriff der japanischen Traumfrau. Kultige Figuren sind es allesamt, unangefochtene Idole der Generation Playstation, die sich hier regelmäßig kreativ gegen konformes Gruppenalltagsleben wehrt.

Vom Tummelplatz der inkarnierten Cyber-Idole sind es nur ein paar Schritte zu den traditionelleren Gottheiten. Im Meiji-jingu, Tokios prächtigstem Schrein, werden die japanischen Shinto-Götter verehrt. Ein heiliger Ort, der die Kultur der Stille verkörpert und die uralte Tradition meditativer Ruhe ausstrahlt. Es ist, als ob das gewaltige rote Balkentor am Eingang dem schrillen Lebensrhythmus der Hightech-Metropole den Zutritt streng verwehrt.

Selbst in der Neujahrsnacht, wenn Millionen von Japanern aus dem ganzen Land zur Schreinanlage pilgern, herrscht gelassene Besinnlichkeit. Nach stundenlangem geduldigem Stop-and-go zum Heiligtum durchbricht auch dann nur das zweimalige Händeklatschen und Klirren geopferter Yen-Münzen die beschauliche Stille der unaufdringlichen Kultstätte.

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