Spanien Ein Ort, an den man gerne zurückkehrt

Jardín de Azahar, Garten der Orangenblüte, so heißt das Gasthaus in Málaga.

(Foto: Jesús Granada)

Dort, wo es besonders schön ist in Spanien, gibt es die Casas de los Indianos. Sie wurden einst von Zuckerbaronen gebaut, die reich aus Übersee heimkehrten. In Málaga kann man jetzt in einem besonders schönen übernachten.

Von Sebastian Schoepp

Es war der Duft der Orangenblüten, der sie zurückholte. Zwanzig Jahre hat Inmaculada Cuevas Chacón in der Schweiz gelebt, doch nie, sagt sie, habe sie diesen Geruch vergessen - wenn sich die Flor de Azahar, wie sie auf Spanisch heißt, öffnet und ihren süßlichen, betörenden Liebesduft verströmt, der nicht nur für Inmaculada Cuevas Chacón der Inbegriff des Südens ist. Die Sehnsucht war ein Grund für die Heimkehr; "amerikanische Direktiven", wie sie es nennt, also ein Umgangston am nordischen Arbeitsplatz, der härter und kälter wurde, taten ein Übriges. Sie verließ Zürich und ihren Job bei einer Versicherung und kehrte heim - und was gibt es Geeigneteres, um eine Rückkehr zu zelebrieren, als in einen Rückkehrerpalast einzuziehen und dort ein Gästehaus zu eröffnen?

Casas de los Indianos nennt man solche Paläste von Heimkehrern in Spanien, es gibt sie an allen Küsten, dort eben, wo es besonders schön ist: in Asturien, an der Costa Brava und in Andalusien. Als Indianos bezeichnete man in Spanien einst ein wenig spöttisch die Zuckerbarone, die im 19. Jahrhundert reich zurückkehrten aus Amerika, konkret aus der damaligen Kolonie Kuba, die ja zu den westindischen Inseln gehört. Die Architektur ihrer Häuser vereint traditionelle katalanische, maurische oder baskische Elemente mit der Leichtigkeit der spanischen Kolonialarchitektur. Und zwingend gehört zum Indiano-Haus die Palme davor, die dokumentierte, dass man aus der Neuen Welt kam.

Den süßen Duft der Blüten konnte Inmaculada Cuevas Chacóns nie vergessen.

(Foto: Sebastian Schoepp)

Inmaculada Cuevas Chacón hat ein solches Haus gekauft, in Málaga in Südspanien. Ein komplette Ruine sei das gewesen, berichtet sie, doch sie und ihr Schweizer Mann Viggo haben das Haus in mühevoller Kleinarbeit in ein Schmuckstück verwandelt, das die Indiano-Architektur feiert. Es heißt, wie kann es anders sein: Jardín de Azahar, Garten der Orangenblüte, und betont die Tatsache, dass überall in den Straßen rundum fette Zierorangen wachsen.

Die fünf Zimmer und zwei Bungalows sind in geschmackvoller mediterraner Schlichtheit gestaltet, für den Winter wurde sogar eine Heizung eingebaut. Es gibt einen großen Garten. Bei der Einrichtung griff Inma, wie sie genannt wird, zum Teil auf antike dänische Stilmöbel zurück, die sie mitunter an der Costa del Sol auf Flohmärkten entdeckt und deren ästhetischen Wert die früheren Besitzer offenbar nicht recht erkannten. Das ergibt eine anregende Nord-Süd-Mischung, die ein bisschen auch die Dualität im Herzen der 50-jährigen Besitzerin widerspiegelt, die ja zwanzig Jahre lang in Mitteleuropa gelebt hat. Manchmal nur wird Inma deshalb fast wehmütig. In der Schweiz, sagt sie, da genügte ein Anruf bei der Behörde und man war im Bilde, in Spanien war der Umbau des Hauses phasenweise eine endlose Rennerei - vor allem bei so einem ambitionierten Projekt. Kurz vor Weihnachten waren sie schließlich fertig; Inma konnte in die Saison starten.

Inma und Viggo sind herzliche Gastgeber, die auch gerne den eigenen Wohnteil vorführen, mit offenem Kamin und historischen Details. Das Gästehaus ermöglicht eine besondere Urlaubsform, die man von der Massentourismus-Gegend Costa del Sol bisher wenig kannte: den kombinierten Bade- und Stadturlaub nämlich, wie man ihn eher aus Barcelona gewohnt ist, das wegen der totalen Überfüllung mit Touristen aber immer mehr Menschen nervt. Málaga ist eine Alternative, weil immer noch ein Geheimtipp. Málaga war ja früher aus Touristensicht eher ein Flughafen mit angehängter Stadt. Picassos Geburtsort war zwischenzeitlich auch wirklich keine Schönheit; im Bürgerkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen, war Málaga danach zur etwas grauen Hafenmetropole mit düsterem Kern verkommen. Doch die Stadt ist erblüht wie ein Naranjo, ein Orangenbaum, im April. Das Zentrum wurde komplett saniert, es lädt zum Verweilen und Schlendern ein, fast zu sehr für den Geschmack vieler Einheimischer, denn die Gentrifizierung schreitet voran, viele Altstadtwohnungen, früher verkommen, sind jetzt schicke Airbnb-Unterkünfte. Wohnungssuchende Einheimische werden auf die Randviertel verdrängt.

Im Park liegt ein altes Bad, das gerade als nostalgische Strandbar wieder aufmacht

Pedregalejo, wo Jardín de Azahar liegt, ist ein solches Randviertel, aber ein ganz besonderes: Früher lebten hier und im benachbarten El Palo viele Gitanos in einfachen, oft illegalen Strandhäusern neben den verfallenden Villen. Inzwischen ist es eine gesuchte Adresse, vor allem, weil das Meer so nah ist. Vom Jardín de Azahar geht man nur ein paar Schritte über die leider etwas laute Straße, an den ein- und zweistöckigen Häuschen vorbei, und tritt an die Uferpromenade mit Strand. Dort gibt es Bars und Cafés, von denen aus man die Silhouette der Stadt bewundern kann, die einfahrenden Schiffe, den Hafen mit Kränen, natürlich steht alles voller Palmen. Einen Besuch wert ist das Balneario, ein altes Bad mit riesigem verwildertem Park, das lange geschlossen war, aber nun als nostalgische Strandbar wieder aufgemacht hat. Es zeugt von der einstigen Pracht Málagas, die wiederkehrt. Ein idealer Standort ist El Jardín de Azahar für Sprachtouristen, denn im Viertel Pedregalejo sind viele Sprachschulen angesiedelt.

Hinter dem Haus wachsen die grünen Montes de Málaga in die Höhe, die Berge, die die Stadt auf Landesseite einrahmen. Auf der anderen Seite wartet die glitzernde Fläche des Mittelmeers. Es duftet, die Luft ist weich, sanft und feucht. Das Klima hier ist mild, auch im Winter; ein Ort, an den man gerne zurückkehrt.

Informationen

Ein Doppelzimmer kostet in der Wintersaison zwischen 35 und 75 Euro, www.jardindeazahar.com.

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