Skifahren im Salzburger Land "Kunstschnee? Das ist nichts Künstliches!"

Reinhard Perwein, Schneemacher, sorgt dafür, dass sich Skifahrer auf der Weltcup-Abfahrt in Zauchensee wie Lindsey Vonn fühlen können. Außer es hat am Morgen geschneit.

Von Ralf Tögel, Zauchensee

Die Weltcup-Arena liegt ganz klein dort unten. Das Gelände ist so steil, dass Sportler oben am Gamskogel ungehindert bis hinunter ins Tal sehen können. Wie eifrige Ameisen kreuzen Skifahrer zwischen den Liften im Skigebiet Zauchensee. Tief durchatmen, dann geht es los am Weltcupstart auf 1875 Metern. Der Untergrund ist griffig, die Schwünge lassen sich gut in den Schnee schneiden, obwohl die Piste im Lauf des Tages gelitten hat. An den ganz steilen Stellen, manchmal sind es mehr als 70 Prozent, wird es eisig, da hilft nur Druck auf die Kante. Oder seitlich drüber schlittern - so wird der Schnee zu Haufen zusammengeschoben. Für den Könner sind diese Buckel eine Freude, für weniger Geübte ein Hindernis.

Weiter unten hat die Sonne die Piste weich geleckt, jetzt greift die Kante schon mit wenig Krafteinsatz. Mit rhythmisch federnden Bremskurzschwüngen geht es weiter, ein herrliches Vergnügen. Unten angekommen lohnt der Blick zurück auf das Geschaffte: Sie ist bezwungen, die steile Kälberloch-Abfahrt. Man darf sich jetzt ein bisschen wie ein Weltcup-Fahrer fühlen. Vor ein paar Wochen hat genau hier Lindsey Vonn eine Abfahrt und einen Super-G gewonnen. Ohne Bremsschwünge.

Zauchensee-Altenmarkt ist ein mittelgroßes Gebiet für anspruchsvolle Skifahrer, die Abwechslung wollen. Das unterscheidet es von riesigen Skigebieten mit übertriebenen Abfahrtskilometern auf flachen Pisten-Autobahnen. Zauchensee ist für noch etwas bekannt: seinen Schnee.

Böse Mails wegen Schneehügeln

Der liegt hier, wenn er woanders ausbleibt: Zauchensee ist das, was Skifahrer ein Schneeloch nennen. Als der internationale Skiverband Fis verzweifelt nach einem Ersatzort für das schweizerische Adelboden suchte, weil der Winter dort zwischenzeitlich seinen Dienst quittiert hatte, war die kleine Marktgemeinde 66 Kilometer südlich von Salzburg Ende Januar zur Stelle. Dort gab es Schnee, dank seiner klimatischen Besonderheit. Und dank Reinhard Perwein, dem Schneemacher von Zauchensee.

Ein Treffen in der Weltcup-Arena, der großen Talstation, von wo aus die Lifte sternförmig aus dem Talkessel auf die umliegenden Berge fahren: den 1890 Meter hohen Tauernkar, den Gamskogel, 2188 Meter, oder den Rosskopf mit 1930 Metern. Es ist ruhig hier im Nebenraum des roten Salons, aus der Bar dudelt ein bisschen Musik herüber. Draußen tobt der Skitourismus: der große Kassenbereich, ein Sportgeschäft, sogar eine kostenlose Parkgarage gibt es, zu den Liftanlagen kann man mit einer Rolltreppe nach oben fahren. Schneemacher Perwein, 53, sitzt vor einem Glas Wasser und ruht in sich.

Er ist ein Mann aus den Bergen: Von Wind und Sonne gegerbter Teint, das Haar hat sich auf seinem Haupt schon recht weit nach hinten zurückgezogen, breite Schultern zeigen, der kann anpacken. In seinem Salzburger Dialekt erzählt er von Skifahrern, die sich über Schneehaufen aufregen, ihn kritisieren, er habe seine Arbeit nicht gemacht. Es gebe viele "Schneibermeister", sagt Perwein, Besserwisser, er lächelt milde. Perwein weiß es besser.

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Er ist nebenan in Altenmarkt geboren, seit 24 Jahren ist er Betriebsleiter der Zauchensee Liftgesellschaft, und seit 13 Jahren verantwortlich für die Schneeerzeugung im Skigebiet. Da macht ihm so schnell keiner was vor: Wenn es um Schnee geht, ist er in seinem Element. Perwein beschreibt Schneeprofile, erklärt detailliert den Unterschied der Kristalle, wie man diese in "Vergärungsprozessen" zusammenbringt. Eines hört er nicht gern: Kunstschnee.

"Das ist nichts Künstliches", sagt er, "das ist rein, nur Luft und Wasser, keine Chemikalien." Wie beim Bier in Bayern: "Es gibt eine Art Reinheitsgebot. Aber Gott erhalt's sagen wir nicht." Ein Schneemacher muss früh aus den Federn. Schneit es, beginnt Perweins Tag um vier Uhr morgens, um 8.30 Uhr müssen die Pisten präpariert sein für "sechs- bis siebentausend Gäste an normalen Tagen". Um 18 Uhr werden die Pisten gesperrt für die Schneeraupen, bis 23 Uhr nachts wird geglättet, aufgeraut, planiert. Eine harte und diffizile Arbeit, die kein Tourist mitbekommt.

Schneit es aber am Morgen, "kann der Schnee nicht abbinden", erklärt Perwein, der Neuschnee liegt lose auf, es gibt Schneehügel. Und böse Mails: "Die Gäste denken dann, wir haben unsere Arbeit nicht gemacht."

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Perwein macht seinen Job als Autodidakt, der in den Bergen groß geworden ist. "Learning by doing", sagt er. Natürlich muss auch er sich fortbilden, etwa auf Kursen der Schneekanonen-Hersteller. Oder die Szene trifft sich auf "Schneemeisterkursen", veranstaltet von der österreichischen Abwasserwirtschaft. Ökologie ist ein großes Thema, sagt Perwein.

Es gibt schlechtere Orte für einen Schneemacher als den Talkessel zu Zauchensee. Der liegt auf 1350 Meter Seehöhe, das Skigebiet geht bis auf 2100 Meter, es ist das höchste der Salzburger Sportwelt. Im Sommer ist da oben nur Almwirtschaft mit einem vergleichsweise bescheidenen Ertrag möglich. Der landwirtschaftliche Nachteil hat aber einen Vorteil: "In unserem Kessel ist das Klima rauer", sagt Perwein, "wir können einen anderen Schnee machen und ihn auch länger halten." Anfang Oktober beginnt die Arbeit, dann werden 160 Schneeaggregate mit einem Helikopter im Gebiet verteilt, "die billigste und schonendste Variante", meint Perwein.

Zu dieser Zeit gebe es "erfahrungsgemäß eine Kälteperiode". Die Temperatur ist das Wichtigste, "um wirtschaftlich zu beschneien", mindestens minus vier Grad sollten es sein, sagt Pernwein, dazu eine geringe Luftfeuchtigkeit. Dann schießt der Schnee in gewaltigen Fontänen aus den Kanonen, bald danach kommt der erste Neuschnee dazu und Ende November wird die Saison eröffnet.

Wie sieht er aus, der ideale Schnee für den Skifahrer?