Skitourismus und Klimawandel Schnee von morgen

Die Alpen als Schneeparadies: dafür lässt sich die Tourismusindustrie in Zeiten des Klimawandels viel einfallen.

(Foto: REUTERS)

In den Alpen wird es Zeit, die Skisaison vorzubereiten. Und den Schnee zu sichern. Für dieses Jahr haben die Wintermacher etwas ganz Neues entwickelt: eine künstliche Wolke, neben der klassische Schneekanonen alt aussehen sollen.

Von Dominik Prantl

Im Flachland wohnende Menschen mögen es gerade bei den derzeit herrschenden Temperaturen etwas befremdlich finden, dass in den höher gelegenen Skigebieten der Alpen die Schneekanonen schon seit Wochen auf Hochtouren laufen. Doch weil der gemeine Wintersporttourist seinen Anspruch auf makellos weiße Hänge inzwischen als eine Art Naturrecht versteht, wird in dem Ötztaler Skigebiet Hochgurgl-Obergurgl demnächst eine ganz neue Form der Beschneiung getestet: Von November an soll es dort aus einer künstlichen Wolke rieseln.

Man kann der Ski- und Schneeindustrie der Österreicher vom gewinngetriebenen Umgang mit der Natur bis zur Ballermannisierung des Wintertourismus ja einiges vorwerfen, nicht jedoch eine mangelnde Innovationsfreude bei der Erzeugung von Schnee. Der entwickelt sich langsam zu ihrem wertvollsten, gleichzeitig aber immer weniger berechenbaren Gut. Der Umsatz an den österreichischen Liftkassen betrug im vergangenen Winter rund 1,2 Milliarden Euro. Seit 2008 haben Österreichs Seilbahnen deshalb allein in die Schneesicherheit mehr als 800 Millionen Euro investiert. 60 Prozent der Pisten sind mittlerweile beschneibar, Tendenz steigend. Inzwischen suchen die Wintermacher daher mit allen Mitteln nach neuen Lösungen für einen nachhaltigen Niederschlag.

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Im Falle der Wolke hantieren sie allerdings nicht mit dem umstrittenen Silberjodid wie beispielsweise die chinesischen Wettergötter bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking. Auch sei der Begriff Wolke "nicht der glücklichste", räumt Werner Hanselitsch von den Liftgesellschaften Obergurgl-Hochgurgl ein. Vielmehr handelt es sich bei der Hilfestellung für die kalte Jahreszeit um einen Testballon von etwa dreieinhalb Metern Durchmesser, der von einem auf Stelzen stehenden Schutzmantel umgeben ist. "Da fliegt nix" sagt Hanselitsch.

Michael Bacher, der wissenschaftliche Leiter des Projekts, spricht von einer "Wolkenkammer", in die mittels einer Düse Wassertropfen eingestäubt werden. Die Wassermoleküle lagern sich an mikroskopisch kleinen Eisplatten an, wodurch sich zuerst Eiskristalle und schließlich Schneeflocken bilden. Interessant ist das neue Verfahren für die Skigebiete vor allem deshalb, weil das Produkt viel stärker dem Naturschnee ähnelt als die schweren Eiskörner aus herkömmlichen Erzeugern. So ließen sich laut Bacher mit einem Kubikmeter Wasser etwa 15 Kubikmeter Schnee produzieren. Das entspricht dem Achtfachen einer konventionellen Schneekanone. Hanselitsch freut sich neben dem geringeren Wasserverbrauch vor allem auf "schönen, fluffigen Tiefschnee". Viele Skifahrer verzichten dafür inzwischen auf platt gewalzte Pisten.

Sollte sich die Technik tatsächlich durchsetzen, darf man auf den nächsten Schritt gespannt sein. Die flächendeckende Beschneiung der Alpen? Durchgängig befahrbare Loipen im Berliner Stadtgebiet? Im Sauerland kommt von diesem Winter an jedenfalls der mancherorts schon etablierte "Snowmaker" zum Einsatz. Er erlaubt auch bei Plusgraden die Schneeerzeugung. Das Prinzip stammt aus Israel und wird unter anderem zur Kühlung in südafrikanischen Bergwerken verwendet.

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