Ski global: Japan Après-Ski mit Riesenrad

Skifahren hat in Japan Tradition, doch gerade junge Städter finden den Brettlspaß nicht mehr zeitgemäß. Daher lassen sich die Skiorte allerhand einfallen.

Von Christoph Neidhart

Münchner haben es einfach, Wintersport zu treiben: Sie setzen sich ins Auto oder den Zug und fahren in ein nahe gelegenes Skigebiet, vorzugsweise in den Alpen. Doch was müssen Skifahrer in anderen Großstädten der Welt auf sich nehmen, um auf die Piste zu kommen? Welche Rolle spielt der Wintersport dort überhaupt? SZ-Autoren klären auf.

Japan feiert demnächst hundert Jahre Skisport. Aber das Feriendorf Myoko, wohin ein Major Theodore Edler von Lerch von der k.u.k.-Armee das weiße Vergnügen 1911 brachte, wird heuer wieder mit weniger Gästen aus Tokio rechnen müssen. Den 700 Skiorten Japans geht es allen so. Dabei sind viele Skistationen aus der Hauptstadt per Tagesausflug erreichbar - so lange die Autobahnen nicht verstopft sind. Und selbst das ist eigentlich kein Hindernis: Für die prächtigen Skiberge auf der Nordinsel Hokkaido bieten die Fluggesellschaften preiswerte Pauschalpakete an.

1993 liefen mehr als 18 Millionen Japaner Ski, heute macht nicht einmal mehr die Hälfte davon Wintersport. Und diese Hälfte wird immer älter. Denn Japans junge Städter finden Skilaufen nicht mehr zeitgemäß. Anders als noch vor einigen Jahren pilgern an Freitagabenden nur noch wenige Jugendliche - die meisten davon mit Snowboards - zum Bahnhof Shinjuku, von wo aus der Skibus durch die Nacht zu den Liften fährt.

Preisnachlässe an den Wochentagen

An Wochentagen sind die Skihänge deshalb ziemlich leer; viele Anlagen kämpfen ums Überleben, auch mit Preisnachlässen. Dadurch wird Skilaufen billiger - wie auch das Leihen der Ausrüstung. Gerade die Städter ziehen das Mieten dem Schleppen von Skiern vor.

Weil die Winter wärmer und trockener werden, läuft man auf manchen Skihängen den ganzen kurzen Winter über auf Kunstschnee. Schneit es endlich doch, vor allem in höheren Lagen und auf Hokkaido, dann gleitet man durch einen Pulverschnee, so locker und leicht, dass Europäer vor Neid erblassen würden.

Viele Skiorte betätigen sich nebenbei noch als Vergnügungspark. Unten an der Piste dreht sich ein Riesenrad, zur Skischule für die Kinder gehört Après-Ski-Klamauk im Schnee. Einen japanischen Skitag beschließt man mit einem Besuch im Onsen, dem japanischen Thermalbad. Im dampfend heißen Wasser wartet es sich angenehm, bis sich der Stau auf der Autobahn nach Tokio auflöst.