Sightseeing in Hamburg Von Tresen zu Tresen

Flasche in der Hand, Füße im Sand: Die "Strandperle" am Elbufer von Oevelgönne ist einer der Lieblingsplätze der Hamburger.

(Foto: Daniel Bockwoldt/Picture Alliance)

Eine der besten deutschen Großstadt-Touren verbindet die beliebte "Alsterperle" mit der berühmten "Strandperle", ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meistern - und zeigt Hamburg von seinen schönsten Seiten.

Von Peter Burghardt

Hamburg, meine Perle. Bei jedem Heimspiel des HSV singt der Entertainer Lotto King Karl seine Hymne, die zu seiner Heimatstadt eindeutig besser passt als bis zuletzt zu deren bedeutendstem Fußballklub. Vor allem bei gutem Wetter, das sich zu ausgewählten Ereignissen einstellt, leuchtet diese Metropole zauberhaft, und dann ist es keine Zeitverschwendung, gleich zwei ihrer Perlen aufzusuchen: die "Alsterperle" und die "Strandperle".

Das sind zwei ebenso rustikale wie grandios gelegene Lokale, von denen besonders das zweite auch überregionalen Ruhm genießt. Sie finden sich wie Pole an den Ufern der beiden Hamburger Gewässer. Man kann sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einigen Schritten nacheinander ansteuern und dabei eine der besten Touren absolvieren, die deutsche Großstädte zu bieten haben.

Es ist gar nicht teuer, der Fahrpreis von Tresen zu Tresen beträgt alles in allem lohnend investierte 9,10 Euro. Die "Alsterperle" liegt, man ahnt es, an der Alster, im Viertel Uhlenhorst an der Außenalster, einer Art Starnberger See mitten in Hamburg.

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Bei der Kneipe handelt es sich um eine Imbissbude mit Selbstbedienung und Grill, auf dem außer an verregneten Abenden zwei Sorten Würstchen braten. Dazu empfiehlt sich ein Getränk, das am Fenster abgeholt und am Wasser ausgetrunken wird. Auf Bänken, in Liegestühlen, im Gras. Vor der Kundschaft glitzert dieser urbane See mit der Skyline der City. Gegenüber versinkt in Sichtweite des Fernsehturms die Sonne, falls sie sich zeigt.

Trinkt man da gemütlich ein Bier, dann tun einem die Jogger leid, obwohl das eine wunderbare Laufstrecke ist. Auf der Außenalster kreuzen außer Seglern, Ruderern und Stehpaddlern auch motorisierte Alsterdampfer. Geht man ein paar Hundert Meter Fußweg nordwestlich am Uhlenhorster Fährhaus an Bord und bezahlt sechs Euro für drei Stationen, so berechtigt das nach Süden zur Mitfahrt bis zum Jungfernstieg im Zentrum. Einer der beiden Zwischenstopps ereignet sich beim Hotel Atlantic, in dem seit Menschengedenken Udo Lindenberg wohnt. Vom Jungfernstieg führt dann ein kurzer Spaziergang zum herrlichen Rathaus und der U-Bahn.

"Leute, flüssig bleiben"

Die U-Bahn heißt in Hamburg Hochbahn und fährt tatsächlich über zahlreiche Brücken, zum Beispiel auf dieser Linie 3. Sie passiert oberirdisch den Rödingsmarkt und den Baumwall neben einem schiffsähnlichen Verlagshaus, diese Haltestelle trägt inzwischen außerdem den Namen der Elbphilharmonie schräg gegenüber.

Da öffnet sich der Blick zu dem Konzerthaus, auf den Fluss, auf den Welthafen. Dessen touristischer Mittelpunkt ist an den folgenden Landungsbrücken erreicht - seltsamerweise sagenhaft unpraktisch für Menschen mit Kinderwagen oder eingeschränkter Bewegungsfähigkeit sowie am Kai gänzlich ungeschützt.

Wer beim Einstieg in die Metro ein Ticket für 3,10 Euro erstanden hatte, der darf an Brücke 3 dafür ohne weiteren Zuschlag die Linienfähre Nummer 62 Richtung Finkenwerder besteigen. Im ersten Versuch misslingt das an Tagen, an denen zu viele Passagiere dieselbe Idee haben. "Leute, flüssig bleiben, keine Grüppchen bilden, sonst gehen wir alle von Bord und üben das noch mal", rät der Einweiser beim nächsten Schiff.

Es geht vorbei an Fischmarkt, Trockendocks, Ozeanriesen. Auch für Trauungen ist diese Kulisse sehr zu empfehlen. In Neumühlen betritt man nach elf Minuten wieder Festland, lässt weitere Restaurants liegen und schlendert zur "Strandperle", Hamburgs attraktivstem Kiosk. Da sitzt der Gast mit Glas oder Flasche im Sand, schaut auf die Elbe, die Kräne und Pötte und fragt sich, ob das vielleicht sogar noch schöner ist als die Perle an der Alster.

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