Spanien Warum die Balearen ihre Touristenabgabe verdoppeln

Ein Augusttag an der Playa de Palma.

(Foto: AFP)
  • Der Urlaub auf Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera wird von 2018 an etwas teurer.
  • Die Regierung der Balearen erhöht die umstrittene Touristenabgabe und schafft Ausnahmen ab, um damit unter anderem Umweltprojekte zu finanzieren.
  • Die Maßnahme ist Teil einer heftigen Debatte, wie die Inseln mit ihren Besucherrekorden umgehen sollen - die nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch viele Probleme bringen.

Besucher von Mallorca und seiner Nachbarinseln müssen von 2018 an etwas mehr Reisebudget einplanen. Denn die Parteien der linken Regierungskoalition der Balearen haben sich auf eine Erhöhung der umstrittenen Touristenabgabe geeinigt, berichtet die Mallorca Zeitung.

Im Haushalt für das nächste Jahr werde ein verdoppelter Satz der 2016 eingeführten "Ecotasa" eingeplant, wodurch insgesamt 120 Millionen Euro eingenommen werden sollen, sagte Tourismusminister Biel Barceló bei einer Pressekonferenz. Die Steuer habe sich bislang gut bewährt, so Barceló, ein Rückgang der Besucherzahlen sei bislang nicht eingetreten.

Gäste der Inseln Mallorca, Menorca, Formentera und Ibiza müssen also künftig bis zu vier Euro pro Kopf und Nacht zahlen. Alle Ausnahmen für Kreuzfahrtschiffe werden gestrichen. Bisher fallen für Besucher über 17 Jahren je nach Art der Herberge zwischen 50 Cent und zwei Euro an, zwischen November und April die Hälfte. Mit dem Geld werden nach Angaben der Regionalregierung vor allem Umweltprojekte finanziert.

Was ist katastrophal - die Abgabe oder die Massen?

Der Verband der Hoteliers von Mallorca (FEHM) hatte das Vorhaben vorab als "katastrophal" kritisiert. Noch seien keine positiven Folgen der bisherigen Abgaben spürbar, "weder im sozialen Bereich noch in Bezug auf das touristische Angebot", klagte Verbandspräsidentin Inmaculada Benito in einer Mitteilung.

Die Debatte um die vergleichsweise geringen Summen für den einzelnen Touristen ist Teil einer großen, oft erbittert geführten Diskussion um die Auswirkungen des Massentourismus. Wie auch in anderen Urlaubsländern, klagen Spanier in vielbereisten Regionen nicht nur über lärmende und betrunkene Urlauber, sondern auch über explodierende Mietpreise, aus dem Stadtbild verschwindende Läden des täglichen Bedarfs und die Verdrängung der Einheimischen aus Innenstadtvierteln.

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Einzelne Protestaktion machten in diesem Sommer international Schlagzeilen. Mitte Juli etwa demonstrierte eine linke Jugendorganisation in einem gut besuchten Restaurant am Hafen von Palma mit Bengalos, Konfetti und Spruchbändern, auf denen zu lesen war: "Tourism kills Mallorca" (Der Tourismus tötet Mallorca). An vielen Stellen von Palma sind Aufkleber und Spruchbänder zu sehen. Es haben sich Bürgerinitiativen wie "Ciutat per a qui l'habita" (Die Stadt ihren Bewohnern) gegründet, die für mehr Nachhaltigkeit kämpfen.

Auch die enorme Anzahl an Mietwagen und die damit einhergehende Verkehrs- und Umweltbelastung macht vielen Balearenbewohnern Sorgen. So versah die Organisation Endavant im Sommer bei einer Aktion an die tausend Mietwagen mit Aufklebern, auf denen zum Beispiel "Dieses Auto ist zu viel" stand.

"Willkommen, Señor Turista"

Doch die Proteste ziehen erste Konsequenzen nach sich. Ein neues Gesetz beschränkt die Zahl der Übernachtungsplätze auf Mallorca offiziell auf knapp 436 000, auf den Balearen insgesamt auf etwa 623 000. Auf Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera soll zudem vom kommenden Jahr an zwischen April und Oktober auch eine Höchstgrenze für die Zahl der Mietwagen festgelegt werden.

Mallorca ist eines der beliebtesten Ferienziele im Mittelmeerraum. 2015 verbrachten allein mehr als 3,2 Millionen Deutsche dort ihren Urlaub. Der Flughafen der Insel wuchs in den vergangenen Jahren zu einem der zwanzig größten in Europa an. Vor diesem Hintergrund sah sich zuletzt auch die spanische Zentralregierung genötigt, die Bürgerproteste zu kommentieren. Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte nach einem Besuch bei König Felipe VI. in dessen mallorquinischer Sommerresidenz Marivent: "Ich weiß nicht, ob man Urlauber mit Plakaten à la 'Willkommen, Señor Turista' begrüßen muss, aber es wäre ein Unding, sie mit Füßen zu treten." In Spanien sorge der Tourismussektor nicht nur für 13 Prozent der Arbeitsplätze - insgesamt 2,5 Millionen Jobs -, sondern er mache auch stolze elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, rechnete Rajoy vor. Für die Balearen hängen aktuell sogar knapp 45 Prozent der Wirtschaftsleistung vom Tourismus ab.

Konservative Politiker starteten deshalb bereits eine eigene Kampagne, die für Freundlichkeit gegenüber Touristen wirbt. Und auch Tourismusminister Biel Barceló betonte zuletzt, die linke Regierung sei nicht gegen Tourismus an sich. Dieser bleibe für die Region "fundamental". Man verfolge deshalb eine Strategie von "Gleichgewicht und Nachhaltigkeit", aber auch Qualität.

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