Skifahren in Colorado Wo die Einheimischen wedeln

Fernab der Glitzerwelt von Aspen und Vail treffen sich die Einheimischen von Colorado zum Skifahren. In Arapahoe Basin gibt es doppelschwarze Extrempisten, eine Cafeteria in einer ehemaligen Raketen-Teststation und Freiluft-Grillen am Talhang.

Montezuma, das war doch der mit der Rache. Da soll einem nicht flau werden in der Magengegend? Bestimmt heißt das neu erschlossene Talbecken von Arapahoe Basin, einem kleinen Skigebiet in Colorados Rocky Mountains ganz absichtlich nach dem alten Aztekenherrscher. Steil und schneeweiß ist es hier, mit Steinbrocken-Sprenkeln, Felsscharten, Monsterbuckeln und doppelschwarzen Extrempisten. Wenn das mal nicht in die Hose geht. Die vom Liftnachbarn hat jedenfalls schon einen dicken Flecken am Hinterteil. Da klebt ein breiter Streifen Paketband. Neulich sei er an einer Felsnase hängengeblieben, erklärt der junge Mann mit dem zerzausten Ziegenbärtchen, grinst breit, rückt den Helm mit Totenkopf-Sticker zurecht und stürzt sich in einer glitzernden Pulverschneewolke talwärts.

Es muss nicht immer Aspen sein

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Colorados weltbekannte Wintersportriesen Aspen und Vail sind heute Pflichtstationen für den internationalen Skizirkus, für müßige Monarchen und Business-Bosse, Hollywood-Helden und Polit-Promis. In Arapahoe Basin fahren die Einheimischen. Wenn der Interstate 70 nicht gerade mit Ski-Pendlern verstopft ist, liegt das muntere Mini-Skizentrum nur eine gute Stunde westlich von der Bundeshauptstadt Denver.

Direkt neben Abfahrt 216 surren die Lifte der Loveland Ski Area. Eine aufregende Viertelstunde weiter über den dünnluftigen Loveland Pass erreicht man A-Basin. Die windige Passhöhe auf fast 3700 Höhenmetern ist für viele Einheimische der Einstieg zu Skitouren ins Hinterland. Chronisch klamme Jugendliche sparen sich ein Liftticket, brettern querfeldein durch Kiefernwälder bergab, trampen wieder hinauf.

Skigebiete für Tagesausflügler

Loveland und A-Basin sind Retro-Skigebiete für Tagesausflügler. Es gibt weder einen gewachsenen Ort, noch gut geplante Resorts, nur Lifte, Pisten und Talstationen. Die bescheidene Cafeteria, untergebracht in einer alten Raketen-Teststation, in der zweigeschossigen Tageslodge mit dem beinah zum Boden reichenden Spitzdach, serviert Fritten, grünen Chili-Eintopf und Muffins. Hotels gibt es immer noch nicht.

Wer keinen wilden Zeltplatz im White River Nationalwald suchen oder in Nachbarorten nächtigen will, kurvt nach Liftschluss zurück nach Hause. Pisten-Pilger mit Wohnmobil haben Après-Partys in A-Basin wohl übertrieben - sogar eine Couch auf Skiern soll schon auf den Gipfel bugsiert worden sein. Darum darf an der Talstation nicht mehr gecampt werden. Aber gegrillt. "The Beach" wird der Vorgarten der ersten Autoreihe auf dem Frühaufsteher-Parkplatz genannt. Besonders im späten Frühling brutzeln hier Hamburger auf Holzkohlen. In Skischuhen und Badehose wird Beach-Volleyball gespielt.

Rasante Abfahrten

Wind und Wetter haben Nordamerikas großes Felsengebirge glatt geschmirgelt. Weil die Baumgrenze in Colorado relativ hoch verläuft, sehen manche Skiberge im Wilden Westen eher wie brave Rundkuppen im Bayerischen Wald aus. Loveland und Arapahoe Basin nicht. Ein Großteil der rasanten Abfahrten liegt oberhalb windschiefer Fichten. Auf fast 4000 Metern gelegen, gehören sie zu den höchsten Skigebieten Nordamerikas.

Hier dauert die Saison länger als anderswo. Loveland und A-Basin wetteifern jedes Jahr, wer als erstes aufmacht (meist im November) und als letzter schließt - manchmal erst im Juni. Copper heißt Kupfer, und benannt wurde das Resort natürlich nach dem Edelmetall, das Grubenarbeiter hier aus dem Boden buddelten. Aber woher kam denn nun der Montezuma, nebenan in Arapahoe-Basin?

Pressesprecherin Leigh Hierholzer lacht. Alles ganz harmlos, kein finsterer Fluch. Das neue Talbecken wurde einfach auf ein gleichnamiges Bergbaunest getauft, das man vom Gipfel sieht. Doch wie das wiederum seinen Namen bekam?

Informationen:

Anreise und Formalitäten: Mehrere Fluggesellschaften fliegen direkt von Deutschland nach Denver. Von dort geht es per Mietwagen oder Shuttlebus weiter. Jeder Reisende benötigt einen eigenen Reisepass. Alle Besucher, die ohne Visum einreisen, müssen im Internet eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen. Die Gebühr beträgt 14 Dollar (10,80 Euro). Auch ein Reisebüro kann die Beantragung erledigen.

Klima und Reisezeit: Arapahoe Basin und Loveland wetteifern jedes Jahr darum, wer die Saison zuerst eröffnet. Die Gipfelstationen liegen knapp 4000 Meter hoch. Meist laufen die Lifte von Anfang Oktober bis Mai, manchmal sogar bis in den Juni hinein. In Copper Mountain dauert die Saison von Anfang November bis Ende April. Aber von Januar bis März ist der Schnee überall am besten.

Reisetipps: Wer keine Pauschalreise inklusive Skipass gebucht hat und Tagestickets braucht, bekommt ermäßigte Preise oft bei Buchung im Internet. Auch große Supermarktketten und einige Sportgeschäfte vor allem in Denver verkaufen reduzierte Tagespässe. In manchen Skigebieten wie zum Beispiel Arapahoe Basin und Keystone gelten die Lifttickets wechselseitig. Loveland und A-Basin sind reine Tagesskigebiete ohne Ortschaft. Übernachten kann man hier nicht. Hotels oder Ferienwohnungen findet man in nahe gelegenen Ortschaften, zum Beispiel in Georgetown (für Loveland) oder Keystone (für A-Basin). Copper Mountain verfügt über rund 1600 Gästezimmer.